Atomausstieg Stromriesen drohen bis zu 22 Milliarden Euro Verluste

Der Atomausstieg kommt die Energieriesen einer Studie zufolge teuer zu stehen. Ein Teil der Einnahmeverluste könne zwar durch höhere Strompreise kompensiert werden. Kurzfristig erwarten die Energieunternehmen aber hohe Einbußen. Die Konzerne fordern eine Kompensation.

AKW Krümmel: Atomausstieg könnte Betreiber bis zu 22 Milliarden Euro kosten
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AKW Krümmel: Atomausstieg könnte Betreiber bis zu 22 Milliarden Euro kosten


Hamburg - Die vier großen Energieunternehmen müssen sich auf hohe Einbußen einstellen. Der Atomausstieg könnte allein E.on und RWE bis zu 22 Milliarden Euro kosten. Dies geht aus einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg hervor.

Ohne die sofortige Abschaltung von sieben Kernkraftwerken sowie der neun verbleibenden AKW bis 2022 hätten die Konzerne mit Gewinnen aus der Kernenergie von bis zu 34,3 Milliarden Euro rechnen können. Durch den Ausstieg verringere sich dieser Wert auf nur noch 12,8 Milliarden Euro, heißt es in der LBBW-Studie. So müsse E.on einen Wertverlust von 8,6 Milliarden Euro hinnehmen, RWE 5,9 Milliarden Euro.

Einen Teil der Verluste können die Konzerne allerdings durch steigende Strompreise kompensieren, so LBBW-Analyst Bernhard Jeggle. RWE profitiere bis 2025 unter Umständen sogar vom Atomausstieg: Da das Unternehmen stark auf Kohle- und Gaskraft setzt, werfen diese Kraftwerke bei stark steigenden Strompreisen mehr Gewinn ab als die AKW.

Kurzfristig geht der Energieexperte der LBBW jedoch von hohen negativen Ergebniseffekten für die beiden größten Energiekonzerne Deutschlands aus: Rund eine Milliarde Euro bei E.on Chart zeigen sowie 700 Millionen bei RWE Chart zeigen. Bislang hatte E.on einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 11,4 Milliarden Euro prognostiziert. RWE ging von 8,6 Milliarden Euro aus.

Bereits vor einigen Tagen hatte E.on-Chef Johannes Teyssen vor "Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe" gewarnt. Sorge machen den Unternehmen auch Klimaschutzauflage. Ab 2013 müssen sie für jedes Gramm CO2, das sie ausstoßen, Zertifikate kaufen - was die Produktion speziell von Kohlestrom deutlich teurer macht.

Für den schnellen Atomausstieg fordert E.on einen Ausgleich für seine Aktionäre. Zudem will das Unternehmen gegen die Brennelementesteuer klagen. Die Bundesregierung will trotz Ausstieg an der Steuer festhalten. RWE prüft ebenfalls eine Klage.

Oystein Løseth, Chef von Vattenfall Chart zeigen, kündigte für den schwedischen Heimatmarkt mittelfristig den Bau neuer Reaktoren an. Zudem bekräftige er in der französischen Zeitung "Les Echos" die Forderung nach einer Übertragung der Reststrommengen von sofort stillzulegenden AKW auf solche, die bis 2022 abgeschaltet werden sollen. Dieser im Gesetzesentwurf zum Atomausstieg vorgesehene Passus soll dafür sorgen, dass die neun verbleibenden AKW nicht stufenweise, sondern allesamt erst 2021 bzw. 2022 abgeschaltet werden. Dagegen hatten sich die Bundesländer gegen die Ballung der Abschaltung und für einen stufenweisen Ausstieg ausgesprochen. Entgegen ihren ursprünglichen Plänen akzeptiert Merkel diesen Stufenplan nun.

don/APD/dapd/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
frubi 03.06.2011
1. .
Zitat von sysopDer Atomausstieg kommt die Energieriesen einer Studie zufolge teuer zu stehen. Ein Teil der Einnahmeverluste könne zwar durch höhere Strompreise kompensiert werden.*Kurzfristig erwarten die*Energieunternehmen aber hohe Einbußen.*Die Konzerne fordern eine Kompensation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,766494,00.html
Das ist ja sooooo lächerlich. Diese Kraken hatten genug Zeit um Rücklagen zu bilden und jetzt fordern die Steuergeld. Wir übernehmen als Steuerzahler schon deren Abfall für die nächsten 100.000 Jahre.
crocodil 03.06.2011
2. Atom
na, war mr doch klar, dass künftig der Strompreis wieder in in die Höhe geht. Alle die Grünen sollen dann 1 € pro Kw/h zahlen. Ich möchte lieber bei der Kernergie bleiben bei max. 25 Cent
thepunisher75 03.06.2011
3. Da zeigt sich mal wieder wie skrupelos unsere Energieriesen...
Zitat von sysopDer Atomausstieg kommt die Energieriesen einer Studie zufolge teuer zu stehen. Ein Teil der Einnahmeverluste könne zwar durch höhere Strompreise kompensiert werden.*Kurzfristig erwarten die*Energieunternehmen aber hohe Einbußen.*Die Konzerne fordern eine Kompensation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,766494,00.html
..wirklich sind ! Kümmern sich nicht um ihren Atommüll aber um ihre Aktien und ihre Preise ! Wettern gegen erneuerbare Energie, obwohl sie wissen, das diese besser ist als ihre veralteten AKW's und tun sogar noch so wäre Fukushima und Tschernobyl nie passiert ! Ein weiterer Grund warum der Atomausstieg so schnell wie mögliche geschehen sollte...diese Leute mit ihren Scheuklappen brauchen dringend mal ein bisschen etwas um sie aus ihrer Ewiggestrigen Starre aufzuwachen...
marc0815 03.06.2011
4. gejammer
22 Milliarden Verluste? Wohl eher 22 Milliarden weniger Gewinne... Wer hat da mal wieder in die Glaskugel geschaut um Mitleid zu erwecken?
si_tacuisses 03.06.2011
5. Sie werden den Strom sogar völlig kostenlos beziehen können:
Zitat von crocodilna, war mr doch klar, dass künftig der Strompreis wieder in in die Höhe geht. Alle die Grünen sollen dann 1 € pro Kw/h zahlen. Ich möchte lieber bei der Kernergie bleiben bei max. 25 Cent
Stellen Sie doch den KKW-Betreibern Ihr Haus und Grundstück als Zwischenlager für deren Müll zur Verfügung. Schlappe 98000 Jahre ergeben sicherlich ein gewaltiges Guthaben für den Strombezug Ihrer Abkömmlinge ( 3000 Generationen nur )
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