Dieselaffäre Abgasbetrug bei Audi offenbar von langer Hand geplant

Interner Schriftverkehr belegt, wie Audi-Ingenieure die Behörden mit manipulierter Motorsoftware getäuscht haben. Nach SPIEGEL-Informationen wird Konzernchef Stadler ein zweites Mal von US-Anwälten befragt.

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Bislang war die Diesel-Affäre stets mit zwei Buchstaben verbunden: VW. Doch nun entwickelt sich der Skandal zu einem immer größeren Problem für die Tochtermarke mit den vier Ringen: Audi. Dort haben die Auto-Ingenieure den Betrug mit der Motorensoftware des Wagens vorbereitet, und zwar aus dem Motiv, Geld zu sparen.

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Heft 46/2016
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Nach SPIEGEL-Informationen belegen Unterlagen, die in einer Datenbank des Fachbereichs Antriebstechnik bei Audi hinterlegt waren, dass der Abgasbetrug seit 2008 offenbar generalstabsmäßig geplant war. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Audi-Experten hatten 2008 berechnet, dass eine ordentliche Abgasreinigung zu aufwendig wäre. Sie schlugen als "Lösungsansatz" stattdessen die "Einführung zweier Betriebsmodi" vor. Auf dem Prüfstand sollten die Audi-Motoren im "Effizienzmodus" laufen. Die Reinigung der Stickoxide läge dann bei über 90 Prozent. Auf der Straße aber sollte die Abgasreinigung im "Sparmodus" eingesetzt werden. Darin sei "wählbar", wie stark die Stickoxide gereinigt werden, zwischen 30 und 70 Prozent.

Dass dies gegen US-Gesetz verstößt, muss den Audi-Experten bekannt gewesen sein. Sie hatten ihre Tricks "cycle beating" genannt, worunter das verbotene Austricksen des Prüfverfahrens verstanden wird. Zugriff auf die Datenbank, in der die entsprechenden Dokumente gespeichert sind, haben bei Audi rund 50 Experten.

Audi-Chef Rupert Stadler muss sich nach SPIEGEL-Informationen ein zweites Mal von Anwälten der Kanzlei Jones Day befragen lassen, die den Abgasskandal im Auftrag des Volkswagen-Konzerns aufklären sollen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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