"Geplanter Verschleiß" Apple und Samsung müssen in Italien Millionenstrafen zahlen

Apple und Samsung sollen die Leistung älterer Geräte gezielt gedrosselt haben. Die italienische Kartellbehörde fordert deshalb Zahlungen in Millionenhöhe. Apple muss doppelt so viel zahlen wie Samsung.

Apple-Logo in Mailand
REUTERS

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Die Handy-Hersteller Apple und Samsung müssen in Italien wegen "geplanten Verschleißes" ihrer Smartphones Millionenstrafen zahlen.

Wegen gezielter Drosselung der Leistungsfähigkeit älterer Geräte muss Samsung fünf Millionen Euro Strafe zahlen, Apple wurde zur Zahlung von zehn Millionen Euro verurteilt, teilte die Kartellbehörde in Rom mit. Weltweit hatten sich Nutzer zuvor über die nachlassende Leistung älterer Smartphones beklagt.

Ermittlungen hatten laut der Behörde ergeben, dass sich Apple und Samsung "unlauterer Geschäftspraktiken" schuldig gemacht hätten. Updates von Betriebssystemen verursachten demnach "schwerwiegende Fehlfunktionen" und "reduzierten die Leistung deutlich". So seien die Kunden gedrängt worden, schneller neue Geräte zu kaufen.

Mangelnde Aufklärung

Die Strafe für Apple fiel doppelt so hoch aus, weil das Unternehmen seine Kunden nicht ausreichend über die Leistungsfähigkeit der Smartphone-Akkus aufgeklärt habe, teilte die italienische Kartellbehörde mit. Auch über mögliche Maßnahmen für eine längere Lebensdauer der Akkus habe Apple nicht ausreichend informiert.

Die Wettbewerbshüter hatten die Untersuchungen wegen sogenannter Obsoleszenz im Januar eingeleitet. Zeitgleich starteten die Behörden in Frankreich Ermittlungen nach Klagen von Kunden über die Langsamkeit älterer Handys. In den USA sieht sich Apple mit einer Sammelklage konfrontiert.

Bereits vergangenes Jahr hatte Apple zugegeben, die Geschwindigkeit älterer Smartphones zu drosseln. Der Konzern wollte damit eigenen Angaben zufolge lediglich die Akkulaufzeit verlängern.

brt/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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quark2@mailinator.com 24.10.2018
1.
Tja, geschlossene Betriebssysteme und automatische Updates sind einfach eine unschlagbare Kombination. Statt das die Hersteller diese Drosselung einfach als Option angeboten und ggf. an die tatsächliche Akkuperformance gekoppelt hätten ...
zeichenkette 24.10.2018
2. Naja
Mittlerweile kann man die automatische Drosselung bei schwachem Akku bei iPhones abschalten. Und siehe da, die Dinger schalten sich dann unvermittelt aus, wenn der nach einigen Jahren ausgelutschte Akku bei Belastungsspitzendie Spannung nicht mehr aufrechterhalten kann. Andere Hersteller zucken dann mit den Schultern, dafür wird man dann nicht bestraft. Hätte Apple wohl besser auch so gemacht.
doktor MZ 24.10.2018
3. Re: Naja
Man kann auch einfach ein durchdachtes Produkt kaufen, dessen Akku man tauschen kann. Dann hat der Hersteller auch keinen Vorwand mehr, mich zu betrügen und heimlich mein Telefon auszubremsen...
mark-hochreiter 24.10.2018
4.
So recht verstehe ich die Aufregung nicht. Geplante Obsoleszenz ist doch mittlerweile ein fester Bestandteil des Wirtschaftsgeschehens. Bei der Glühbirne wusste es jeder, gemacht wurde aber nichts. Bei Alltagsgegenständen wundert man sich auch, warum die Sachen nicht halten. Ich bringe meinen Fön regelmäßig in eine bekannte Drogeriekette zurück, weil das Kaputtgehen, Teil des Geräts zu sein scheint. Bei Autos gab es die Abwrackprämie, weil unsichere Autos ungeschickt wären. Und bei Digitalen Endgeräten gibt es die schwerer nachzuweisende geplante Softwareobsoleszenz. Das alte Gerät, das eigentlich noch voll funktionsfähig ist, kommt mit den unglaublichen technischen Neuerungen in der digitalen Welt nicht mehr mit. Wer’s glaubt wird selig. Und wer sich ordentlich regelmäßig Neues kauft, der merkts ja auch gar nicht. Also... kaufen marsch marsch!
Racer2017 25.10.2018
5. Bitte richtig recherchieren
Apple hat mitnichten primär die Geschwindigkeit gedrosselt, sondern die Leistungsaufnahme begrenzt, um die Geräte vor Abstürzen zu schützen, was auch reproduzierbar ist. Apple wird hier bestraft, weil sie die Lebensdauer älterer Geräte verlängert haben. Witz.
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