iPhone-Hersteller: Apples Innovationsmaschine stockt

Von manager-magazin.de-Redakteur Kristian Klooß

Apple-Store in New York: Die Fangemeinde wartet Zur Großansicht
REUTERS

Apple-Store in New York: Die Fangemeinde wartet

Solide, aber langweilig? Apple hat seit dem Tod von Steve Jobs gut gewirtschaftet, doch neue Highlights fehlen bislang. Die Quartalszahlen könnten Anleger und Fans zusätzlich enttäuschen.

Über Jahre war Apple von einem Geist geprägt, der später sogar eine eigene Bezeichnung bekam: Sie seien in ein "reality distortion field" gezogen worden - eine Aura der Wirklichkeitsverzerrung - beschrieben Entwickler die Fähigkeit von Apple-Gründer Steve Jobs, Dinge geschehen zu lassen, die allen anderen unmöglich erschienen. Im Fall des Anfang der achtziger Jahre vollkommen neu entwickelten Macintosh-Rechners war es die für Jobs' Umfeld absurd anmutende Vorgabe, das Gerät innerhalb von kurzer Zeit fertigzustellen - was gelang.

Knapp zwei Jahre nach dem Tod des Konzernsgründers wird immer deutlicher, dass die Zeit der Wirklichkeitsverzerrung à la Steve Jobs vorbei ist. Stattdessen hat die Wirklichkeit den Konzern eingeholt.

So könnten die Quartalszahlen, die Apple-Chef Tim Cook am späten Dienstagabend in Cupertino präsentieren wird, erstmals seit dem rasanten Wiederaufstieg Apples schwächer ausfallen als die Zahlen des schärfsten Konkurrenten Samsung Chart zeigen. Besserung scheint nicht in Sicht: Apple Chart zeigen hat derzeit ein Innovationsproblem.

Beispiel Apple Maps: Nach der Veröffentlichung des eigenen Kartendienstes im vergangenen Herbst hagelte es Kritik - Websites über die Darstellungsfehler häuften sich. Konzernchef Tim Cook bedauerte die Peinlichkeit, der für mobile Software zuständige Manager Scott Forstall musste gehen.

Beispiel iWatch: Die Smartwatch gilt als überfällig. Schon im Februar hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass ein Team aus mehr als hundert Entwicklern an dem Gerät arbeite und "über die Experimentierphase hinaus" sei. Zudem hatte Cook sich Ende Mai auf der Konferenz "AllthingsD" noch euphorisch über die Möglichkeiten rund um Technik "am Handgelenk" geäußert.

Doch die Fangemeinde wartet noch immer. Es gebe Probleme, die die Apple-Mitarbeiter bislang nicht hätten lösen können, zitierte die "Financial Times" jüngst Unternehmenskenner. Ein Marktstart sei erst im Herbst 2014 möglich. Um das Projekt zu forcieren, suchen die Kalifornier derzeit angeblich aggressiv nach neuen Entwicklern.

Beispiel iTV: Noch länger als auf die iWatch warten Apple-Jünger auf die letzte große Innovation, die noch maßgeblich von Jobs vorangetrieben worden war: iTV. Über einen Apple-Fernseher wird spekuliert, seit Jobs in seiner 2011 veröffentlichten Biografie mit dem Satz "I finally cracked it", zitiert wurde. Geknackt haben wollte Jobs nach Angaben seines Biografen Walter Isaacson das Problem einer einfachen und eleganten Bedienung von Fernsehgeräten.

Das Problem: Auch dieses Projekt scheint derzeit im Innovationsstau zu stecken. Die Verhandlungen mit den Anbietern der TV-Inhalte sollen stocken. Kurzum, was Jobs um die Jahrtausendwende bei den Chefs der Platten-Labels vollbrachte, scheint Apple-Vize Eddy Cue bei den US-Fernsehsendern und Filmstudios weniger gut zu gelingen.

Zudem scheint Apple auch Schwierigkeiten zu haben, die Zulieferer in die eigenen Produktpläne einzubinden. Dies gilt Branchenkennern zufolge besonders für das iTV, das dem Vernehmen nach in neuester Ultra HD-Auflösung auf den Markt gebracht werden soll. LG und Sharp, die Zulieferer, die in der Lage wären, für Apple ein solches Gerät in der benötigten Stückzahl zu produzieren, dürften dies kaum vor 2014 schaffen, heißt es.

Mehr Forschungsausgaben, neues Führungspersonal

Um die Fähigkeiten des Übervaters Steve Jobs zu ersetzen, bleibt Apple nichts anderes übrig als den gleichen Weg zu gehen, den auch andere Konzerne gehen mussten. So hat das Unternehmen sein Forschungs- und Entwicklungsbudget, das 2012 nur rund ein Drittel des Budgets von Wettbewerbern wie Microsoft oder Samsung ausmachte, bereits kräftig erhöht.

Stattdessen sorgt manche Personalie für Aufsehen. So hat Apple kürzlich Paul Deneve, ehemals Chef des Modelabels Yves Saint Laurent, als Vizepräsident für "besondere Projekte" ins Boot geholt. Ein weiterer Hinweis darauf, dass sich der Launch der hauseigenen iWatch, so wie sich Steve Jobs' Erben es sich wünschen, derzeit mit Bordmitteln kaum verwirklichen ließe.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mit der ganzen Schnüffelei..
aha° 23.07.2013
.. ist es mir eh verdorben. Vielleicht noch mal ne schnellere Hardware, werde aber als OS lieber andere Systeme nehmen. Noch dazu sagte mir vor 1 Jahr ein Sicherheitsmensch, dass es als ähnlich schwierig und ehrenhaft gilt, einem Kleinkind einen Lolli wegzunehmen, wie in ein Apple Gerät einzubrechen. Versucht vielleicht erstmal den ganzen PRISM Blues zu überleben. Echte Hilfe gegen die Schnüffelsucht der Dienste erwarte ich von euch nicht, obwohl das durchaus möglich und höchst angebracht wäre. Wahrscheinlich hat euer nächstes IOS nicht nur eine "Backdoor" sondern gleich mehrere "Frontdoors".
2.
blubb321 23.07.2013
Die Innovationsmaschine stockt also? Weil zwei Gerüchte noch nicht zu den orakelten Produkten geworden sind? Die Berichterstattung über Apple mag ja vieles sein, objektiv ist sie selten (Apple ist entweder super oder katastrophal, normal geht offenbar nicht.) Versuchen wir es doch mal mit Fakten. Das iPhone kam 2007 und das iPad 2010. Zeitabstand von iPad zu iPhone ist also 3 Jahre. Wenn damals die Welt in Ordnung war (war sie nicht, sowohl nach dem iPod als auch nach dem iPhone und jetzt nach dem iPad wurde der Niedergang Apples prophezeit, denn was sollten sie jetzt noch innovatives, neues herausbringen?), dann sollte sie auch noch jetzt in Ordnung sein. Wir sind 3 Jahre nach dem iPad, also noch "im Zeitplan."
3.
blubb321 23.07.2013
Zitat von aha°.. ist es mir eh verdorben. Vielleicht noch mal ne schnellere Hardware, werde aber als OS lieber andere Systeme nehmen.
PRISM und Tempora haben nichts speziell mit Apple oder iOS zu tun. Die amerikanischen und britischen Dienste greifen das gesamte Internet ab, da können Sie nicht viel tun außer zu verschlüsseln. Bei PRISM kommt allerdings hinzu, dass einige amerikanische Unternehmen mit der NSA kooperieren sollen. Namentlich Microsoft (Windows Phone), Google (Android) und Apple (iOS). Viel Spaß bei der Suche nach den anderen Systemen, die sie verwenden wollen. Denn Stand jetzt sind z. B. BlackBerry und Tizen keine volle Alternative zu Android und iOS. Zumal Sie auch bei Alternativen keine Garantie haben, dass der Hersteller nicht mit der NSA kooperiert. Und selbst wenn Sie die hätten, Ihr Internetverkehr wird immer noch überwacht.
4. Normal
makrosoft 23.07.2013
Mit iPhone und iPad wurden jeweils Trends gesetzt. Zunehmende Konkurrenz und Marktsättigung führt eben zu Umsatz- sowie Gewinnrückgang. Also muss etwas ganz neues her, sodass es wieder aufwärts geht.
5. sollen sie doch sterben...
Jean_Luc 23.07.2013
...die überteuerten hipster-geräte. kürzlich ein ultrabook mit der gleichen "dünne" wie ein macbook air für 650,- euro gekauft...das air mit GLEICHER hardware hätte mind. 1099,- euro gekostet. ich lach mich schlapp.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare