Von Stefan Schultz
Hamburg - Es gibt eine ganze Reihe an Dingen, die man bei Apple bemäkeln kann. Der kritische Gesundheitszustand von Firmenchef Steve Jobs zum Beispiel, über den der IT-Konzern trotz Aktionärsprotesten schweigt. Oder die miesen Arbeitsbedingungen beim iPhone-Hersteller Foxconn, dessen strenges Regiment ein gutes Dutzend Angestellte in den Freitod trieb. Oder Apples fragwürdigen Umgang mit Daten: So wurde gerade bekannt, dass der IT-Konzern den Aufenthaltsort seiner Kunden in einer großen Datenbank speichert.
Eins aber kann man Apple nicht vorwerfen: Dass der Konzern, der einst vor der Pleite stand, heute unrentabel arbeitet. Kaum ein Großunternehmen ist zurzeit profitabler. Und nur wenige Firmen erwirtschaften vergleichbare Umsatzrenditen wie der iPhone-, iPad und MacBook-Bauer aus dem kalifornischen Cupertino.
Wie profitabel Apple zurzeit ist, zeigte sich am Mittwochabend: Annähernd sechs Milliarden Dollar verdiente der Konzern im ersten Quartal 2011, doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 83 Prozent auf 24,7 Milliarden Dollar. "Wir laufen auf Volldampf", sagte Jobs laut einer Mitteilung. Zum Schlusskurs vom Mittwoch war Apple an der Börse 316 Milliarden Dollar schwer. In den USA ist nur noch der Ölkonzern ExxonMobil wertvoller.
Umsatzrendite von 24 Prozent
Nach Berechnungen des Finanzmagazins "Forbes" lag Apple im Ranking der größten Unternehmen der Welt zuletzt auf Platz 47. Insgesamt setzte Apple 2010 rund 76 Milliarden Dollar um und verdiente 16,6 Milliarden Dollar. Ginge das Wachstumstempo des ersten Quartals weiter (Umsatz plus 83 Prozent, Gewinn plus 100 Prozent), könnte das Unternehmen in diesem Jahr 139 Milliarden Dollar umsetzen und 33 Milliarden Dollar verdienen.
Damit würde der IT-Konzern beim Umsatz fast mit dem Versicherungsgiganten Allianz gleichziehen, nahezu so viel verkaufen wie der riesige Mischkonzern General Electric - und mehr verdienen als der Ölriese ExxonMobil, der rund 30 Milliarden Dollar Profit pro Jahr erwirtschaftet.
Apples Erfolg schlägt sich in einer Umsatzrendite nieder, von der die meisten Firmenchefs nur träumen können. Im vergangenen Geschäftsjahr verdiente der Konzern an jedem Dollar Umsatz bereits beachtliche 21,5 Cent. Im ersten Quartal stieg die Umsatzrendite sogar auf 24 Prozent.
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Erstens hat Apple nur wenige Produkte im Angebot - und diese sind, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, alle erfolgreich. Zweitens kann Apple dank eines nahezu perfekten Marketings einen üppigen Preis für seine Produkte verlangen.
Boom beim iPhone, Lieferprobleme beim iPad
Größter Wachstumstreiber des Konzerns ist das iPhone: Von Januar bis März verkaufte Apple 18,7 Millionen Handys - ein Plus von 113 Prozent. Auch die Mac-Computer verkaufen sich gut: Der Absatz stieg um 28 Prozent auf 3,76 Millionen Geräte: Apples Personalcomputer-Sparte wächst damit weit schneller als die der Konkurrenz. Der globale PC-Markt schrumpfte im ersten Quartal 2011.
Getrübt wird die Apple-Bilanz von den iPod-Musikspielern: Der Absatz sank um 17 Prozent auf neun Millionen Geräte. Viele Nutzer hören ihre Musik mittlerweile lieber auf dem Smartphone - oft ein iPhone. Apple verliert somit keinen Umsatz. Allerdings blieb auch der iPad-Absatz hinter den Erwartungen zurück. Mit 4,7 Millionen verkauften Tablet-Computern erreichte Apple bei weitem nicht die erwartete Stückzahl.
Nach Angaben von Apple lag das nicht an der geringen Nachfrage, sondern an Lieferengpässen. "Wir haben jedes iPad 2 verkauft, das wir fertigen konnten", sagte Finanzchef Peter Oppenheimer. Beim Verkaufsstart im März hatten sich vor den Geschäften lange Schlangen gebildet; auf das Einstiegsmodell müssen Kunden im deutschen Webshop derzeit zwei bis drei Wochen warten.
Apple verkauft nicht nur immer mehr Produkte, sondern erzielt auf diese auch eine beachtliche Marge: Nach Angaben des US-Marktforschers iSupply kostet ein iPad2 den Konzern in der Herstellung rund 330 Dollar - inklusive Material und Fertigungskosten. Verkauft wird das iPad für bis zu 679 Dollar. Beim iPhone 4 ist die Diskrepanz noch größer: Hier kostet die Herstellung laut iSupply rund 180 Dollar. Im Laden kostet das Gerät bis zu 739 Dollar.
Auch wenn die Differenz zwischen Hersteller- und Verkaufspreis nicht identisch mit dem Gewinn ist (Apple entstehen weitere Kosten wie Forschung, Werbung und Vertrieb), ist die Spanne dennoch beachtlich. Zumal Apple in der Regel auch noch am Verkauf der Produkte Dritter mitverdient - sei es bei den Zeitschriften auf dem iPad oder den Apps beim Handy.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Apple | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH