Atomausstieg: Energie-Lobby will Staatsgeld für Kraftwerksbau

Neue Kohle- und Gaskraftwerke braucht das Land, damit nach dem Atomausstieg nicht die Lichter ausgehen. Doch die teuren Neubauten rechnen sich kaum noch. Die Energie-Lobby fordert nun Bau- und Reserveprämien vom Staat - das Wirtschaftsministerium prüft schon entsprechende Pläne.

Gas- und Dampfkraftwerk in Lingen: Branche fordert Zuschüsse für Neubauten Zur Großansicht
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Gas- und Dampfkraftwerk in Lingen: Branche fordert Zuschüsse für Neubauten

Berlin - Der Atomausstieg hat die Koordinaten der Energiebranche massiv verschoben - wie stark, zeigt die neuste Forderung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Der Branchen-Dachverband bittet den Staat um Hilfestellung bei der Energiewende.

Der Staat solle den Neubau neuer Gas- und Kohlekraftwerke mit Fördergeld unterstützen, verlangt BDEW-Präsident Ewald Woste in der "Süddeutschen Zeitung". Und Kraftwerke, die durch die Energiewende stillstehen, sollen eine Art Reserveprämie erhalten. Damit würde der freie Wettbewerb ein Stück weit aufgehoben.

Die Regierung setzt für den angestrebten Atomausstieg bis 2022 den Bau neuer Kraftwerke in großem Stil voraus. Bis Ende des Jahrzehnts sollen nach ihrem Plan neue Kohle- und Gasmeiler mit einer Leistung von bis zu 20 Gigawatt ans Netz gehen. Es gibt Experten, die sagen, die Zahl sei viel zu hoch angesetzt; die Grünen werfen der Regierung obendrein vor, keine fundierte Rechengrundlage für diesen Ausbauplan zu haben.

Doch auch wenn letztlich weniger Kraftwerke gebaut werden müssten; das Kernproblem potentieller Investoren für neue Kohle- und Gaskraftwerke bleibt: Die erneuerbaren Energien haben in den Stromnetzen Vorrang. Immer, wenn Solar- oder Windkraftwerke besonders viel Strom produzieren, müssen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ihre Stromproduktion herunterfahren. Vor allem Solaranlagen sind besonders zur Mittagszeit aktiv, wenn Strom am meisten Profit abwirft. Ökostrom frisst somit die Margen der Kohle- und Gaskraftwerke auf.

"Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien werden neue Kraftwerke in Zukunft immer seltener in Betrieb sein", sagt BDEW-Präsident Woste. Investitionen könnten sich deshalb kaum noch rentieren. Die Anlagen sind aber nötig, damit die Stromversorgung auch dann sicher ist, wenn die Sonne gerade nicht scheint und der Wind nicht weht. Vor allem Gaskraftwerke müssen daher gebaut werden, denn sie können sehr schnell hoch- und heruntergefahren werden und damit Schwankungen in der Stromerzeugung gut ausgleichen. Damit die Energiewende gelinge, sei die Förderung neuer Anlagen nötig, sagt Woste.

Der BDEW ist mit seiner Forderung nicht allein. Felix Matthes, Forschungskoordinator des Öko-Instituts, forderte bereits Ende Mai ein ähnliches Modell. Er schlug die Einführung einer sogenannten Kapazitätsprämie vor. Wer neue Gaskraftwerke baut, erhält demnach eine Prämie dafür, dass er das Energiesystem stabilisiert. Diese beschert ihm auf seine Investition eine Rendite. Die Kosten tragen die Verbraucher - über Aufschläge auf ihre Stromrechnung. Umgelegt auf Millionen Haushalte seien sie minimal, sagt Matthes.

Die Bundesregierung erwägt laut "SZ" bereits eine entsprechende Förderung. Das Wirtschaftsministerium befasse sich umfassend mit Fragen der Versorgungssicherheit, sagte ein Sprecher von Minister Philipp Rösler (FDP) der Zeitung. Dabei gehe es auch um die Frage, wie in Zukunft die Bereitstellung von Kapazitäten behandelt werde.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 232 Beiträge
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1. Undicht
mi_scha_hamburg 12.07.2011
Zitat von sysopNeue Kohle- und Gaskraftwerke braucht das Land, damit nach dem Atomausstieg nicht das Lichter ausgehen. Doch die teuren Neubauten rechnen sich kaum noch. Die Energie-Lobby fordert nun Bau- und Reserveprämien vom Staat - das Wirtschaftsministerium prüft schon entsprechende Pläne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773800,00.html
Diese Abzocker sind einfach nicht ganz dicht. Sowas sollte ganz schnell unter massive staatliche Aufsicht gestellt werden. Unglaublich sowas - Lobby"arbeit" gehört von Haus aus verboten wegen parteilicher Einflussnahme auf Abgeordnete.
2. neues Feindbild
Fackus 12.07.2011
Zitat von sysopNeue Kohle- und Gaskraftwerke braucht das Land, damit nach dem Atomausstieg nicht das Lichter ausgehen. Doch die teuren Neubauten rechnen sich kaum noch. Die Energie-Lobby fordert nun Bau- und Reserveprämien vom Staat - das Wirtschaftsministerium prüft schon entsprechende Pläne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773800,00.html
Dagegen ist entschlossener Widerstand angezeigt - egal wo immer sowas gebaut werden soll. Die Anti-KKW-Bewegung hats ja vorgemacht, wie sowas geht.
3. Es ist ...
mexi42 12.07.2011
an der Zeit, die Energieerzeuger zu verstaatlichen.
4. Jede Wette ...
uran-235 12.07.2011
Zitat von sysopNeue Kohle- und Gaskraftwerke braucht das Land, damit nach dem Atomausstieg nicht das Lichter ausgehen. Doch die teuren Neubauten rechnen sich kaum noch. Die Energie-Lobby fordert nun Bau- und Reserveprämien vom Staat - das Wirtschaftsministerium prüft schon entsprechende Pläne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773800,00.html
die Meisten Foristen werden hier wieder nach Verstaatlichung schreien. Ihr armen Geblendeten, das geht schief siehe DDR, Sowjetunion, Kuba, ...
5. dann sollen doch die Stadtwerke das Geschäft machen
katerramus 12.07.2011
So, so, die Energieversorger verdienen dann zu wenig und wollen gefördert werden...... Wenn schon Förderung, dann bitte für kommunale und Länderprojekte! Es wäre doch sehr sinnvoll, in Bayern und Baden- Würtemberg Gaskraftwerke zu errichten, die dann in öffentlicher Hand bleiben, das würde auch die Dringlichkeit des Ausbaus und die Menge an neuen Netzkilometern herunterfahren, sprich weniger teuer werden.
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Konzern Umsatz Gewinn vor Steuern Gewinn nach Steuern
E.on 92,8 Milliarden Euro 11,2 Milliarden Euro**** 6,3 Milliarden Euro*
RWE 53,3 Milliarden Euro 10,2 Milliarden Euro*** 3,3 Milliarden Euro**
EnBW 17,5 Milliarden Euro 3,3 Milliarden Euro*** 1,2 Milliarden Euro*
Vattenfall 13 Milliarden Euro 2,1 Milliarden Euro 259 Millionen Euro*
Gesamt 176,6 Milliarden Euro 26,8 Milliarden Euro 11 Milliarden Euro
Quelle: Geschäftsberichte von E.on, RWE, EnBW und Vattenfall; Angaben gerundet; *Konzernüberschuss; **Nettoergebnis; ***Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; ****Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten vor Finanzergebnis und Steuern

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