Attacke auf US-Großbank Cyber-Gangster hackten Morgan Stanleys Netzwerk

Der spektakuläre Cyber-Angriff auf Google und andere US-Firmen richtete sich auch gegen einen Finanzkonzern: Internen E-Mails zufolge verschafften sich Hacker Zugriff auf das Computernetzwerk von Morgan Stanley. Die US-Großbank berät Unternehmen bei milliardenschweren Übernahmen.

Morgan-Stanley-Filiale: Hochsensible Attacke
AP

Morgan-Stanley-Filiale: Hochsensible Attacke


Hamburg - Vor gut einem Jahr machte eine spektakuläre Cyber-Attacke gegen Google Schlagzeilen. Jetzt wird ein neues Opfer des sogenannten Aurora-Angriffs, der aus China gesteuert wurde, bekannt: Morgan Stanley.

Das Netzwerk der US-Großbank sei mit derselben Technologie gehackt worden wie Google, berichtet die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf interne E-Mails der Computersicherheitsfirma HBGary, die die Vorfälle für Morgan Stanley prüfte. Die E-Mails wurden aus dem HBGary-Netzwerk gestohlen. Internetaktivisten der Gruppe Anonymous veröffentlichten sie daraufhin im Internet.

Den Mails zufolge übten Hacker massive Angriffe auf das Netzwerk der US-Großbank aus. Sie zitieren unter anderem Phil Wallisch, einen Computerexperten, der nach eigenen Angaben Zugriff auf interne Morgan-Stanley-Berichte zu der Aurora-Attacke hatte. Die Hacker pflanzten demnach Schadsoftware in das Netzwerk der Großbank ein, mit deren Hilfe sich geheime Daten und interne Kommunikationen ausspähen lässt.

Aus den Mails geht nicht hervor, ob sensible Daten aus dem Netzwerk der Großbank entwendet werden konnten - und wenn ja welche. Morgan Stanley ist eine der größten Banken der Welt; sie berät unter anderem Unternehmen bei milliardenschweren Übernahmen.

Ausgeklügelter Angriff

Morgan Stanley hatte den Hack bislang nicht öffentlich gemacht. Eine Sprecherin der Bank wollte sich zu den Berichten nicht äußern. HBGary bestätigte, dass interne E-Mails aus dem eigenen Netzwerk gestohlen wurden, wollte sich zu deren Inhalt aber nicht äußern.

Die Aurora-Attacke war ein besonders ausgeklügelter Angriff auf Computernetzwerke zahlreicher US-Firmen. Eine Untersuchung der Sicherheitsfirma iSec hatte ergeben, dass jede einzelne der Attacken auf das angegriffene Unternehmen zugeschnitten war.

Wie viele Firmen von den Hacks betroffen waren, ist noch immer unklar. Die Sicherheitsfirma Terremark Worldwide geht davon aus, dass sie sich gegen mehr als 200 Unternehmen richtete.

Entdeckt wurden die Cyber-Angriffe zunächst vom Suchmaschinenkonzern Google. Hacker hatten versucht, die E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtler zu knacken. Eine Fehde zwischen Google und der chinesischen Regierung begann, an deren Ende der teilweise Auszug der Amerikaner aus dem Reich der Mitte stand.

Steckt Peking hinter den Attacken?

Wer hinter den Angriffen steckt, ist bis jetzt nicht hunderprozentig klar. Sicher ist, dass die Attacken aus China gestartet wurden. US-Botschaftsdepeschen zufolge, die dem SPIEGEL vorliegen, wurden die Angriffe von der chinesischen Regierung angeordnet.

"Ein gut platzierter Kontakt behauptet, dass die chinesische Regierung die kürzlichen Einbrüche ins Google-System koordinierte", meldete die US-Botschaft in Peking am 26. Januar dieses Jahres nach Washington, Sicherheitsstufe "geheim". "Laut unserem Kontakt wurde die geheime Operation auf der Ebene des Ständigen Ausschusses des Politbüros angewiesen", heißt es in der Depesche. Höher geht es nicht in der chinesischen KP.

Zudem, erfuhr Washington von seinen Diplomaten, habe sich das Informationsbüro des Staatsrats der Sache angenommen. Zwei Politbüro-Mitglieder sollen die Anti-Google-Aktion nach den bislang unbewiesenen Informationen der Botschaft koordiniert haben. Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe zurück.

ssu

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eternalorakel 01.03.2011
1. Banker Schmarrn!
Die armen Großbanker! Die werden bei ihren dubiösen Machenschaften gestört. Komisch, dass bei mir da Null Mitleid aufkommt! Im worst case, wird deren Netzwerk registriert haben, dass jemand von außen versucht, sich einzuschleichen. Ich glaube die Abwehrmechanismen einer jeden Großbank würde unsren Innenminister staunen lassen! Und vor allem diese plumpe Propaganda gegen China, bzw. ein VErsuch von: das ist ja so durchschaubar und lächerlich!!! Als ob die Großbanken dieser Welt irgendwelche Grenzen kennen würden, sowohl territprial als auch politisch bzw. ideologisch oder wirtschaftlich... Erstens würde die chin. Regierung solch einen Angriff gar nicht zulassen, zweitens wäre dieser nicht in ihrem INteresse!
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