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E-Mails und Anrufe in der Freizeit: BMW will ein "Recht auf Unerreichbarkeit"

Überall erreichbar: Für BMW-Mitarbeiter sollen diese Stunden als Arbeitszeit gelten Zur Großansicht
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Überall erreichbar: Für BMW-Mitarbeiter sollen diese Stunden als Arbeitszeit gelten

Blackberrys, iPhones und Laptops machen es einfach: Auch nach der Arbeit E-Mails lesen, schreiben und telefonieren. BMW will diese Stunden nach SPIEGEL-Informationen in Zukunft als Arbeitszeit anerkennen - und ausgleichen. Mitarbeiter sollen zudem Zeiten bekommen, in denen sie unerreichbar sind.

Ob früh morgens, in der Bahn oder nach dem Abendessen: Wer außerhalb vom Büro noch E-Mails liest, Präsentationen bearbeitet oder Anrufe entgegennimmt, arbeitet häufig weit mehr als vorgesehen. Auch bei BMW verbringen Angestellte in der Verwaltung, der Entwicklung, dem Rechnungswesen und anderen Abteilungen oft noch mehrere Stunden zu Hause und unterwegs an Smartphone und Laptop.

Aus einer 40-Stunden-Woche werden für viele Mitarbeiter dann oft 50 Stunden oder mehr, in denen sie für das Unternehmen tätig sind. Doch diese Zeit wurde bei BMW wie auch bei anderen Unternehmen bislang nicht als Arbeitszeit angerechnet. Der Betriebsrat des deutschen Automobilherstellers will deshalb die Arbeitswelt für viele Mitarbeiter revolutionieren.

Künftig können Mitarbeiter an den deutschen Standorten diese sogenannte Mobilarbeit in ihre Arbeitszeitkonten eintragen - und dafür an anderen Tagen entsprechend weniger arbeiten oder freinehmen.

Betriebsratschef Manfred Schoch hat dies in einer Betriebsvereinbarung mit dem Münchner Konzern ausgehandelt. BMW will damit die Gefahr verringern, dass Mitarbeiter einen Burnout erleiden. Außerdem will der Autokonzern die Arbeit im Unternehmen attraktiver für gutausgebildete Fachkräfte machen.

Die Beschäftigten sollen zudem mit ihren Vorgesetzten Zeiten vereinbaren, in denen sie grundsätzlich nicht erreichbar sind. Es werde "ein Recht auf Unerreichbarkeit definiert", sagt Schoch.

IG-Metall fordert gesetzliche E-Mail-Verbote in der Freizeit

Eine ähnliche Vereinbarung gibt es bereits seit zwei Jahren beim Autobauer VW. Hier hatte der Betriebsrat eine Vereinbarung durchgesetzt, wonach die E-Mail Funktion für Blackberry-Geräte 30 Minuten nach Feierabend abgeschaltet wird.

Die Telekom fordert ihre Mitarbeiter auf, in der Freizeit und im Urlaub berufliche Telefonate und dienstliche Schreiben zu unterlassen. Bei E.on, Puma oder BMW gibt es ebenfalls Beschränkungen.

Auch die ehemalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sich im vergangenen Jahr prinzipiell gegen E-Mails nach Dienstschluss ausgesprochen, eine gesetzliche Regelung aber gescheut. Dafür gilt in ihrem Ministerium seit 2012 ein Kodex, wonach Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur noch "in begründeten Ausnahmefällen" in ihrer Freizeit durch E-Mails oder Anrufe stören dürfen. Zugleich soll keiner benachteiligt werden, der außerhalb seiner Arbeitszeit etwa sein Handy "abschaltet oder Nachrichten nicht abruft".

Der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel forderte im November vergangenen Jahres gesetzliche Regelungen, die SMS- und Mail-Verkehr nach Feierabend und an Wochenenden unterbinden.

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insgesamt 76 Beiträge
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1. Steinzeit per Gesetz?
ogg00 16.02.2014
BMW macht es doch genau richtig. Wer sich abends aus Langeweile noch ein paar Mails antut, kann dafür bei strahlendem Sonnenschein auch mal früher gehen. Die Gewerkschaft hingegen ist wohl noch bei Kugelkopfschreibmaschine stehen geblieben.
2. Ganz gute Idee
ohne_benutzername 16.02.2014
insbesondere da man nicht vergessen darf, das man heutzutage für Unternehmen auch nur Wahre ist - also sollte man sich auch so verhalten (zum wohle aller anderen vor allem).
3. Recht so BMW
kilroy-was-here 16.02.2014
Aus Freude am Feierabend. Jetzt werdet Ihr nur sympatisch. So sehr, dass ich Euch von meiner privaten "no-go"-Liste, runter nehme...
4. Für die Kunden ist das schon seit Jahren so ...
friedberta 16.02.2014
BMW hat sich ein Recht auf Unerreichbarkeit geschaffen. Versuche, bei BMW einen Termin telefonisch zu vereinbaren sind in Stuttgart seit Jahren gescheitert. Man muss persönlich in der Niederlassung erscheinen und erhält dann die Info, dass leider GRADEBEN das Telefonnetz gewartet wird und der Kunde deshalb sein Anliegen nicht per Telefon vortragen konnte. Ich weiss nicht, was das soll. Auf jeden Fall überlegen wir uns inzwischen, eine andere Marke zu kaufen.
5. BMW? Das ich nicht lache
boingdil 16.02.2014
Für die eigenen Mitarbeiter vielleicht... Aber BMW ist einer der übelsten Ausbeuter, wenn es um Lieferanten und sonstige Partner geht. Da werden regelmäßig Erwartungen gesetzt, die nur durch Freizeitarbeit machbar sind. So nach dem Motto: Sie sind ja eh auf Dienstreise bei uns und wenn Feierabend ist fahren sie ja nur ins Hotel und langweilen sich. Weil diese Spezis aus Bayern der Meinung sind, das man für die Ehre, für sie arbeiten zu dürfen, am besten noch Geld mitbringen sollte.
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Allerdings kann die Bereitschaftszeit in aktive und inaktive Phasen gesplittet werden. Aktive Bereitschaftszeit gilt als Arbeitszeit, inaktive Bereitschaftszeit nicht.
Inaktive Bereitschaftszeit kann als Arbeitszeit berechnet werden, wenn nationale Gesetze dies vorsehen oder die Sozialpartner das vereinbaren.
Eine Arbeitszeit von mehr als 60 Wochenstunden ist nur ausnahmsweise und durch Vereinbarung der Tarifparteien möglich.
Für Beschäftigte, bei denen durch Ausnahmeregelungen die inaktive Bereitschaftszeit als Arbeitszeit gerechnet wird, gilt eine neue Obergrenze von 65 Stunden pro Woche.
Leiharbeitsrichtlinie
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Zeitarbeiter müssen auch Kantine, Kindergarten oder Transportmittel der Firma nutzen dürfen. Ausnahmen sind möglich, wenn die Gewerkschaften und Arbeitgeber dies vereinbaren.
In Deutschland gilt bereits der Grundsatz der gleichen Bezahlung und Behandlung von Zeitarbeitern (equal pay). Davon kann aber abgewichen werden, wenn durch Tarifvertrag andere Regelungen vereinbart sind, etwa für die Zeit der Einarbeitung.

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