Schlechte Apple-Zahlen Die große Zeit des iPhones ist vorbei

Apple verkauft weniger iPhones, der Umsatz bricht ein: Der wertvollste Konzern der Welt ist schockierend normal geworden. Diese Geschäftsfelder sollen die Rettung bringen.

Tim Cook
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Tim Cook


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Apple-Gründer Steve Jobs verfügte über eine Gabe, die seine Mitarbeiter - halb spöttisch, halb bewundernd - das "Realitätsverzerrungsfeld" nannten. Nachrichten, die nicht zu seinen Visionen passten, ignorierte der legendäre Gründer des Computerkonzerns stur oder deutete sie so geschickt um, dass sie seine Pläne eben doch stützten.

Tim Cook könnte die beinahe übersinnlichen Kräfte seines 2011 verstorbenen Vorgängers im Apple-Chefsessel gut gebrauchen. Als der eher schüchterne, oft distanziert wirkende Südstaatler bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstagabend seinem Unternehmen eine "glänzende Zukunft" bescheinigte, nahm das kaum ein Analyst ernst. Die Aktie verlor nach Eröffnung des Handels mehr als 40 Milliarden Dollar an Börsenwert, vernichtet in wenigen Stunden.

Der Auslöser: Apples Umsatz sank im vergangenen Vierteljahr von 58 auf 50,6 Milliarden Dollar, das unterbot selbst die verhaltenen Expertenprognosen - und beendete eine seit 2003 andauernde Serie steigender Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch blieb weniger Gewinn bei dem iPhone-Entwickler hängen: nur noch 10,5 Milliarden Dollar (9,3 Milliarden Euro).

Apple löst so viel Kursfantasie aus wie die Allianz

10,5 Milliarden Dollar Gewinn? Jenseits des Börsianerplaneten wundern sich viele schon lange über die Abgesänge auf die noch immer hochprofitable iCompany. 53,4 Milliarden Dollar verdiente Apple Chart zeigen im Geschäftsjahr 2015, mehr als jedes Privatunternehmen in der Geschichte des Kapitalismus.

Reicht das denn nicht? Muss Apple ewig wachsen?

Das erwartet niemand mehr. Die Börse hat sich bereits damit abgefunden, dass Apple ein geradezu normaler Konzern geworden ist. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), einem Indikator für Aktionärsoptimismus, löst Apple nur noch so viel Bauchkribbeln aus wie die Allianz oder die Münchner Rück. Googles KGV liegt mehr als doppelt, Facebooks viermal so hoch.

Am Aktienmarkt werden aber Zukunftsaussichten gehandelt - und da geht es bei Apple derzeit steil abwärts.

Für das kommende Geschäftsquartal rechnet Apple mit weiter deutlich fallenden Erlösen auf dann noch 41 bis 43 Milliarden Dollar. In China, Apples wichtigstem Absatzmarkt, droht eine Wirtschaftskrise. Von "starkem makroökonomischen Gegenwind" spricht Cook in seiner Pressemitteilung.

iCloud und Music sollen Wachstum bringen

Und dann ist da die Durststrecke bis zum nächsten iPhone-Modell: Erst im September kommt das "Siebener" auf den Markt, das iPhone 6 ist aber schon seit September 2014 in den Läden. So langsam hat sich jeder, der eins der Riesen-Smartphones will, auch eines gekauft. Um 16 Prozent ging der Absatz im vergangenen Quartal nach unten.

Zwei Drittel seines Umsatzes macht der Konzern aus Cupertino mit dem Telefon. Fällt der, bekommt die Apple-Bilanz einen tiefen Knacks.

Seit einiger Zeit versucht Apple deshalb, dem iPhone weitere Umsatzbringer zur Seite zu stellen, etwa die Apple Watch. Die smarte Armbanduhr dominiert ihr Segment, wie groß dieses aber überhaupt ist, steht noch in den Sternen. Immerhin: Laut Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Bernstein verkaufte Apple im ersten Jahr 12 bis 13 Millionen Uhren. iPhones verkaufte Apple im ersten Jahr nur halb so viele.

Viel Hoffnung setzt das Unternehmen auch in seine Services, mit denen es im abgelaufenen Quartal sechs Milliarden Dollar verdiente - inzwischen mehr als mit dem Mac.

  • Die Einnahmen aus dem App Store, wo Apple 30 Prozent jedes App-Kaufs kassiert, legten um ein Drittel zu.
  • Auch in den Speicherdienst iCloud setzt Apple Hoffnungen. Zahlen weist der Konzern hier aber nicht aus.

Bei allen Diensten kann Apple seine alte Stärke ausspielen: Wer einmal im geschlossenen OS-Universum unterwegs ist, landet fast automatisch bei Apples Diensten. Seine Apps sind vorinstalliert, Drittanbieter müssen ihre Apps in Cupertino überprüfen lassen.

Allerdings ist Apple in fast allen Servicemärkten Nachzügler. Googles Android-Betriebssystem nutzen weltweit viel mehr Menschen als iOS, Spotify hat noch mehr Abonnenten als Apple Music und neben iCloud gibt es bereits Dropbox, WeTransfer und andere. Nirgendwo ist ausgemacht, dass Apple den Markt so aufrollt wie einst den für Smartphones.

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Apples Meilensteine: Der Weg zur Watch

Das war es 2007 allerdings auch nicht, als das erste iPhone-Modell auf den Markt kam. Blackberry und Nokia hatten bereits für die Zeit respektable Smartphones auf dem Markt, und viele Beobachter zweifelten, ob die Welt auf Apples Telefon - ohne UMTS, ohne einen großen App-Katalog und mit eintägiger Akkulaufzeit - wirklich gewartet hatte.

Steve Jobs sagte bei seiner inzwischen legendären Präsentation, man werde "heute gemeinsam ein Stück Geschichte schreiben" - und tat damit etwas, was seinem Nachfolger noch gelingen muss: Er verzerrte die Realität nicht einfach.

Er schuf eine neue.

Zusammengefasst: Apple hat im abgelaufenen Quartal einen empfindlichen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten: Der iPhone-Absatz geht zurück, das wichtige China-Geschäft lahmt. Nur langsam gelingt es dem Konzern, seine Abhängigkeit von dem beliebten Smartphone zu lösen. Immerhin steigen die Umsätze aus Services wie Apple Music oder dem App Store.



insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
Tr1ple 27.04.2016
1. Immer das gleiche zu dieser Zeit!
Das Ende des Produktzyklus des iPhone 6s ist gekommen (Produktion heruntergefahren) und die Presse schreibt dass das iPhone am ende ist. Ja der Markt ist vielleicht ein wenig gesättigt aber es gibt halt auch viele Leute die auf das iPhone 7 warten. Ich warte schon auf den Herbst wo geschrieben wird das es einen Rekordverkauf des iPhone gibt.
stuff 27.04.2016
2. I get it -
Sie müssen Schlagzeilen bringen, die schlagen. Aber 'Die Zeit des iPhones ist vorbei' zeigt ein Mangel an Verständnis für Wirtschaft, Menschen, Marken und Mobiltelefone. Natürlich gibt es nicht mehr so viel neue Menschen, den man ein iPhone verkaufen kann, natürlich gibt es Konkurrenten, die auf dem Markt sind. Aber das iPhone wird es wohl noch eine kleine Zeit lang geben.
mweldag 27.04.2016
3. die nächste grosse Geldquelle für Apple wird das
mobile Payment sein. An jeder Transaktion an einer Kasse / Onlineshop / Ticketautomat einfach Handy hinhalten und fertig. Einfach ma NFC Support für Terminals und rund is das Thema. Dann ist es egal wieviele neue Handys man verkauft. Dann geht es nur noch um generierten Umsatz mit dem Handy und die daraus Resultierenden Umsatzbeteiligungen. Also keine Panik.
schwyz 27.04.2016
4. Schlechte Zahlen?
Also als 'schlecht' kann man die Apple - Zahlen nicht wirklich bezeichnen. Das China - Geschäft harzt zZt ein wenig, nach einem Bomben - Start im Vorjahr. Aber welcher Deutsche Konzern kann mit vergleichbar guten Quartalszahlen aufwarten, oder verfügt über Bargeld (Cash) von fast € 250 Milliarden? Steve Jobs gibt es leider nicht mehr und die Innovationen fehlen bei Apple, aber 'schlecht' wird dort noch lange nicht gewirtschaftet.
bluesbrother54 27.04.2016
5. Stimmt!!
Zitat von Tr1pleDas Ende des Produktzyklus des iPhone 6s ist gekommen (Produktion heruntergefahren) und die Presse schreibt dass das iPhone am ende ist. Ja der Markt ist vielleicht ein wenig gesättigt aber es gibt halt auch viele Leute die auf das iPhone 7 warten. Ich warte schon auf den Herbst wo geschrieben wird das es einen Rekordverkauf des iPhone gibt.
Ich habe noch nie gelesen, dass nach schlechten PKW Absatzzahlen jemand behauptet hat, die Zeit von BMW, Mercedes oder Peugeot sei vorbei. Aber allem Anschein nach, schreibt mittlerweile jeder Journalist was ihm gerade so einfällt. Vielleicht ist ja die Zeit der Presse auch bald vorbei, die Leserzahlen sinken schon länger.
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