Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Audi Erste Festnahme im Dieselskandal

Im Skandal um manipulierte Dieselmotoren hat die Staatsanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen nun einen Motorenentwickler von Audi festnehmen lassen. Zudem drohen Audi und weiteren Konzernen Kartell-Ermittlungen.

Audi-Zentrale in Ingolstadt
REUTERS

Audi-Zentrale in Ingolstadt

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Im Skandal um manipulierte Dieselmotoren ist es zu einer ersten Festnahme gekommen. Nach Informationen des SPIEGEL hat die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft München II zu Beginn der Woche einen Motorenentwickler der VW-Tochter Audi verhaftet.

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Heft 28/2017
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Bei dem festgenommenen Mann soll es sich um Giovanni P. handeln. Er zeichnete bis vor einigen Monaten verantwortlich für die Entwicklung von Dieselmotoren bei Audi. Er war im Zuge des ersten Skandals in den USA ins Visier der dortigen Ermittler geraten. Audi hatte ihn dann im Jahr 2015 beurlaubt. Ein Anwalt P's wurde zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Staatsanwaltschaft wirft P. Beteiligung an Betrug und unlauterer Werbung vor. Wegen des gleichen Tatvorwurfs ermittelt die Behörde inzwischen gegen mehrere namentlich bekannte Manager. Vorstandsmitglieder von Audi sollen bislang nicht zu den Beschuldigten gehören.

In Ermittlerkreisen hieß es, dem Haftbefehl gegen P. lägen "eigene Ermittlungsergebnisse" zugrunde, keine bei der US-Kanzlei Jones Day beschlagnahmten Materialien.

Die Audi-Mutter Volkswagen hatte die amerikanischen Anwälte mit der internen Aufklärung rund um die manipulierten Dieselmotoren beauftragt. Entgegen einer ursprünglichen Ankündigung veröffentlichte VW den Bericht der Juristen allerdings bislang nicht.

Möglicherweise Kartellermittlungen gegen Autokonzerne

Die Staatsanwaltschaft München II hat allerdings bereits Räumlichkeiten der Kanzlei durchsucht und könnte damit im Besitz wertvoller Informationen sein. Sie liegt allerdings noch in einer juristischen Auseinandersetzung mit Jones Day, ob sie das beschlagnahmte Material verwenden darf.

Am Donnerstag stellte die US-Justiz Strafanzeige gegen P. beim zuständigen Gericht in Detroit im US-Bundesstaat Michigan. Sie wirft ihm Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltrecht vor.

Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal ermitteln in Deutschland gleich mehrere Staatsanwaltschaften - gegen Verantwortliche bei Daimler, Volkswagen und Audi. Deutsche Konzerne stehen auch nach wie vor im Visier der US-Ermittler. Zuletzt wurde bekannt, dass die USA internationale Haftbefehle gegen mehrere ehemalige VW-Manager beantragt hat.

Bereits im Frühjahr hatten US-Behörden den VW-Manager Oliver Schmid nach einem Urlaub in Miami festgenommen. Er ist einer von sechs Managern des Volkswagen-Konzerns, die von den USA weltweit zur Fahndung ausgeschrieben sind. Schmid droht in den USA eine mehrjährige Haftstrafe. Sein Audi-Kollege Giovanni P. dürfte schon Anfang nächster Woche die Untersuchungshaft verlassen können, wenn er mit den Ermittlungsbehörden kooperiert.

Zudem müssen sich Audi und andere Autokonzerne nach SPIEGEL-Informationen möglicherweise auch auf Untersuchungen wegen der Bildung eines Industriekartells einstellen. Brüsseler Wettbewerbshütern liegen Informationen vor, wonach sich die Autokonzerne über die Größe der AdBlue-Tanks verständigt haben könnten. Die Kartellwächter planen offenbar, mögliche Zeugen zu befragen. Die Unternehmen wollten sich auf Nachfrage nicht zu dem Verdacht äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 13 Beiträge
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deutscheasozialelobbykrat 07.07.2017
1. Gut das endlich was passiert
Hoffen wir mal das die abschreckend wirkt auf die unzählig vielen anderen hochbezahlten Betrüger dieser Welt. Die Staaten sollten endlich hart durchgreifen - Wer Gesetze erlässt muss sie auch durchsetzen. Wollen wir mal sehen wann es die ersten ihr Tun deckenden Politiker erfasst. Die Welt muss gerechter werden. Und wir in der ersten Welt haben noch viel gut zu machen.
rromijn 07.07.2017
2. wie schlecht, wenn immer noch nicht verstanden wird
wie schlecht, wenn immer noch nicht verstanden wird, dass dies unter anderem ein Teil eines Wirtschaftskrieges ist. Da lachen die Amis über so Kommentare wie (1.), denn Amis haben natürlich nichts gemacht. Deshalb muss da auch keiner 2.stellige Mrd bezahlen oder in den Knast. Wacht mal auf, es geht auch um den Wirtschaftsstandort, also auch um Euch. Bei allem rechtmäßigem Echauffieren, bestrafen ja, leben lassen aber auch. Wir haben nix davon, wenn VW, BMW und Mercedes sterben, die anderen schon
genugistgenug 07.07.2017
3. Darf die Staatsanwaltschaft das überhaupt? War doch NUR Schummelei.
Was ist da jetzt schiefgelaufen? Seit wann handeln politische Beamte gegen die Politiker, ihre Finanziers und diese sogenannten systemrelevante Unternehmen? Wird nun auch gegen die Nebelkerzenwerfer/Abwiegler 'nur Schummelei, usw.' in der Politik und gegen Kraftfahrbundesamt vorgegangen? Würde sicher viele Pensionen einsparen. Satire: Schade, wir gingen bisher immer davon aus, dass der ehem. Freund der Hausmeistertochter diese ganzen Softwareänderungen aus verschmähter Liebe gemacht hat :-)
paula_f 07.07.2017
4. Wahlstrategie - Pech für den Konstrukteur
Entwickler in den Autokonzernen machen nicht was sie wollen - sie müssen sich immer der Konzernleitung beugen. Dazu gibt es viele Beispiele: Mercedes - Ingenieure hatten größte Vorbehalte gegen das Kältemittel R1234yf welche bei Bränden den Kampftstoff Flusssäure freisetzt. Jetzt wird es verwendet und DuPont verdient. Beispielsweise ist das in einer Tiefgarage nicht so einfach zu handhaben - und wenn den Feuerwehrleuten das erst einmal bewusst wird kann es sein das keiner mehr löscht. Eine komplette Klimaanlagenfüllung beispielsweise nach einer Reparatur kostet übrigens für einen Range Rover 1080€. Die Motorsteuerung um die es hier geht, kommt von Bosch und auch die Software - die Audi Entwickler haben da nur beschränkte Möglichkeiten diese abzuändern, ein Entwickler kann so etwas gar nicht alleine durchführen - beim nächsten Update wäre alles überschrieben. Verantwortlich sind die Strategen dazu dürfte der Verhaftete aber nicht zählen - armes Bauernopfer. Warum passiert eigentlich den ganzen Betrügern welche mit CUM CUM und CUM Ex simplen Umsatzsteuerbetrug begangen haben und vom Staat mehr als 35 Milliarden gestohlen haben nichts?
moistvonlipwik 07.07.2017
5.
Zitat von rromijnwie schlecht, wenn immer noch nicht verstanden wird, dass dies unter anderem ein Teil eines Wirtschaftskrieges ist. Da lachen die Amis über so Kommentare wie (1.), denn Amis haben natürlich nichts gemacht. Deshalb muss da auch keiner 2.stellige Mrd bezahlen oder in den Knast. Wacht mal auf, es geht auch um den Wirtschaftsstandort, also auch um Euch. Bei allem rechtmäßigem Echauffieren, bestrafen ja, leben lassen aber auch. Wir haben nix davon, wenn VW, BMW und Mercedes sterben, die anderen schon
Dieser Unsinn wird auch durch Wiederholung nicht richtig. Soweit es die U.S.A. betrifft, haben die Unternehmen gegen dortige Gesetze verstoßen. Wer das macht, handelt auf eigene Gefahr - dass derlei teuer werden kann, hat schließlich jeder gewusst. Im übrigen: selbst wenn (konjunctivus irrealis) es diesen Wirtschaftskrieg geben würde: soll das heißen, dass einfach alles erlaubt ist?
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