Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Arcandor: Insolvenzverwalter verklagt Wirtschaftsprüfer

Arcandor-Insolvenzverwalter Jauch (Archivbild): Fast 100 Millionen Euro Schadensersatz gefordert Zur Großansicht
DPA

Arcandor-Insolvenzverwalter Jauch (Archivbild): Fast 100 Millionen Euro Schadensersatz gefordert

Fast 100 Millionen Euro Schadensersatz - darauf verklagt der Arcandor-Insolvenzverwalter Jauch die Wirtschaftsprüfer KMPG und BDO. Beide haben lange für den ehemaligen Warenhaus-Konzern gearbeitet - und sollen nicht rechtzeitig über die Insolvenz informiert haben.

Sechs Jahre nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor fordert Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch Schadensersatz in Höhe von fast 100 Millionen Euro von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften des Konzerns. Jauch wirft seinem Sprecher zufolge den Beratungsgesellschaften KPMG und BDO vor, es 2008 pflichtwidrig unterlassen zu haben, den Konzern auf seine bereits damals bestehende Zahlungsunfähigkeit hinzuweisen. Arcandor hatte erst Mitte 2009 Insolvenz angemeldet.

Die Landgerichte in Frankfurt und Düsseldorf bestätigten den Eingang der Klagen. KPMG und BDO lehnten eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Laut der Klageschriften verlangt Insolvenzverwalter Jauch Schadensersatz und die Rückzahlung von Honoraren, wie "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR berichten.

In den bereits Ende 2014 eingereichten Schadensersatzklagen fordert der Insolvenzverwalter von KPMG insgesamt 85 Millionen Euro, von BDO 12,4 Millionen Euro. BDO hatte 2008 die Bilanzen des Konzerns geprüft. KPMG war laut Jauch damit beauftragt, die Sanierungsfähigkeit des Konzerns zu untersuchen.

Die Forderungen orientierten sich an den Verlusten, die durch die Verzögerung der Insolvenz um mehrere Monate zusätzlich entstanden seien. Die Klagen seien auch deshalb eingereicht worden, um eine Verjährung der Ansprüche zu verhindern.

Zum Arcandor-Konzern gehörten vor der Pleite nicht nur die Karstadt-Warenhäuser, sondern auch das Versandhaus Quelle und der Reiseveranstalter Thomas Cook. Der Niedergang des Handelsriesen beschäftigt seit der Pleite im Jahr 2009 nicht nur den Insolvenzverwalter, sondern immer wieder auch die Justiz - besonders das öffentlichkeitswirksame Verfahren gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff.

kpa/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. vielleicht
0900 21.07.2015
Sollte man dazu schreiben, dass solche Klagen zum Standardverfahren von Insolvenzverwaltern gehören und ein etwaiger Verzicht darauf einer Unterlassung fast gleichkommt. Da weder KPMG noch BDO irgendwie dumm sind und deren Abläufe von vornherein solche Risiken versuchen auszuschließen, wird da nicht viel übrigbleiben, dass die Klagen erfolgreicher sind, als bei weniger populären Insolvenzen.
2. Falsche Prüfung der Buchhaltung und der Bilanzierung ...
wibo2 22.07.2015
"Jauch wirft seinem Sprecher zufolge den Beratungsgesellschaften KPMG und BDO vor, es 2008 pflichtwidrig unterlassen zu haben, den Konzern auf seine bereits damals bestehende Zahlungsunfähigkeit hinzuweisen. Arcandor hatte erst Mitte 2009 Insolvenz angemeldet." (SPON) Die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit ergab offenbar falsche Ergebnisse insoweit, dass nicht festgestellt wurde, dass eine Unternehmensfortführung nicht wahrscheinlich sei. In der Theorie soll bei einer Wirtschaftsprüfung ein Ist- mit einem Soll-Zustand verglichen werden. Bei starker Abweichung sollte dann ein Prüftestat alternativlos verweigert werden. Fazit: Die großen internationalen Player (PwC, KPMG, Ernst & Young, Deloitte) und die internationalen Netzwerke versagen auffallend häufig. Ist ein Schelm der Böses dabei denkt? Den RA Jauch könnte man als Helden ansehen, der sich unerschrocken zum Wohle seiner Mandanten - so wie ein Drachentöter - mit einer garstigen Hydra anlegt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: