Überweisungen an Gläubiger Argentinien trotzt Warnungen der US-Justiz

Im Streit um Milliarden-Forderungen zweier US-Hedgefonds umgeht Argentinien die Vorgaben der US-Justiz. Demnach sollte das Land zwei Fonds ausbezahlen, bevor es Gläubiger bedient. Kirchners Regierung wickelt die Zahlungen trotzdem ab.

Argentiniens Präsidentin Kirchner: "Unerschütterlicher Einsatz"
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Argentiniens Präsidentin Kirchner: "Unerschütterlicher Einsatz"


New York - Argentinien wickelt Zahlungen an seine Gläubiger über den Finanzplatz Buenos Aires ab - und widersetzt sich damit den Vorgaben der US-Justiz. Das südamerikanische Land überwies am Dienstag eine Rate von 161 Millionen Dollar (127 Millionen Euro) an einen Spezialfonds bei der staatlichen Banco Nacíón. Erst kurz zuvor hatte der zuständige New Yorker Bezirksrichter Thomas Griesa Strafen angedroht, sollte die Regierung in Buenos Aires nicht als ersten Schritt die Milliarden-Forderung zweier US-Hedgefonds begleichen.

Argentinien hatte vor drei Wochen ein Gesetz beschlossen, nach dem Zahlungen der Staatsschulden nicht mehr über New York abgewickelt werden, sondern über Buenos Aires oder einen anderen Finanzplatz der Wahl. Der argentinische Staat stelle mit den nun ergangenen Überweisungen seinen "unerschütterlichen Einsatz" unter Beweis, den Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nachzukommen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Unklar ist, wie viele Gläubiger die Verlegung des Zahlungsortes annehmen werden.

Im Juni hatte Argentinien 539 Millionen Dollar an die Bank of New York Mellon für Zinszahlungen überwiesen, die wegen des vorher verhängten Zahlungsverbots von der Bank nicht an die Gläubiger ausgezahlt wurden. Seitdem steht das südamerikanische Land in einer sogenannten "technischen" oder "selektiven" Zahlungsunfähigkeit.

Die Fonds hatten argentinische Schuldscheine nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft und verlangen den Nennwert der Staatsanleihen über 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro), was Buenos Aires ablehnt. Der Rechtsstreit findet in den USA statt, weil die strittigen Anleihen einst unter amerikanischem Recht in Dollar aufgelegt wurden, um sie für internationale Anleger attraktiver zu machen.

vks/dpa/Reuters

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insgesamt 140 Beiträge
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Zaphod 30.09.2014
1. Anstand
Es gibt anständige Anleihegläubiger, die Argentinien durch die Annahme des Umtauschangebotes unterstützt haben, und es gibt gierige Geierfonds, die versuchen, den letzten Cent aus einem Land in großer Not heraus zu pressen. Da ist es doch nur folgerichtig und gut, wenn Argentinien kreative Wege entwickelt, wie es die anständigen Gläubiger auch ordnungsgemäß bedienen kann. Die Geierfonds hingegen mögen noch so sehr in New York klagen, das Geld wird zukünftig andere Zahlungswege beschreiten.
Europa! 30.09.2014
2. Gut so, Frau Kirchner!
Es ist unerträglich, dass sich irgendwelche "New Yorker Bezirksrichter" zuständig fühlen, über das finanzielle Schicksal anderer Länder bestimmen zu wollen. Ein guter Grund, sich gegen TTIP zu wehren.
nopower 30.09.2014
3. Lasst
die Hände weg vom Dollar !!
alraschid 30.09.2014
4. Was für Warnungen
Will der Richter die Kavallerie schicken? Oder wird gleich gebombt?
prophet46 30.09.2014
5. Machenschaften?
Der Hintergrund wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass Paul Singer (der Chef der Geierfonds) ein starker Förderer (und Spender) der republikanische Partei ist. Der alte Bezirksrichter Thomas Griesa wiederum gilt es streng konservativ und wurde einst von Nixon ins Amt befördert. Hilft da einer dem anderen?
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