Hamburg/Frankfurt am Main - Eines verbindet Amerikaner und Europäer in diesen Tagen: Die Lage auf ihren Arbeitsmärkten ist alles andere als rosig. Neue Zahlen zur schlechten Lage auf beiden Seiten des Atlantiks führten am Freitag an den Börsen zu erheblichen Kursrutschen.
Die Anleger reagierten besonders auf enttäuschende US-Arbeitsmarktzahlen für den Mai. Der Jobaufbau fiel nach Zahlen der US-Regierung vom Freitag so schwach aus wie seit einem Jahr nicht mehr. Zudem wurde der Stellenaufbau in den beiden Vormonaten, der ohnehin nicht besonders stark war, nochmals nach unten korrigiert.
Die Arbeitslosenquote stieg erstmals seit fast einem Jahr an. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed mit einer abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, dürfte angesichts derart schwacher Zahlen steigen.
In Europa sind die Konjunkturaussichten kaum besser. Der Einkaufsmanager-Index des Datenanbieters Markit fiel im Mai auf 45,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Besonders schlecht ist die Lage in Spanien, das Griechenland als Schlusslicht abgelöst hat. Auch in Deutschland, Frankreich und Italien liefen die Geschäfte deutlich schlechter. "In allen vier Schwergewichtsländern der Euro-Zone geht es mittlerweile in besorgniserregendem Tempo bergab", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.
Die europäischen Arbeitsmarktdaten drückten ebenfalls auf die Stimmung. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone lag im März und April bei elf Prozent - der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1995. Er rechne in den kommenden Monaten mit einem Anstieg auf mehr als 11,5 Prozent, sagte ING-Volkswirt Martin van Vliet. Um der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen, müssten der Sparkurs abgeschwächt und die Investitionen gesteigert werden. "Zur Bekämpfung der eskalierenden Schuldenkrise müssen drastische Schritte unternommen werden", fügte van Vliet hinzu.
Da viele Anleger ihr Geld in als sicher geltende Papiere Deutschlands und der USA umschichteten, kletterten Termingeschäfte für Bundesanleihen und amerikanische Treasury Bonds auf ein Rekordhoch. Der Goldpreis stieg um bis zu 1,6 Prozent auf 1588,19 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).
Die enttäuschenden Daten träfen die Märkte zu einem kritischen Zeitpunkt, da viele Anleger wegen der Schuldenkrise verunsichert seien, sagte Rick Meckler, Chef von LibertyView Capital Management. Alles deute auf eine weltweite Konjunkturabkühlung hin. "Die Zeit ist offenbar reif für neue staatliche Maßnahmen in den USA, Europa und China."
In Deutschland hielt sich als einziger Dax-Wert MAN im Plus. Die Aktien des Nutzfahrzeug-Herstellers legten um 2,3 Prozent auf 79,13 Euro zu. Händlern zufolge schürten Berichte über einen geplanten Umbau des VW-Vorstandes Gerüchte über eine Aufstockung der Anteile von VW an MAN.
dab/dpa/Reuters
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