Buchungstricks: Apple zahlt im Ausland nur 1,9 Prozent Steuern

Das wertvollste Unternehmen der Welt beweist Kreativität beim Steuersparen: Apple hat im vergangenen Jahr gerade mal 1,9 Prozent seines Auslandsgewinns an den Fiskus gezahlt. Der Konzern nutzt dabei legale Buchungstricks.

Apple-Chef Cook: Der Konzern kombiniert Steuervorteile mehrerer Länder Zur Großansicht
AFP

Apple-Chef Cook: Der Konzern kombiniert Steuervorteile mehrerer Länder

New York - In den USA muss Apple 35 Prozent seiner Gewinne versteuern. Außerhalb der Vereinigten Staaten jedoch hat der Konzern 2011 gerade mal 1,9 Prozent an Einkommensteuer gezahlt. Bei einem Jahresgewinn von 36,8 Milliarden Dollar im Ausland überwies Apple dem Fiskus lediglich 713 Millionen Dollar. Das geht laut der Nachrichtenagentur AP aus Steuerunterlagen hervor, die das Unternehmen Ende Oktober einreichte. 2011 hatte Apple bei einem Jahresgewinn von 24 Milliarden Dollar noch 2,5 Prozent Steuern gezahlt.

Hintergrund der extrem niedrigen Abgaben sind legale Buchhaltungstricks - unter Steuerplanern bekannt als "Schachtelbeteiligung" oder "Rundreisen". Dabei verschieben internationale Konzerne ihre Profite in Länder mit niedrigen Steuersätzen und kombinieren unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten. Besonders mobile Geschäfte wie Softwareentwicklungen, Markenrechte oder Finanztransaktionen werden konzernintern so verlegt, dass die Gewinne möglichst wenig bis gar nicht besteuert werden. Apple nutzt etwa ein Steuermodell namens "Double Irish with a Dutch Sandwich". Dabei wird Geld über zwei irische Tochtergesellschaften und eine Firma in den Niederlanden in die Karibik transferiert.

Auch andere US-Konzerne zeigen sich bei ihrem Auslandsgeschäft kreativ, wenn es ums Steuersparen geht. Google etwa zahlte 2010 auf internationale Gewinne von 5,8 Milliarden Dollar gerade mal drei Prozent Steuern.

Apple will laut AP einen gewissen Teil der Auslandsgewinne in der Zukunft doch noch in den USA versteuern. In seinen Quartalsberichten deklariert der Konzern diese Gelder als Bruttogewinn, obwohl er im Ausland bereits - wenn auch sehr geringe - Abgaben gezahlt hat.

Steuerexperten zufolge wäre es ein Leichtes für Apple, diese Steuerverpflichtungen aus der Bilanz zu entfernen. Damit würde der Gewinn des Konzerns in den vergangenen drei Jahren auf einen Schlag um 10,5 Milliarden Dollar steigen. Doch Apple fürchtet offenbar um sein Image, das Unternehmen gilt in den USA als relativ verantwortungsvoller Steuerzahler.

cte/AP

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Wie heißt es so schön...
Wagnerf 05.11.2012
Zitat von sysopDas wertvollste Unternehmen der Welt beweist Kreativität beim Steuersparen: Apple hat im vergangenen Jahr gerade mal 1,9 Prozent seines Auslandsgewinns an den Fiskus gezahlt. Der Konzern nutzt dabei legale Buchungstricks. Apple zahlt im Ausland nur 1,9 Prozent Steuern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/apple-zahlt-im-ausland-nur-1-9-prozent-steuern-a-865256.html)
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2. Das schlechteste aller Steuersysteme
founder 05.11.2012
Die Grundidee des Steuersystems: Gewinne besteuern Darauf beruhen der allergrößte Teil an Steuern und Abgaben Einkommenssteuer, Lohnsteuer, MWST und die Abgaben zur Sozialversicherung Damit müssen alle Ausgaben als "geschäftlich" oder "privat" gekennzeichnet werden. Der reichste ist der, der am erfolgreichsten seinen persönlichen Lebensstil als "Firmenausgaben" deklariert. Dieses Steuersystem ist das schlechtest denkbare, siehe apple und die 1,9% Steuern. Ein Steuersystem welches auf der Nutzung von Resource beruht ist schwer manipulierbar und einfach zu Überwachen. Die ganze Betrugsauffoderung "Bilanz" wird einfach gestrichen, besteuert wird nur die Nutzung von Resorucen.
3. ?
Juergen_Spaeth 05.11.2012
Nun, wenn diese "Buchungstricks" legal sind, wo ist dann das Problem? Welche mediale Sau soll denn jetzt wieder durchs heruntergekommene Dorf getrieben werden? Vermutlich macht das jeder halbwegs verantwortungsvolle Konzern genauso, aber wenns Nestle macht ist das natürlich nicht so hipp wie Apple... und keine Nachricht wert.
4. Europäischen Politikern wohl bekannt
Claudia 05.11.2012
"Double Irish with a Dutch Sandwich" ist europäischen Politikern wohl bekannt. Unter anderem wurde diese Methode auch erwähnt, als es darum ging. Irland mit europäischen Steuergeldern zu retten. Die Eurorettung ist gerade für Unternehmen besonders wichtig, da sie auf Grund des Euros kaum noch Währungsrisiko haben. Mir ist nicht begreiflich warum man dann nicht auch die Unternehmen, die bisher kaum in Europa Steuern zahlen, an der Rettung beteiligt. Die einfachste Methode scheint halt immer wieder, die normalen Steuerzahler zu melken.
5. verwantwortungsvoller Steuerzahler?
salonpuro 05.11.2012
HAHA, natürlich ist so etwas legal. Schließlich haben die Regierungen der kapitalistischen Welt jahrelang daran gearbeitet, Kapital und Kapitalanleger möglichst von der gesellschaftlichen Verantwortung auszunehmen. Dem kleinen Angestellten, der vielleicht 35% seinen Einkommens an den Fiskus abtreten darf (ganz legal übrigens) erklärt man, dass er ohne die Vorteile für die Firma wahrscheinlich keine Arbeit mehr hätte und durch ist man damit. Ich gehe nicht davon aus, dass es bei uns wesentlich anders aussieht, auch wenn die Raffementalität in den Staaten wahrscheinlich noch etwas ausgeprägter ist als bei uns.
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