Atomwende in Deutschland Turbo-Ausstieg würde rund 170 Milliarden Euro kosten

Die Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Experten halten den Turbo-Ausstieg bis 2020 für möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern.

Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee: Der schnelle Atomausstieg würde teuer
dapd

Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee: Der schnelle Atomausstieg würde teuer

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Hamburg - Es sind schockierende Nachrichten: Den japanischen Atomspezialisten gelingt es trotz permanenter Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 der Atomanlage Fukushima I ausreichend zu kühlen. Die Strahlung auf dem Kraftwerksgelände war zeitweise so hoch, dass sie Menschen innerhalb weniger Wochen töten könnte. Behörden und freiwillige Helfer müssen improvisieren, um das havarierte Kraftwerk doch noch zu retten - Ausgang ungewiss.

In Deutschland verursachen die Meldungen irrationale Panik. Obwohl zwischen Fukushima und Berlin rund 8750 Kilometer liegen, steigt die Nachfrage nach Jodtabletten. Das Jod lagert sich in der Schilddrüse an, radioaktives Jod kann dann nicht aufgenommen werden. Und die in Deutschland ohnehin starke Anti-Atom-Bewegung bekommt dieser Tage Rekordzulauf. In vielen Städten gehen Menschen auf die Straßen. "Raus aus der Kernenergie", skandieren sie.

Aber geht das überhaupt? Und wenn ja: Was würde ein Turbo-Ausstieg kosten?

Michael Sterner leitet am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) die Gruppe Energiewirtschaft und Systemanalyse. Er berät regelmäßig die Bundesregierung, zuletzt hat er an der Leitstudie 2010 für das Bundesumweltministerium mitgearbeitet - die zentrale Analyse des Ministers, in der technische Möglichkeiten und Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland aus allen Perspektiven untersucht werden.

Schon die Leitstudie der Regierung zeigt Wege auf, um rasch aus der Kernenergie auszusteigen. Die Basisszenarien A und B gehen davon aus, dass es keine Laufzeitverlängerung für Deutschlands 17 Atommeiler gibt - und dass der letzte Meiler 2024 vom Netz ist.

Für SPIEGEL ONLINE hat Sterner noch einmal neue Abschätzungen vorgenommen. Sein Fazit: "Wenn man die BMU-Szenarien nur geringfügig anpasst, ist ein Ausstieg aus der Kernenergie schon bis 2020 problemlos möglich."

Und das ohne große Quantensprünge: Sterners Szenario berücksichtigt keine Energierevolutionen, die erst noch realisiert werden müssen. "Um bis 2020 aus der Kernenergie auszusteigen, reicht es aus, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien wie gehabt weitergeht."

Wie funktioniert der Atom-Ausstiegsplan? Derzeit haben Deutschlands Kernkraftwerke eine Leistung von rund 20,8 Gigawatt. Deren Kapazitäten müssen teils ersetzt werden; teils wurden sie schon ersetzt. Das zeigt der aktuelle Atom-Aktionismus der Regierung: Sieben von 17 Atommeilern werden für aufwendige Sicherheitschecks heruntergefahren. Ein achtes Kraftwerk, das AKW Krümmel, ist ohnehin nicht am Netz. Trotzdem droht Deutschland offensichtlich kein Blackout.

Leistung der sieben Altmeiler plus Krümmel

Kraftwerk Betriebsstart Nettoleistung in MW
Brunsbüttel 1977 771
Isar I 1979 878
Neckarwestheim 1 1976 785
Philippsburg I 1980 890
Biblis A 1974 1167
Biblis B 1976 1240
Unterweser 1978 1345
Krümmel 1984 1346
Gesamt 8422

Quelle: Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie

Mehr noch: Die Bundesregierung plant, einige AKW stilllegen zu lassen. Neckarwestheim I und Philippsburg müssen vom Netz. Die Existenz der anderen Meiler ist in Frage gestellt. Rein rechnerisch könnten insgesamt sieben Meiler abgeschaltet werden, ohne dass eine Stromlücke entsteht.

Bleiben aber immer noch zehn Atomkraftwerke - und Kapazitäten von rund 14 Gigawatt, die ersetzt werden müssen. Auch das ist laut Sterners Berechnungen möglich - ohne dass an der aktuellen Energiepolitik viel geändert werden muss. "Ältere Kohlekraftwerke können wie geplant stillgelegt werden", sagt Sterner.

Alle Fragen und Antworten zum Turbo-Ausstieg aus der deutschen Atomkraft im Überblick:

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insgesamt 1024 Beiträge
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Robert Nozick, 17.03.2011
1. Rolle Röttgen
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
oops, na wenn das so ist, dann bitte doch nich abschalten
R. Kolberg 17.03.2011
2. Na und?
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
Was glaubt ihr eigentlich was ein GAU kostet und wie er die Landschaft verändert? Und wie lange? Schon mal an die Folgewirkung /-kosten gedacht, wenn z.B. in Stuttgart etwas passieren sollte? Was passiert dann mit der deutschen Automobilindustrie? Ein Blick auf die Karte hilft. Welche Unternehmen da so sitzen ... Im übrigen: Die Kosten trägt in beiden Fällen am Ende der Bürger, nicht die Atomindustrie!
yk007 17.03.2011
3. die trommeln fangen jetzt schon an..
dass die Steuerzahler, wie in der Finanzkrise, die Kosten dafür tragen müssen. die Medien spielt wie immer, mit.
amerlogk 17.03.2011
4. Das doch nicht teuer!
230 Milliarden : 9 Jahre = 25,5 Milliarden pro Jahr. Und natürliche Landschaft haben wir nach Jahrhunderten menschlichen tuns sowieso nicht mehr. Nutzen wir die Chancen. Wir brauchen Arbeit auf dem flachen Land. Es ist ein Herausforderung an uns als Gesellschft. Wir schaffen das!
kdshp 17.03.2011
5. Ausstieg sofort wenn so billig ist!
Zitat von sysopDie Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Laut einem Szenario des IWES für SPIEGEL ONLINE*wäre der Turbo-Ausstieg bis 2020 möglich. Er wäre allerdings teuer - und würde die Landschaft total verändern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751293,00.html
Hallo, was so wenig? Das wären mal gerade ca. 25mrd im jahr und das ist nicht viel wenn ich dann noch abziehe was wir bei einem ausstieg sparen da gehene experten von bis zu 500mrd aus in 30 jahren.
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