Argentinien Verteidigungsministerium ermittelt gegen Ex-Ferrostaal-Chef

Dem Unternehmen Ferrostaal droht neuer Ärger. Nach der Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch das argentinische Verteidigungsministerium gegen den früheren Vorstandschef Matthias Mitscherlich und mehrere Manager - Verdacht: Korruption.


Buenos Aires - Das argentinische Verteidigungsministerium hat Strafanzeigen gegen den früheren Vorstandschef von Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, sowie ranghohe Marineoffiziere und andere wegen möglicher Bestechung erstattet. Das gab die Behörde am Dienstag bekannt.

Das südamerikanische Land reagiert damit auf einen Bericht des SPIEGEL vom April. Nach SPIEGEL-Informationen soll sich vor einigen Jahren ein Grieche beim Essener Mischkonzern Ferrostaal gemeldet und einen zweistelligen Millionenbetrag im Zusammenhang mit einem U-Boot-Deal gefordert haben. Ferrostaal trat damals zusammen mit der ThyssenKrupp-Tochter HDW in einem Konsortium auf. Als die Essener nicht zahlen wollten, drohte der Mann mit Klage. Letztlich traf man sich im Jahr 2006 zu einem Schiedsverfahren vor einem Zürcher Anwalt. Ferrostaal überwies kurz darauf elf Millionen Euro.

Wofür, das will nun die Münchner Staatsanwaltschaft wissen, die gegen Top-Manager der Firma ermittelt - unter anderem gegen Mitscherlich, der von der fragwürdigen Zahlung gewusst haben soll und das Unternehmen nach Informationen des manager Anfang Mai ohne Abfindung verlassen musstemagazin.

Die argentinische Zeitung "La Capital" hatte vergangene Woche über einen weiteren möglichen Bestechungsfall berichtet. Demnach habe ein früherer Ferrostaal-Mitarbeiter ausgesagt, Unternehmer und argentinische Marineangehörige hätten sich im Zusammenhang mit dem Verkauf deutscher Konstruktionspläne für ein Boot der Küstenwache Schmiergelder in Höhe von mehr als 200.000 Euro geteilt.

Das Verteidigungsministerium in Buenos Aires teilte mit, bei internen Prüfungen von Verträgen der argentinischen Marine im Zusammenhang mit Ferrostaal seien "Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. Die deutsche Justiz sei um Informationen zum Stand der Ermittlungen gegen Ferrostaal gebeten worden. Details nannte die Behörde nicht.

Ferrostaal mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und 4400 Mitarbeitern ist seit Jahren als Generalunternehmer und Vermittler der deutschen Exportwirtschaft gerade in schwierigen und korruptionsanfälligen Ländern Lateinamerikas und Nordafrikas tätig.

ssu/dpa-AFX

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