Angeblicher Stellenabbau AstraZeneca verpasst Betriebsrat Maulkorb

Nahezu jeder dritte Arbeitsplatz soll auf dem Spiel stehen: Der Pharmakonzern AstraZeneca hat den deutschen Betriebsrat über "einschneidende Maßnahmen" informiert - und verbietet ihm zugleich, mit der Belegschaft darüber zu sprechen.

AstraZeneca-Firmenlogo: drohender Arbeitsplatzabbau
Getty Images

AstraZeneca-Firmenlogo: drohender Arbeitsplatzabbau


Hamburg - Mit einer drastischen E-Mail hat sich der deutsche Betriebsrat des Pharmakonzerns AstraZeneca am Donnerstag an die Belegschaft gewandt. In der Mail, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, erklären die Arbeitnehmervertreter, dass sie vom Management am 29. August über eine "einschneidende Maßnahme" informiert worden seien.

Worin diese Maßnahme besteht? Tja, das dürfen die Betriebsräte der Belegschaft leider nicht sagen. Denn zugleich habe die Firmenleitung laut der E-Mail den gesamten Inhalt der Besprechung als Betriebsgeheimnis ausgewiesen und den Arbeitnehmervertretern explizit straf- und haftungsrechtliche Konsequenzen angedroht, wenn sie den Inhalt des Gesprächs weitergeben.

Von SPIEGEL ONLINE mit dem Vorgang konfrontiert, bestätigt Betriebsratsvorsitzender Frank Gotzhein den Maulkorb: "Wenn das Beispiel Schule macht, wird eine echte Interessenvertretung für Betriebsräte in Zukunft deutlich erschwert." Die Arbeitnehmervertretung von AstraZeneca will nun gerichtlich gegen den Schweigeerlass vorgehen - und sich bis dahin notgedrungen an ihn halten. Die Pressestelle der Deutschlandzentrale von AstraZeneca in Wedel bei Hamburg war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Claus Runge, Vice President Corporate Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung von AstraZeneca Deutschland, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE geht es bei der "einschneidenden Maßnahme" um die Zukunft von knapp 300 der insgesamt rund 900 Mitarbeiter von AstraZeneca in Deutschland. Betroffen sein soll vor allem der Außendienst für Diabetes-Medikamente. Mitarbeiter von AstraZeneca fürchten, dass der Konzern statt der Stammbelegschaft einen externen Vertriebsdienstleister mit dem Außendienst beauftragen könnte. So ließe sich die vergleichsweise alte und dadurch teure Vertriebsmannschaft von AstraZeneca ersetzen durch jüngere und billigere Mitarbeiter bei dem Dienstleister - keine unübliche Strategie in der Pharmabranche.

Der AstraZeneca-Konzern machte im Zweiten Quartal 2014 einen Gewinn von 796 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 6,45 Milliarden Dollar.

ric



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