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RWE-Chef Terium: "Energiebranche ist von Politik in Kernenergie getrieben worden"

RWE-Chef Peter Terium sieht die Politik bei den Entsorgungskosten für stillgelegte Atomkraftwerke in der Verantwortung. Seine Begründung: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden."

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RWE-Chef Terium: "Es muss am Ende vertretbar sein - auch für uns"

Berlin - Der Atomausstieg ist längst beschlossen. Doch offen ist, wer die Kosten für die Abwicklung der alten Meiler trägt. RWE-Chef Peter Terium fordert eine Beteiligung der Politik. "Wir werden unsere Verantwortung dafür tragen müssen. Aber es ist nicht nur und nicht allein unsere Verantwortung", sagte er zur Rolle der Energiekonzerne.

Teriums Begründung, warum am Ende auch der Steuerzahler beteiligt werden soll: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden." Die Branche habe dies zwar auch gern getan, da sie Geld verdienen wollte, räumte der Manager ein. Damit hätten aber zunächst die Investitionen bezahlt und zweitens die Rückstellungen für die Entsorgungskosten untermauert werden müssen.

Die vier Atomkonzerne RWE, E.on, Vattenfall Chart zeigen und EnBW Chart zeigen haben insgesamt rund 37 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet, mit denen der Abriss der Atomkraftwerke und die Lagerung des Atommülls bezahlt werden sollen. Es ist zum einen unklar, ob diese Summe reicht. Zum anderen herrscht angesichts der im Zuge der Energiewende angeschlagenen Konzerne die Befürchtung, die Rückstellungen seien dort nicht sicher.

Nach SPIEGEL-Informationen wollen die drei großen Energieversorger E.on, RWE und EnBW zusammen mit dem Bund eine öffentlich-rechtliche Stiftung gründen, die den milliardenteuren Abriss und die Endlagerung des strahlenden Mülls übernehmen soll. Der Vorstoß war auf breiten politischen Widerstand gestoßen.

"Es muss am Ende auch für uns vertretbar sein"

Terium bestritt, dass es einen fertigen Plan gebe: "Es gibt kein Konzept und keinen Dialog mit der Bundesregierung." Allerdings gebe es einen Passus im Koalitionsvertrag, wonach es die Regierung angesichts vieler offener Fragen rund um die Atomenergie für sinnvoll halte, mit der Branche zu sprechen. "Ich kann nur sagen: Wir sind gesprächsbereit", sagte Terium. Es dürfe in der Politik keine Voreingenommenheit geben, was gehe und was nicht. "Es muss am Ende vertretbar sein - auch für uns", sagte Terium.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Idee einer Atom-Stiftung für die Energiewirtschaft indirekt abgelehnt. "Im Grundsatz muss es dabei bleiben, dass die Unternehmen die Verantwortung für die Entsorgung von Atommüll tragen", sagte die CDU-Chefin kürzlich. Eine einseitige Verlagerung der Risiken "werden wir nicht mitmachen". Gleichzeitig machte Merkel deutlich, dass das Problem längst nicht gelöst sei. "Wir werden über das Thema der Kernkraftwerke und ihrer Altlasten sicher noch viele Gespräche führen", sagte die Kanzlerin.

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DER SPIEGEL

mmq/Reuters

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insgesamt 236 Beiträge
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1. umgekehrt wird ein Schuh draus
rolarndt 21.05.2014
Es ist doch wohl eher umgekehrt gewesen. Die Konzerne haben mit fleißiger Lobbyarbeit die ach so unabhängigen Abgeordneten in die "richtige" Richtung geschoben. So wie es auch nun wieder passieren wird. Ersta abhängige Abgeordnete haben ja schon Verständnis signalisiert. Am Ende wird der Bürger wieder zahlen und die Konzerne kassieren.
2. Genau!
fort-perfect 21.05.2014
Zitat von sysopDPARWE-Chef Peter Terium sieht die Politik bei den Entsorgungskosten für stillgelegte Atomkraftwerke in der Verantwortung. Seine Begründung: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-rwe-chef-will-politik-an-entsorgung-beteiligen-a-970622.html
Die Anderen waren es schuld, dass wir Geld verdienen mussten..... Der Herr Terium ist auch so ein populistischer Dummschwätzer....
3. Äm wer zahlt nochmal die Castortransporte und...
schamot 21.05.2014
Zitat von sysopDPARWE-Chef Peter Terium sieht die Politik bei den Entsorgungskosten für stillgelegte Atomkraftwerke in der Verantwortung. Seine Begründung: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-rwe-chef-will-politik-an-entsorgung-beteiligen-a-970622.html
wie ist das mir der Absetzbarkeit von Anlagen? Wer zahlt die Endlager? Wer hat am Steuerzahler Mrd. verdient? Das ist eine sktupellose Gewinnmax. zum Eigennutz.
4.
nic 21.05.2014
Gezwungen zum Milliardenverdienst. Das tut sicher weh.
5. Im Grunde ist es Unfassbar,
ronald1952 21.05.2014
Zitat von sysopDPARWE-Chef Peter Terium sieht die Politik bei den Entsorgungskosten für stillgelegte Atomkraftwerke in der Verantwortung. Seine Begründung: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-rwe-chef-will-politik-an-entsorgung-beteiligen-a-970622.html
mit welchen Argumenten solche Menschen wie Peter Terium um sich werfen. Jetzt ist die Energieindustrie also von der Politik dazu gezwungen worden, Milliarden zu Verdiehnen? Dieser Mann glaubt wohl hier bei uns in Deutschland leben nur noch Vollidioten? Erst die Deutschen Verbraucher abzocken und dann ein zweitesmal über die Steuerzahler nochmals versuchen Milliarden für die Entsorgung einzusparen? Langsam sollte endlich einmal schluß sein mit diesen Schmarotzern aus Wirtschaft und Industrie, die da Glauben das man den Deutschen Michel endlos Melken kann.Auch die Politik sollte sich im klaren darüber sein, daß das Maß schon lange voll ist. Wenn das Faß dann endlich überläuft,dann wird die Politik und Wirtschaft sehen was sie hier losgetreten hat. schönen Tag noch,
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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