Atommülllagerung Konzerne überweisen 24 Milliarden Euro - und kaufen sich frei

Deutschlands Atomkonzerne haben sich von den künftigen Risiken der Atommüllentsorgung freigekauft. Ob mit dem Geld das geplante Endlager finanziert werden kann, ist ungewiss.

Castor-Transportschiff bei Neckarwestheim
DPA

Castor-Transportschiff bei Neckarwestheim


E.on, RWE , EnBW und Vattenfall haben insgesamt knapp 24 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung des Nuklearmülls an einen Staatsfonds überwiesen. Der Fonds wird von Investment-Spezialisten verwaltet. Daraus sollen die Kosten vor allem für das geplante Atommüllendlager beglichen werden.

Wie hoch diese Kosten sein werden und ob die Zahlungen der Konzerne reichen, kann heute noch niemand verlässlich sagen. Spätestens Ende 2022 werden alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Bis dahin soll der Staatsfonds noch deutlich an Wert gewinnen.

Mit der Überweisung wird der Finanzpakt zwischen dem Staat und den Energiekonzernen zur Finanzierung nuklearer Altlasten umgesetzt. Der staatliche Entsorgungsfonds soll die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls managen. Für Stilllegung und Abriss der Kernkraftwerke sowie die Verpackung des Mülls bleiben die Konzerne verantwortlich.

Aus technischen Gründen und wegen der hohen Summen mussten die Überweisungen auf mehrere Vorgänge aufgeteilt werden. Allein vom größten Einzelzahler E.on kamen rund zehn Milliarden Euro. E.on musste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um das Geld aufzubringen: So gab es bereits im März eine Kapitalerhöhung, zusätzlich legte der Konzern zur Finanzierung Mitte Mai erstmals seit Jahren wieder Anleihen mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro auf.

RWE steuerte 6,8 Milliarden Euro bei, EnBW 4,8 Milliarden Euro und Vattenfall 1,8 Milliarden Euro. Indem sie die Summe auf einen Schlag aufbrachten, umgingen die Konzerne die hohen Zinsen von 4,58 Prozent jährlich, die im Falle einer Ratenzahlung zusätzlich angefallen wären.

Alle weiteren Risiken für die künftige Entsorgung liegen damit ab sofort beim Staat. Dieser Kompromiss geht auf Vorschläge der Atomkommission von 2016 zurück. Die Konzerne müssen außerdem die Stilllegung und den Abriss der Atomkraftwerke bezahlen. Das wird nach Einschätzung von Fachleuten noch Jahrzehnte dauern.

asa/dpa



insgesamt 213 Beiträge
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Seite 1
raddy 03.07.2017
1. Das ist nicht freikaufen - das ist Beschiss am Bürger
Jetzt bin ich mal gespannt welcher Politiker demnächst in dieser Gesellschaft einen guten Posten hat.
Hyperboraeer 03.07.2017
2. Ob mit dem Geld das geplante Endlager
finanziert werden kann, ist ungewiss. Sicherlich NICHT, denn die Finanzstrategen bei den EVUs haben sehr genau nachgerechnet und sind final zum Ergebnis gekommen, dass dieser "Ablass" bei weitem günstiger kommt. Für die Finanzierung eines Endlagers werden 24 Mrd. Euro daher "peanuts" sein, siehe Gorleben. Die AKWs haben über Jahre schöne Gewinne/Tag generiert, die Spätfolgen kann jetzt der doofe Bürger=Steuerzahler tragen, das Geld ist verdient, die shareholder freu(t)en sich. Wie gewohnt: Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste.
Tom Joad 03.07.2017
3.
Zitat von raddyJetzt bin ich mal gespannt welcher Politiker demnächst in dieser Gesellschaft einen guten Posten hat.
Das ist nun wirklich von allen Fragen beim Thema "Endlagerung" die uninteressanteste.
niska 03.07.2017
4.
Mal schauen, ob von den Geld was für die Zwischenlager ankommt, oder ob die Kommunen wie Neckarwestheim einfach Pech gehabt haben. 24 Mrd. erschein mir insgesamt ein zu schlechter Deal für einen kompletten Freikauf der Risiken. Das Geld wird nicht reichen. Wie kommt man auf eine solch schlechte Empfehlung für den Staat, wenn man nicht persönliche "Interessen" hat?
Mach999 03.07.2017
5. Atomstrom ist billig.
Die Kosten für die Forschung hat der Steuerzahler getragen, die Kosten für die Endlagerung auch, und dazwischen wird das Geld verdient. Wobei die Risiken auch da der Steuerzahler trägt.
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