Länderstreit um Repsol: Argentinien will spanischen Ölkonzern enteignen

Argentiniens Präsidentin Kirchner riskiert einen Konflikt mit Spanien. Sie plant, eine Tochterfirma des Repsol-Konzerns zu verstaatlichen - das Unternehmen investiere zu wenig in den Ausbau der Ölförderung. Madrid spricht von einer "feindlichen Entscheidung".

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AFP

Argentiniens Präsidentin Kirchner: Spanien kündigt "passende Antwort" an

Buenos Aires - Argentinien will den größten Ölkonzern des Landes teilweise verstaatlichen. Laut einem Gesetzentwurf, den die Regierung in Buenos Aires am Montag vorlegte, sollen 51 Prozent der Anteile der Ölfirma YPF enteignet werden. YPF wird vom spanischen Repsol-Konzern kontrolliert. Dieser bezeichnete die Entscheidung in einer ersten Reaktion als "illegal".

In einer Erklärung, die bei einem Treffen von Präsidentin Cristina Kirchner mit ihren Ministern und Gouverneuren verlesen wurde, erklärte die Regierung YPF zum "öffentlichen Versorgungsunternehmen". Die verstaatlichten Anteile sollen zwischen dem argentinischen Staat und den erdölfördernden Provinzen aufgeteilt werden. Die Regierung begründete die seit Wochen erwartete Enteignung mit mangelnden Investitionen des Unternehmens.

Der Repsol-Konzern nannte die Entscheidung eine "klare Verletzung der vom argentinischen Staat bei der Privatisierung von YPF übernommenen Pflichten". Die Spanier kündigten an, "alle juristischen Maßnahmen" ergreifen zu wollen, um seinen Börsenwert stabil zu halten und die Interessen seiner Aktionäre zu verteidigen. Der Handel mit YPF-Aktien wurde in New York nach einem Kurssturz ausgesetzt. Die US-Ratingagentur Fitch stufte das Unternehmen von "B+" auf "B" herab.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy berief in Madrid umgehend eine Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts ein. Außenminister José Manuel García-Margallo sagte danach, die argentinische Entscheidung schade dem "Klima der Freundschaft" zwischen beiden Ländern. Industrieminister José Manuel Soria sprach von einer "feindlichen Entscheidung". Eine Sprecherin von Rajoys konservativer Volkspartei PP kündigte eine "passende Antwort" Spaniens an.

Kirchner hatte von den argentinischen Ölfirmen verlangt, ihre Produktion hochzufahren, nachdem Argentinien im vergangenen Jahr etwa 9,4 Milliarden Dollar für Ölimporte zahlen musste - 110 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. In den vergangenen Wochen hatte YPF bereits in 16 argentinischen Provinzen seine Zulassungen verloren.

cte/AFP

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Überfällig
bio1 17.04.2012
Zitat von sysopDie spanische Regierung spricht von einer "feindlichen Entscheidung": Argentinien plant, die heimische Tochterfirma des Repsol-Konzern zu verstaatlichen. Der Grund: Das Unternehmen investiere zu wenig in den Ausbau der Ölförderung. Länderstreit um Repsol: Argentinien will spanischen Ölkonzern enteignen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827983,00.html)
Es ist eine längst überfällige Entscheidung! Die neo-liberale Wirtschafts-Politik unter Präsident Carlos Menem (1989-1999) zahlte sich nicht aus. Argentinien wurde zwar zum gefeierten Musterschüler des Internationalen Währungsfonds (IWF), jedoch führten die Privatisierungen, die Öffnung des Marktes, die Sozial-Kürzungen, die IWF-Rettungskredite letztlich zum Kollaps 2001. Warum wird nicht eingesehen, dass diese neo-liberale Politik nicht funktioniert? Stattdessen wird sie bis heute als Lösungs-Rezept für Griechenland etc. angewendet. Finanzkrise und Kollaps von Argentinien 2001, kritisch-aktuelle Dokumentation - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=82enAuv9gX8)
2. .
RosaHasi 17.04.2012
staatliche enteignung ist eine schweinerei. aber viel schlimmer ist das fördern von ressourcen die der allgemeinheit gehören müssten durch private unternehmen. das argentinische volk ist muss herr seiner eigenen rohstoffe sein und hätte niemals das westliche modell der "förderrechte" an eine andere partei abgeben sollen. so langsam beginnen die menschen dieser welt gegen ungerechtigkeiten wie diese zu rebellieren und erobern sich stück für stück zurück, was ihnen ein perverses system über jahrzente genommen hat.
3. ...darüber sollte man auch mal in Europa nachdenken
rolforolfo 17.04.2012
...darüber sollte man auch mal in Europa nachdenken. Die Ölfirmen einfach enteignen.
4. Argentinien will größten Ölkonzern des Landes enteignen
zephyros 17.04.2012
Nicht ganz ungefährlich, aber man muss Kirchner zugestehen, dass sie mutig ist. Im Streit um die Malvinas(Falklands)geht es ja auch um Ölvorkommen vor den Inseln. Mal sehen wo das endet. Den Anschluß an Brasilien hat man schon länger verloren. Jetzt will man wohl schauen, dass man nicht ganz leer ausgeht.
5.
Crom 17.04.2012
Zitat von bio1Es ist eine längst überfällige Entscheidung! Die neo-liberale Wirtschafts-Politik unter Präsident Carlos Menem (1989-1999) zahlte sich nicht aus. Argentinien wurde zwar zum gefeierten Musterschüler des Internationalen Währungsfonds (IWF), jedoch führten die Privatisierungen, die Öffnung des Marktes, die Sozial-Kürzungen, die IWF-Rettungskredite letztlich zum Kollaps 2001.
Eine sehr verkürzte und damit falsche Darstellung der Argentinienkrise. Hauptproblem war die Koppelung des Peso an den US-Dollar und damit einhergehende eine Überbewertung der Währung, die zu einem Haushaltsdefizit, Arbeitslosigkeit und einer Überschuldung führten. Argentinien war eben gerade nicht Musterschüler!
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