Arbeitsrecht Weshalb Ihr Chef Sie feuern darf

Kann man wegen Bikini-Fotos am Arbeitsplatz abgemahnt werden - und ist ein mitgenommener Keks aus dem Konferenzraum ein Kündigungsgrund? Spektakuläre Fälle gefeuerter Arbeitnehmer haben Empörung ausgelöst. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Vergehen wirklich gefährlich werden können.

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Junge Frau im Bikini: Ein grenzwertiger Fall
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Junge Frau im Bikini: Ein grenzwertiger Fall


Hamburg - Jetzt mal ehrlich: Wer hat nicht schon einmal einen Keks aus dem Konferenzraum stibitzt oder einen Kugelschreiber aus der Firma eingesteckt? Keinem würden diese Vergehen weiter auffallen, niemand käme auf die Idee, er würde seinem Arbeitgeber damit schaden.

Doch manchmal wartet der genau auf solche Bagatellen - um sich ungeliebter Mitarbeiter zu entledigen.

Dieser Verdacht liegt jedenfalls bei den jüngsten Bagatellkündigungen nahe: Eine Kassiererin musste gehen, weil sie fremde Pfandbons im Wert von 1,30 Euro einlöste; eine Altenpflegerin erhielt die Kündigung, nachdem sie sechs Maultaschen mit nach Hause nahm, die ohnehin in der Mülltonne gelandet wären. Solche Fälle scheinen zahllos, und die Empörung war groß, als sie im vergangenen Jahr bekannt wurden - doch viele Kündigungen wegen vermeintlicher Kleinigkeiten sind rechtens.

Wirft ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter wegen solcher Delikte raus, ist die Kündigung verhaltensbedingt. In der Regel muss das missbilligte Verhalten zunächst abgemahnt werden. Es gibt aber bei besonders schwerwiegenden Verstößen auch Ausnahmen. Je länger ein Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt ist, desto schwieriger ist es, ihn verhaltensbedingt zu kündigen.

SPIEGEL ONLINE hat Experten gefragt und Urteile studiert - was kann wirklich zur Kündigung führen und was nicht? Die Antworten:

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
C.Jung 20.01.2010
1. Eigentlich ganz einfach
Während der "normale" Angestellte wegen jeder Lapalie und dem daraus folgenden "Vertrauensverlust" fristlos vor die Tür gesetzt werden kann*, werden Spitzenkräfte selbst bei Hunderten verspekulierten oder verschlafenen Millionen oder nach rechtskräftigen einschlägigen Verurteilungen oder windigen Geschäften mit privaten Unterfirmen etc. nie fristlos gekündigt. Ergo: Krumme Geschäfte gehören bei den Spitzenmanagern zu den Eigenschaften, auf die man vertraut. " wie sagte es doch BAG-Präsidentin Schmidt ...zeigten ein Verhalten, das "mit fehlendem Anstand" zu tun habe. (erster sind natürlich gemeint)
QuixX, 20.01.2010
2. .
Zitat von C.JungWährend der "normale" Angestellte wegen jeder Lapalie und dem daraus folgenden "Vertrauensverlust" fristlos vor die Tür gesetzt werden kann*, werden Spitzenkräfte selbst bei Hunderten verspekulierten oder verschlafenen Millionen oder nach rechtskräftigen einschlägigen Verurteilungen oder windigen Geschäften mit privaten Unterfirmen etc. nie fristlos gekündigt. Ergo: Krumme Geschäfte gehören bei den Spitzenmanagern zu den Eigenschaften, auf die man vertraut. " wie sagte es doch BAG-Präsidentin Schmidt ...zeigten ein Verhalten, das "mit fehlendem Anstand" zu tun habe. (erster sind natürlich gemeint)
Der Vertrauensverlust hat da mit Sicherheit schon vorher stattgefunden. Niemand will wegen eines Kekses für 10c Personalaufwand für tausende Euro in Kauf nehmen. Wer gut arbeitet und Zufriedenheit hinterläßt sollte mit einem Augenzwinkern bestraft werden. Gerne auch immer wieder kritisiert: Handy aufladen im Geschäft. Schließlich ist Energie Primärkostenverursacher. Zum einen zeigt dies grobe Unkenntnis über den Strombedarf solcher Ladegeräte, zum anderen verdiene ein derartiger AG bei Notrufen ans Mitarbeiter Handy nur: Sorry Akku gleich leer, ich muß auflegen. Auch wenn dieser randvoll sei. So wichtig ist dem AG dieses Handy bisher nicht gewesen. Warum denn dann, wenn er in der Schei$e sitzt davon Nutzen ziehen?
Achill, 20.01.2010
3. Xyz
Zitat von sysopKann man wegen Bikini-Fotos am Arbeitsplatz abgemahnt werden - und ist ein mitgenommener Keks aus dem Konferenzraum ein Kündigungsgrund? Spektakuläre Fälle gefeuerter Arbeitnehmer haben Empörung ausgelöst. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Vergehen wirklich gefährlich werden können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,672480,00.html
Heutzutage, wo jeder innerhalb eines kurzen Zeitraums ersetzbar ist, haben die AG überhaupt kein Interesse an einem Mitarbeiter, egal was dieser über Jahre geleistet hat. Man darf auch nicht außer acht lassen, in welchem Gewerbe solche Prozesse stattfinden. Meistens doch nur bei AG, die ungelernte Kräfte und/oder ausländische Leute einstellen. Für solche AG wäre es doch das Beste, wenn man wieder die Knecht- oder besser die Leibeigenschaft wieder einführt. Vor der Wiedervereinigung nannte man das Frührente und der Staat zahlte. Heute ist jeder AN bestrebt lange zu arbeiten, um einen lächerliche Rente zu beziehen. Das passt natürlich einem AG nicht, da ein solcher Arbeitnehmer im zunehmenden Alter mehr Ausfallzeiten hat und Kosten produziert. Es ist besser solche Arbeitnehmer auf H4 durchzuschleifen, bis die dann in Rente gehen. Dafür wird dann eine jüngere Kraft eingestellt, am besten dann noch mit einem schlechteren Arbeitsvertrag. Von wegen demokratisches Staatswesen....... Eine FDP, die die Rechte der AG stärken und den Kündigungsschutz abbauen wollen...
Demokrator2007 20.01.2010
4. "Deutschlands Humankapital nach dem Mauerfall"
Zitat von QuixXDer Vertrauensverlust hat da mit Sicherheit schon vorher stattgefunden. Niemand will wegen eines Kekses für 10c Personalaufwand für tausende Euro in Kauf nehmen. Wer gut arbeitet und Zufriedenheit hinterläßt sollte mit einem Augenzwinkern bestraft werden. Gerne auch immer wieder kritisiert: Handy aufladen im Geschäft. Schließlich ist Energie Primärkostenverursacher. Zum einen zeigt dies grobe Unkenntnis über den Strombedarf solcher Ladegeräte, zum anderen verdiene ein derartiger AG bei Notrufen ans Mitarbeiter Handy nur: Sorry Akku gleich leer, ich muß auflegen. Auch wenn dieser randvoll sei. So wichtig ist dem AG dieses Handy bisher nicht gewesen. Warum denn dann, wenn er in der Schei$e sitzt davon Nutzen ziehen?
2004 war Humankapital das Unwort des Jahres. Offensichtlich deshalb weil Mitarbeiter in der Arbeitswelt nur noch selten als Menschen wahr genommen werden sondern vielmehr als Ware. Da ist dank politischem Amoklaufs aller Regierungen seit der Wiedervereinigung einiges an Zwischenmenschlichem abhanden gekommen. Mit Einführung von Hartz4 wurde auch noch das letzte bißchen Moral über Bord geworfen und da eine Gesellschaft immer nur so gut funktionieren kann, wie ein "guter Wille" vorhanden ist, den es in der freien Marktwirtschaft seit dem Fehlen der "bösen Konkurrenz" (Kommunismus=man meinte Stalinismus)nicht mehr gibt, wird jetzt "die Sau rauslassen", sobald es "irgendwo eng ist"- das gilt in geringem Maße auch für Arbeitnehmer, die sich durch Dumpinglöhne prostituieren,ihren Kollegen hierdurch die Normallöhne kaputt machen statt solche Jobs abzulehnen*. (Hire+Fire Prinzip). Recht ist immer nur Rechtsprechung und demzufolge variabel auslegbar, heutzutage eben wieder zugunsten derer die glauben "die Musik auch zu bezahlen". Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Irrtum, den aber niemand bemerken will, bis es schließlich kracht. Ciao DerDemokrator *Natürlich sind sie schwächer als skrupellose Arbeitgeber, aber "arbeiten um jeden Preis" zerstört Gemeinschaft und nur in dieser können Arbeitnehmer Stärke zeigen.
Zephira 20.01.2010
5. Eigeninteresse
Zitat von C.JungWährend der "normale" Angestellte wegen jeder Lapalie und dem daraus folgenden "Vertrauensverlust" fristlos vor die Tür gesetzt werden kann*, werden Spitzenkräfte selbst bei Hunderten verspekulierten oder verschlafenen Millionen oder nach rechtskräftigen einschlägigen Verurteilungen oder windigen Geschäften mit privaten Unterfirmen etc. nie fristlos gekündigt. Ergo: Krumme Geschäfte gehören bei den Spitzenmanagern zu den Eigenschaften, auf die man vertraut. " wie sagte es doch BAG-Präsidentin Schmidt ...zeigten ein Verhalten, das "mit fehlendem Anstand" zu tun habe. (erster sind natürlich gemeint)
Das sind in beiden Fällen genau die gleichen Charaktere. Leute, die fremdes Geld und fremdes Eigentum als persönlichen Besitz erachten, an dem man sich ungefragt und gewissenlos bedienen kann. Ersterer Dieb hat lediglich den Nachteil, noch nicht über die Macht zu verfügen, sich in großem Stil zu bereichern. Moralisch ist er aber genauso verkommen, das Unrechtsbewusstsein ist gleich Null. Die einzige Person, die gegen den Großdieb wettert, aber den Kleindieb in Schutz nimmt, ist daher auch der Kleindieb selbst. Die ehrlichen Leute dagegen wollen beide zur Rechenschaft gezogen sehen.
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