Kursrutsch an den Börsen: Jobkrise in den USA und Europa ängstigt Anleger

Schlechte Arbeitsmarktdaten aus den USA und der Euro-Zone haben die Börsenkurse auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel zeitweise auf den tiefsten Stand in fünf Monaten, der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief. Investoren warnen vor einer globalen Konjunkturabkühlung.

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Händler an der Frankfurter Börse: Schlechte Nachrichten zu einem kritischen Zeitpunkt

Hamburg/Frankfurt am Main - Eines verbindet Amerikaner und Europäer in diesen Tagen: Die Lage auf ihren Arbeitsmärkten ist alles andere als rosig. Neue Zahlen zur schlechten Lage auf beiden Seiten des Atlantiks führten am Freitag an den Börsen zu erheblichen Kursrutschen.

  • Der Dax Chart zeigen fiel zeitweise auf ein Fünf-Monats-Tief und schloss mit einem Minus von 3,4 Prozent bei 6050,29 Punkten.
  • Der EuroStoxx 50 Chart zeigen sank um knapp 2,4 Prozent auf 2068,66 Punkte, den niedrigsten Stand seit Ende September.
  • Der französische CAC 40 verlor rund zwei Prozent,
  • Der britische FTSE gut ein Prozent.
  • Der Dow Jones Chart zeigen verabschiedete sich mit einem Abschlag von 2,22 Prozent auf 12.118,57 Punkte aus dem Handel
  • Der S&P-500-Index schloss um 2,46 Prozent niedriger bei 1.278,04 Zählern
  • Der Nasdaq-Composite sank um 2,82 Prozent auf 2.747,48 Punkte
  • Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 2,6 Prozent und rutschte auf 2.458,83 Punkte
  • Parallel dazu sank der Euro Chart zeigen zweitweise auf ein neues Zwei-Jahres-Tief von 1,2286 Dollar, erholte sich im Laufe des Tages jedoch wieder.

Die Anleger reagierten besonders auf enttäuschende US-Arbeitsmarktzahlen für den Mai. Der Jobaufbau fiel nach Zahlen der US-Regierung vom Freitag so schwach aus wie seit einem Jahr nicht mehr. Zudem wurde der Stellenaufbau in den beiden Vormonaten, der ohnehin nicht besonders stark war, nochmals nach unten korrigiert.

Die Arbeitslosenquote stieg erstmals seit fast einem Jahr an. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed mit einer abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, dürfte angesichts derart schwacher Zahlen steigen.

In Europa sind die Konjunkturaussichten kaum besser. Der Einkaufsmanager-Index des Datenanbieters Markit fiel im Mai auf 45,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Besonders schlecht ist die Lage in Spanien, das Griechenland als Schlusslicht abgelöst hat. Auch in Deutschland, Frankreich und Italien liefen die Geschäfte deutlich schlechter. "In allen vier Schwergewichtsländern der Euro-Zone geht es mittlerweile in besorgniserregendem Tempo bergab", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Die europäischen Arbeitsmarktdaten drückten ebenfalls auf die Stimmung. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone lag im März und April bei elf Prozent - der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1995. Er rechne in den kommenden Monaten mit einem Anstieg auf mehr als 11,5 Prozent, sagte ING-Volkswirt Martin van Vliet. Um der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen, müssten der Sparkurs abgeschwächt und die Investitionen gesteigert werden. "Zur Bekämpfung der eskalierenden Schuldenkrise müssen drastische Schritte unternommen werden", fügte van Vliet hinzu.

Da viele Anleger ihr Geld in als sicher geltende Papiere Deutschlands und der USA umschichteten, kletterten Termingeschäfte für Bundesanleihen und amerikanische Treasury Bonds auf ein Rekordhoch. Der Goldpreis stieg um bis zu 1,6 Prozent auf 1588,19 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Die enttäuschenden Daten träfen die Märkte zu einem kritischen Zeitpunkt, da viele Anleger wegen der Schuldenkrise verunsichert seien, sagte Rick Meckler, Chef von LibertyView Capital Management. Alles deute auf eine weltweite Konjunkturabkühlung hin. "Die Zeit ist offenbar reif für neue staatliche Maßnahmen in den USA, Europa und China."

In Deutschland hielt sich als einziger Dax-Wert MAN im Plus. Die Aktien des Nutzfahrzeug-Herstellers legten um 2,3 Prozent auf 79,13 Euro zu. Händlern zufolge schürten Berichte über einen geplanten Umbau des VW-Vorstandes Gerüchte über eine Aufstockung der Anteile von VW an MAN.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 140 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ich sehe eine Kursexplosion...
vogtnuernberg 01.06.2012
Zitat von sysopSchlechte Arbeitsmarktdaten aus den USA und der Euro-Zone haben die Börsenkurse auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand in fünf Monaten, der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief. Investoren warnen vor einer globalen Konjunkturabkühlung. Arbeitsmarktmisere lässt Börsenkurse und Euro abrutschen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836520,00.html)
Ich sehe eine Kursexplosion... Nämlich die des Goldpreises um über 3% binnen 2h.
2. Nichts leichter als das!
pepe_sargnagel 01.06.2012
Abgesehen davon, dass mir die Piraten auch schon deswegen so gut gefallen, weil sie nicht für alles und jeden eine Erklärung haben, ist es schon erstaunlich mit welchen "Weisheiten und Erklärungen" die Finanzindustrie aufwartet. Sie kann alles und sofort erklären, aber nicht vorhersehen - verwundert mich zwar etwas, aber scheinbar finde nur ich das etwas unlogisch! Zudem sind die Arbeitslosigkeitsprobleme schnell gelöst, wenn man nur ein wenig umdefiniert. Da sind die Politiker und deren Berater schon des öfteren "positiv" aufgefallen. Also ändert einfach die Berechnung und schon haben wir wegen Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung sinkende Kurse! Ein Traum, wenn man für solche Erklärungs- bzw. Verdummungsansätze noch Geld verdient... Heute wär ich so gerne Finanzplatzreporter - evtl. versuch ich mich ja irgendwann noch.
3. Überraschung !!
TheFrog 01.06.2012
Besonders schlecht ist die Lage in Spanien, das Griechenland als Schlusslicht abgelöst hat. Auch in Deutschland, Frankreich und Italien liefen die Geschäfte deutlich schlechter. "In allen vier Schwergewichtsländern der Euro-Zone geht es mittlerweile in besorgniserregendem Tempo bergab", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Na, das ist ja mal eine Überraschung. Wer hätte das vor allen Dingen von Deutschland gedacht. Die Wirtschaftsenklave, Hort der Stabilität mit unerschöpflichen Geldreserven.
4.
jerry67 01.06.2012
Die Jobkrise ängstigt die *Anleger*. Zynischer gehts kaum noch ....
5. Die Anleger sind verängstigt ...
coyote38 01.06.2012
Gut so. Dann machen sich diese Finanzjongleure vielleicht mal Gedanken darüber, mit seriöser Arbeit reales Geld zu verdienen und nicht nur mit virtuellen Zahlen auf Bildschirmen rumspielen und "so nebenbei" Menschenleben und Volkswirtschaften ruinieren.
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