US-Finanzinvestor: Argentinien zieht gegen Geier-Fonds vor Gericht

Der Schuldenstreit zwischen Argentinien und dem Hedgefonds-Milliardär Paul Singer geht in die nächste Runde: Die Regierung in Buenos Aires legt Berufung gegen das Urteil eines US-Gerichts ein, einige Investoren des Landes trotz Schuldenschnitts voll auszuzahlen.

Argentiniens Präsidentin Fernández de Kirchner: Die Hedgefonds seien "Aasgeier" Zur Großansicht
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Argentiniens Präsidentin Fernández de Kirchner: Die Hedgefonds seien "Aasgeier"

Buenos Aires/Frankfurt a. M. - Argentinien will im Milliarden-Rechtsstreit mit US-Hedgefonds partout nicht klein beigeben - zu viel steht für das Land auf dem Spiel. Daher hat die argentinische Regierung nun Berufung gegen das Urteil eines amerikanischen Gerichts eingelegt. Das geht aus einer Mitteilung des argentinischen Wirtschaftsministeriums vom Dienstag hervor. Der Richterspruch soll die Auszahlung von 1,3 Milliarden Dollar an die klagenden Gläubiger erzwingen.

Die Finanzspekulanten um den New Yorker Hedgefonds-Milliardär Paul Singer hatten die Papiere vor dem Staatsbankrott Argentiniens vor mehr als zehn Jahren zum Schnäppchenkurs gekauft und sich nicht am Forderungsverzicht bei den Umschuldungsrunden in den Jahren 2005 und 2010 beteiligt. Stattdessen klagen sie auf volle Rückzahlung zum ursprünglichen Nominalwert. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte die Hedgefonds als "Aasgeier" beschimpft und eine Zahlung verweigert.

Doch diese konnten zuletzt einen großen Erfolg verbuchen: Der New Yorker Richter Thomas Griesa verurteilte die argentinische Regierung am vergangenen Mittwoch, die Schulden an die klagenden Hedgefonds zu 100 Prozent zu begleichen. Darin enthalten sind auch die entgangenen Zinszahlungen. Das argentinische Wirtschaftsministerium kritisierte die Entscheidung der ersten Instanz als "Angriff auf die Souveränität" Argentiniens und "Ignoranz gegenüber den vom Parlament verabschiedeten Gesetzen".

Das Urteil missfällt nicht nur der argentinischen Regierung, sondern auch den restlichen Gläubigern, die den Schuldenschnitt akzeptiert hatten. Denn laut Richterspruch darf Argentinien Schulden nicht bedienen, wenn nicht vorher die offenen Rechnungen bei den Hedgefonds beglichen werden. Am 15. Dezember muss die Regierung in Buenos Aires 3,5 Milliarden Dollar an Anleiheschulden bezahlen. Sind die Altschulden bei den Hedgefonds bis dahin nicht bezahlt oder zumindest auf einem Treuhandkonto hinterlegt, könnte Richter Griesa das Geld pfänden, das an die anderen Gläubiger fließen soll. Die argentinische Regierung will dies nun mit der einstweiligen Verfügung beim New Yorker Berufungsgericht umgehen.

yes/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 48 Beiträge
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1. optional
Scorpio2002 27.11.2012
Zitat: "Das argentinische Wirtschaftsministerium kritisierte die Entscheidung der ersten Instanz als "Angriff auf die Souveränität" Argentiniens und "Ignoranz gegenüber den vom Parlament verabschiedeten Gesetzen"." Treffender kann man es nicht bezeichnen. Aber die Idee ist gut. Ich rege an, dass die Bundesregierung die schweizer Banken auf Herausgabe der Anlegerdaten auch hierzulande verklagt. Wäre doch gelacht wenn das nicht gehen würde.
2. Was?
kewlo 27.11.2012
Wir sollten unsere Schulden zurückzahlen? Wo käme man hin, wenn ALLE sowas täten?
3. Vollkommen Richtig!!
liptovskykarl 27.11.2012
Ich wuensche Argentinien viel Erfolg beim Kampf gegen diese Heuschrecken und Finanzhaie, die es fertig bringen ganze Staaten zu ruinieren! Wann legt man diesen Heuschrecken endlich Zuegel an oder noch besser enteignet sie!!!
4. Genau richtig gepokert
LarsLondon 27.11.2012
Das Urteil von Richter Griesa ist absolut richtig. Genau auf dieses Szenario haben doch die Hedgefonds gesetzt. Der Schuldenschnitt war nicht verpflichtend, die Hedgefonds haben sich entschieden, nicht daran teilzunehmen - Jahre spaeter stellt sich jetzt heraus, dass sie genau richtig gepokert haben. Das mag Argentinien nicht gefallen, ist aber absolut nicht verwerflich und schon gar nicht unrechtmaessig.
5. Blaupause Griechenland
tatwort 27.11.2012
Zitat von sysopDer Schuldenstreit zwischen Argentinien und dem Hedgefonds-Milliardär Paul Singer geht in die nächste Runde: Die Regierung in Buenos Aires legt Berufung gegen das Urteil eines US-Gerichts ein, einige Investoren des Landes trotz Schuldenschnitts voll auszuzahlen. Argentinien zieht gegen US-Hedgefonds vor Gericht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/argentinien-zieht-gegen-us-hedgefonds-vor-gericht-a-869556.html)
Tatsache ist: Argentinien hat in den letzten Jahren Milliardenwerte zur BIZ in Basel verschoben. Dort sind sie vor dem Zugriff der Gläubiger dank Immunitätsregelung geschützt. Auffallend ist, dass die Währungsreserven von Griechenland, Spanien und Portugal ebenfalls in den letzten Monaten massiv gestiegen sind. Vor allem diese Länder dürften die Entwicklung Argentiniens mit Spannung verfolgen, ist es doch bisher eine Blaupause dafür, wie man den Schuldendienst mit internationaler Billigung umgehen kann. Ich bin beileibe kein Freund der Hedgefonds, aber im vorliegenden Fall muss ich sagen: Gut gemacht. Denn im Richterspruch ist auch vermerkt, dass etwa Deutsche und Italienische Rentner bedient werden müssen, die - weil sich ihre Rentenkassen verspekuliert haben - einen grossen Teil der Rente ans Bein streichen mussten. Und es geht hier nicht nur um ein paar wenige Menschen, sondern um zehntausende. Man stelle sich vor, die griechischen Schulden würden im Rahmen eines Staatsbankrottes einfach mal abgeschrieben, und die deutsche Regierung würde auf Kosten der Steuerzahler nicht alles unternehmen, um wieder an das Geld zu kommen. Hinz und Kunz würden jämmerlich aufheulen. Von daher sollten wir alle sehr genau beobachten, mit welchen Tricks und Kniffen Argentinien versucht, eine Rückzahlung zu verhindern, und mit welchen Argumenten die Hedge-Fonds versuchen, hier an ihr Geld zu kommen. Dieses Argumentatorium könnten wir dereinst sehr gut brauchen.
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