Atomwende in Deutschland: Turbo-Ausstieg würde rund 170 Milliarden Euro kosten

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3. Teil: Was der Turbo-Ausstieg kostet

Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee: Der schnelle Atomausstieg würde teuer Zur Großansicht
dapd

Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee: Der schnelle Atomausstieg würde teuer

Der Traum vom schnellen Atomausstieg ist also technisch möglich. Aber er hätte einen hohen Preis.

Zunächst würde er das Landschaftsbild der Bundesrepublik total verändern. Schon jetzt drehen sich mehr als 21.300 Windräder zwischen Passau und Westerland; schon jetzt sind fast 13 Millionen Quadratmeter Dächer und Felder mit Sonnenkollektoren gepflastert; schon jetzt werden auf zwei Millionen der insgesamt zwölf Millionen Hektar Ackerfläche Energiepflanzen angebaut.

Im 2020er-Szenario ginge es um ein Vielfaches des Status quo. 46 Gigawatt Windenergie, 52 Gigawatt Photovoltaik, acht Megawatt Biomasse: Deutschland würde mit Solarzellen gepflastert. Riesengroße Rotoren würden in der Landschaft stehen. Und auf Feldern droht eine bedenkliche Monokultur aus Bioenergiepflanzen. Nötig wären auch neue Stromtrassen, um den ganzen Ökostrom an die richtigen Orte zu transportieren.

Die Öko-Revolution hat also eine hässliche Seite: Sie macht die Energieerzeugung, die bislang vor allem unter Tage und in abgezäunten Kraftwerken stattfand, für jeden sichbar. Manche würden sagen: Sie verschandelt die Landschaft.

Ist das mit den deutschen Wutbürgern überhaupt machbar? Die Grünen verweisen zwar auf den aktuellen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur, laut dem zuletzt nur drei von 24 dringenden Netzausbauprojekten wegen mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung gestoppt wurden. Doch gegen Riesenwinderäder gibt es immer wieder Proteste. Und selbst eingefleischte Ökos geraten wegen wachsender Mais-Monokulturen in Rage.

"Die Akzeptanz für erneuerbare Energien muss dringend gestärkt werden", sagt auch Sterner. "Den Menschen muss bewusst gemacht werden, dass unsere Energieversorgung aufgrund von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Atomkatastrophe wieder überirdisch wird - wie sie vor 200 Jahren schon immer war."

Strompreis dürfte stark steigen

Die Akzeptanz für Ökostrom hat allerdings arg gelitten - durch die Kosten, die den Verbrauchern entstanden sind.

Um 70 Prozent ist die EEG-Umlage, mit der Verbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren, zum Jahreswechsel gestiegen, von 2,05 Cent auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Viele Versorger schlagen die Zusatzkosten teilweise oder ganz auf die Stromrechnung drauf. Ein Durchschnittshaushalt, der rund 4000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbraucht, zahlt nun 40 bis 80 Euro mehr.

Grund ist der extreme Ausbau der Solarenergie. Allein dadurch entstanden den Verbrauchern im vergangenen Jahr Kosten von neun Milliarden Euro. Aktuell bemüht sich die Regierung um eine Begrenzung des Ausbau-Booms - mit ungewissem Ausgang.

Doch auch wenn es der Regierung gelingt, die Solarkosten auf ein erträgliches Maß zu drücken und die erneuerbaren Energien so auszubauen, wie es im BMU-Szenario vorgesehen ist: Die Kosten für die Verbraucher werden deutlich steigen.

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Zwar entwickeln sich Solaranlagen oder Windräder technologisch weiter, sie werden effizienter - so dass ihre Stromerzeugungskosten laut BMU-Schätzung deutlich sinken. Doch für den Verbraucher gilt auch hier: Die Menge macht's. 2020 sollen 227 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien kommen - mehr als doppelt so viel wie heute.

Das BMU geht davon aus, dass die EEG-Umlage bis 2015 auf rund 12 Milliarden Euro pro Jahr steigt, 2020 soll sie wieder bei rund neun Milliarden liegen, danach zunehmend günstiger werden. Auch wenn sich die Investitionen langfristig lohnen - zunächst bleiben die Verbraucher auf den Kosten sitzen - dabei empört sich schon jetzt mancher über den hohen Ökostromaufschlag.

Hinzu kommt, dass Kohle- und Gaskraftwerke bei einem Atomausstieg bis 2020 mehr Strom produzieren müssten als vorgesehen, was zu einer Verteuerung der CO2-Zertifikate führt. Ohnehin wird dieser Markt in den kommenden Jahren immer strenger reglementiert, so dass der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken teurer wird. In der BMU-Studie wird daher erwartet, dass die Stromgroßhandelspreise von aktuell fünf Cent bis zum Jahresende auf sieben Cent pro Kilowattstunde steigen. Auch diese Kosten werden größtenteils an die Verbraucher weitergegeben.

Die Netzbetreiber dürften ebenfalls einen Teil ihrer Investitionskosten auf die Verbraucher abwälzen. Fallen alle AKW weg, müssen erst neue Leitungen quer durch die Republik gezogen werden, um den Strom in die Gebiete zu transportieren, wo er gebraucht wird. Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur (dena) schätzt, das es bis 2020 rund 3600 Kilometer sind. Kostenpunkt: 9,7 Milliarden Euro. Zusatzkosten für die Verbraucher laut dena: 0,2 Cent pro Kilowattstunde. Hinzu kommen Investitionen in Milliardenhöhe für das Verlegen von Stromkabeln im Meer, damit die Elektrizität von Offshore-Windparks an Land genutzt werden kann.

Gewaltige Investitionen nötig

Nicht nur beim Netzausbau wären die nötigen Investitionen gewaltig. Soll die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2020 wirklich verdoppelt werden, müssten all die Wind-, Solar-, Biomasse-, Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke erst einmal gebaut werden (zur Funktionsweise der verschiedenen Kraftwerkstypen: siehe Kasten). Dazu wären laut BMU-Schätzung zwischen 2011 und 2020 rund 122 Milliarden Euro nötig.

Diese Investitionen wären laut BMU-Szenario ohnehin nötig, um die Klimaschutzvorgaben zu erfüllen. Um einen Turbo-Ausstieg bis 2020 zu realisieren, müssten laut Sterner zusätzliche Onhore-Windkraftwerke mit einer Leistung von 14 Gigawatt gebaut werden - was zusätzliche Investitionen von 14,4 Milliarden Euro nötig macht.

Hinzu kommen Ausgaben für Effizienzsteigerungen. Um den Stromverbrauch um 30 Terawattstunden pro Jahr zu senken, wären nach Berechnungen der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) Investitionen von rund 17 Milliarden Euro nötig. Rund 6,5 Milliarden Euro in den Haushalten und 10,5 Milliarden in der Industrie. In der Industrie würden sich diese Investitionen nach rund 15 Jahren auszahlen, bei den privaten Haushalten nach rund zehn Jahren. Im Vergleich zu den nötigen Investitionen in der Stromerzeugung erscheint die Finanzierung machbar. "Mit Ausgaben von rund 1,7 Milliarden Euro pro Jahr kann man die Energieeffizienz bis 2020 deutlich steigern", sagt GWS-Ökonomin Ulrike Lehr.

Auch der Bau zusätzlicher Gaskraftwerke wäre relativ leicht zu realisieren. Internen Schätzungen zufolge wären für die insgesamt nötigen sechs Gigawatt Kapazität Investitionen von 3,3 bis 4,8 Milliarden Euro nötig - je nach Preisentwicklung der Anlagen.

Und es gäbe einen Investor, der der Kraftwerke gern bauen würde: die kommunalen Unternehmen. Wegen der Laufzeitverlängerung hatten sie zahlreiche Projekte auf Eis gelegt - nun holen sie die Pläne wieder hervor.

Ohnehin planen die kommunalen Unternehmen, in den kommenden Jahren Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 3300 MW zu errichten, sagt Hans-Joachim Reck, Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen. "Das Abschalten der Kernkraftwerke und das Aussetzen der Laufzeitverlängerung bieten Chancen für Klimaschutz und ein zukunftsgerichtetes Energiesystem."

Fest steht: Für den raschen Ausstieg aus der Kernenergie wären zunächst hohe Investitionen nötig. Sie würden sich bis 2020 grob überschlagen auf rund 167 Milliarden belaufen. Langfristig rentiert sich das - für die Unternehmen und Verbraucher, die Anlagen zur Stromerzeugung bauen ebenso wie für die Volkswirtschaft. Neue Märkte wachsen, Jobs entstehen - und langfristig wird die Stromerzeugung durch Ökoenergien günstiger. Zunächst aber müssen große Summen investiert werden.

Und vor allem für die Verbraucher dürfte die Ökostromwende teuer werden. Denn sie subventionieren die anfangs noch teure Energieerzeugung durch Aufschläge auf ihre Stromrechnung. Der Preis wird wohl um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels waren die nötigen Investitionen für einen Ausstieg aus der Atomkraft bis 2020 auf rund 230 Milliarden Euro beziffert. Die Berechnung war nicht korrekt, da sie auch Investitionen für den Wärmesektor umfasste - diese sind für einen Ausstieg aus der Kernenergie nicht nötig. Wir haben die Rechnung korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 1024 Beiträge
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1. Rolle Röttgen
Robert Nozick 17.03.2011
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
oops, na wenn das so ist, dann bitte doch nich abschalten
2. Na und?
R. Kolberg 17.03.2011
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
Was glaubt ihr eigentlich was ein GAU kostet und wie er die Landschaft verändert? Und wie lange? Schon mal an die Folgewirkung /-kosten gedacht, wenn z.B. in Stuttgart etwas passieren sollte? Was passiert dann mit der deutschen Automobilindustrie? Ein Blick auf die Karte hilft. Welche Unternehmen da so sitzen ... Im übrigen: Die Kosten trägt in beiden Fällen am Ende der Bürger, nicht die Atomindustrie!
3. die trommeln fangen jetzt schon an..
yk007 17.03.2011
dass die Steuerzahler, wie in der Finanzkrise, die Kosten dafür tragen müssen. die Medien spielt wie immer, mit.
4. Das doch nicht teuer!
amerlogk 17.03.2011
230 Milliarden : 9 Jahre = 25,5 Milliarden pro Jahr. Und natürliche Landschaft haben wir nach Jahrhunderten menschlichen tuns sowieso nicht mehr. Nutzen wir die Chancen. Wir brauchen Arbeit auf dem flachen Land. Es ist ein Herausforderung an uns als Gesellschft. Wir schaffen das!
5. Ausstieg sofort wenn so billig ist!
kdshp 17.03.2011
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
Hallo, was so wenig? Das wären mal gerade ca. 25mrd im jahr und das ist nicht viel wenn ich dann noch abziehe was wir bei einem ausstieg sparen da gehene experten von bis zu 500mrd aus in 30 jahren.
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Grafiken: Fakten zur globalen Atomindustrie

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
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