iPhone-Konzern: US-Senat kritisiert Apples Steuertricks

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Apple-Chef Cook: "Apple zahlt alle nötigen Steuern"

Amerikas Politiker knöpfen sich Apple vor. Der US-Senat wirft dem iPhone-Hersteller vor, mit Steuertricks im Ausland Milliarden vor dem Fiskus versteckt zu haben. Apple habe "den Heiligen Gral der Steuervermeidung" gesucht. Nun muss Konzernchef Cook vor einem Ausschuss Rede und Antwort stehen.

Washington - Es dürfte ein unangenehmer Auftritt für Tim Cook werden. Am Dienstagnachmittag muss der Apple-Chef vor einen Untersuchungsausschuss des US-Senats treten. Der Vorwurf: Apple Chart zeigen soll mit einem komplexen Geflecht aus im Ausland angesiedelten Firmen Steuerzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe vermieden haben. Bereits vor dem Auftritt von Cook veröffentlichte der Senat einen 40-seitigen Bericht. Darin heißt es, Apple habe zwar nicht illegal gehandelt. Der Konzern habe aber Gesetzeslücken genutzt, um in den USA im großen Stil Zahlungen an den Fiskus zu vermeiden.

"Apple war nicht damit zufrieden, Gewinne in ein Niedrigsteuer-Paradies zu verlegen", sagte Senator Carl Levin, der den permanenten Senatsunterausschuss für Untersuchungen leitet. "Apple hat den Heiligen Gral der Steuervermeidung gesucht." Das Unternehmen habe Offshore-Firmen gegründet, die Dutzende Milliarden Dollar verwalteten, und so dem US-Fiskus Steuereinnahmen entzogen.

Die Anhörung am Dienstag werde "diesen Trick und andere Offshore-Steuervermeidungsstrategien von Apple hervorheben", sagte US-Senator Levin. Dies diene dazu, durchschnittlichen US-Bürgern vor Augen zu führen, wie solche Gesetzeslücken "ihre Steuerlast und das Bundesdefizit erhöhen".

Auch andere US-Konzerne wie Google Chart zeigen, Amazon Chart zeigen und Starbucks Chart zeigen stehen wegen ihrer Steuertricks in der Kritik. Das Problem ist die mangelnde internationale Abstimmung im Steuerrecht. Die Unternehmen nutzen legale Buchhaltungstricks - unter Steuerplanern bekannt als "Schachtelbeteiligung" oder "Rundreisen": Die Konzerne verschieben ihre Profite in Länder mit niedrigen Steuersätzen und kombinieren unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten.

Der republikanische Senator John McCain, der dem Ausschuss angehört, sprach von "sehr fragwürdigen Steuerstrategien, die Unternehmen wie Apple nutzen, um Steuerzahlungen in Amerika zu vermeiden". Er fand, dass "der Großteil von Apples kreativer Energie" besser in innovative Produkte und Dienstleistungen fließen sollte "und nicht in seine Steuerabteilung". McCain wie Levin betonten, sie würden Vorschläge unterbreiten, wie diese von Großunternehmen genutzten Lücken im Steuerrecht geschlossen werden könnten.

Cook: "Apple hält sich an den Geist der Gesetze"

Laut dem Senatsbericht verlagerte Apple zum Beispiel Rechte an geistigem Eigentum in Firmen in Ländern mit niedriger Besteuerung. Eine Filiale habe Nettozuflüsse von 30 Milliarden Dollar verbucht, sich aber geweigert, einen Steuerstandort anzugeben, heißt es. Sie habe über fünf Jahre "überhaupt keine Unternehmensteuer an irgendeine nationale Regierung gezahlt".

Zudem habe es Apple geschafft, mit Irlands Regierung eine Steuerquote von zwei Prozent auszuhandeln - statt der üblichen Rate von zwölf Prozent. Zwischen 2009 und 2012 habe das Unternehmen dabei 74 Milliarden Dollar an Umsatz von den USA nach Irland verlagert. Dem Bericht zufolge verfügt Apple über 145 Milliarden Dollar Barreserven. Davon lägen 102 Milliarden außerhalb der USA - mit dem Ziel Steuern zu sparen.

Apple reagierte bereits und verbreitete Cooks Stellungnahme für den Ausschuss. Das Unternehmen halte sich an die Gesetze "und auch an den Geist der Gesetze", wird der Konzernchef zitiert. "Und Apple zahlt alle nötigen Steuern in diesem Land und jenseits der Grenzen." Zugleich erneuerte Cook seine Forderung nach einer Reform der Steuergesetze. Diese hätten "nicht mit der Geschwindigkeit des digitalen Zeitalters und der sich schnell wandelnden Weltwirtschaft Schritt gehalten".

cte/AFP/dpa

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insgesamt 196 Beiträge
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1. Wen wundert's?
despr3z 21.05.2013
Apple beutet also nicht nur seine Kunden aus, sondern auch den Staat. Das überrascht mich jetzt irgendwie gar nicht.
2. Hier könnte Ihre Werbung stehen
ArnoNym 21.05.2013
Aus dem Artikel: ---Zitat--- Darin heißt es, Apple habe zwar nicht illegal gehandelt. ---Zitatende--- Wenn's nicht illegal war, war's ja wohl legal. Deshalb verstehe ich die Aufregung nicht. Ich mag das Geschäftsgebaren von Apple aus verschiedenen Gründen schon seit Apple-II-Zeiten überhaupt nicht, aber zu verlangen, daß eine Firma *freiwillig* mehr Steuern zahlt, ist völlig illusorisch. Wenn sie das täte, würde sie sicherlich von ihren Aktionären verklagt werden. Also handwerklich gute Gesetze machen, dann klappt's auch mit den Steuern!
3. Amazon, Google, Starbucks
cato-der-ältere 21.05.2013
Wenn bei Foxconn ein Selbstmord geschieht ist der "Apple-Zulieferer" schuld, nicht der Dell, Nokia. oder Sony-Zulieferer. Hier muss man auch erst ins klein gedruckte schauen um zu erkennen dass es noch mehr namhafte Schurken gibt. Das ist halt der Trend in der Berichterstattung, hat nichts zu tun mit Objektivität, aber wer hätte die Macht diese durchzusetzen? Aber zurück zum eigentlichen Thema legale Steuertrickserei. Da kann man nur hoffen dass die Berichterstattung dran bleibt. Und dass die Politiker, die das seit langem genau wissen aber achselzuckend als "alternativlos" hinnehmen, nach dem Motto "so ist die wirkliche Welt ihr Träumer", endlich ernsthaft dagegen vorgehen. Sämtliche Staatsschulden würden sich vermutlich in Nichts auflösen wenn nur alle Akteure ihre Steuern so zahlen wie ein kleine Angestellte es selbstredend tun.
4. optional
alexreil 21.05.2013
---Zitat--- Apple reagierte bereits und verbreitete Cooks Stellungnahme für den Ausschuss. Das Unternehmen halte sich an die Gesetze "und auch an den Geist der Gesetze", wird der Konzernchef zitiert. *"Und Apple zahlt alle nötigen Steuern in diesem Land und jenseits der Grenzen."* Zugleich erneuerte Cook seine Forderung nach einer Reform der Steuergesetze. Diese hätten "nicht mit der Geschwindigkeit des digitalen Zeitalters und der sich schnell wandelnden Weltwirtschaft Schritt gehalten". ---Zitatende--- Es sollte doch wohl eher heissen: "Apple zahlt alle nicht vermeidbaren Steuern". Genau das ist doch der Geist, der in den Chefetagen umgeht - was sich an Zahlungen nicht vermeiden lässt, wir eben zähneknirschend gezahlt. Aber erst werden hunderte von Steuervermeidungsstrategen damit beschäftigt, Lücken zu suchen. Dies gilt für alle Konzerne und Unternehmen in allen Ländern der Erde. Und das ist nicht nur bei den Steuern so, es ist auch bei den Arbeitskosten und den Produktionskosten der Fall. Was vermieden werden kann, wird vermieden - auch wenn dafür irgendwo auf der Welt Arbeiter sterben müssen. Hauptsache die Renditen stimmen und die Aktionäre bekommen ihre Dividenten. Da kann Tim Cook die Steuervermeidungstaktiken noch so schön reden, es geht nur darum Kosten und Abgaben zu vermeiden - koste es was es wolle.
5. Warnungen gab es genug!
Ha.Maulwurf 21.05.2013
Zitat von sysopAmerikas Politiker knöpfen sich Apple vor.
Tja, nun wird auch den letzten Apple-Verteidigern langsam klar, was für ein Problem der Konzernmoloch wirklich ist. Mahnungen gab es genug! Heute sehen wir das Ergebnis: Ganze Volkswirtschaften (Griechenland, Irland, Spanien usw.) werden durch derlei Praktiken regelrecht zerstört. Dank Konzernen wie Apple werden Millionen von Menschen um ihre Zukunft gebracht. Man muss sich nur die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien oder Griechenland anschauen. Das Problem sind nicht zu hohe Steuern oder ein zu kompliziertes Steuerrecht. Nein, das Problem sind Konzerne wie Apple. Ich persönlich bin ja schon seit langer Zeit der Meinung, dass der Konzernmoloch zerschlagen werden muss. Anders kann man dem Problem nicht Herr werden.
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