Zwangsarbeit-Studie Audi ändert Darstellung seiner NS-Verstrickung

Audi schreibt seine Firmengeschichte um. Laut einer aktuellen Studie war das Vorgängerunternehmen des Autokonzerns tiefer ins System der NS-Zwangsarbeit verstrickt als bislang angenommen: Die SS richtete eigens für die Firma Konzentrationslager ein.

AUDI

Ingolstadt - Der Autohersteller reagiert auf eine Studie zur Rolle seines Vorgängerunternehmens Auto Union im System der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Audi habe etliche Darstellungen im Unternehmen entsprechend angepasst, teilte der Konzern mit. So seien Texte im Unternehmensmuseum und im Internet verändert worden, sagte ein Sprecher der VW-Tochter.

Die vom Autobauer in Auftrag gegebene Untersuchung hatte vor allem zu Tage gefördert, dass das Management des Unternehmens damals tiefer als bisher angenommen in das NS-System verstrickt war, allen voran der damalige Auto-Union-Chef Richard Bruhn.

Audi-Betriebsratschef Peter Mosch will sich nun dafür einsetzen, dass eine in den Fünfzigerjahren nach Bruhn benannte Pensionskasse des Autobauers umbenannt wird. Die Studie mit dem Titel "Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg" ist seit Montag im Buchhandel erhältlich.

Das Audi-Vorgängerunternehmen beutete der Studie zufolge zur Zeit des Nationalsozialismus Tausende Zwangsarbeiter aus. In sieben Konzentrationsaußenlagern, die von der SS für Auto Union eingerichtet worden seien, mussten demnach mehr als 3700 KZ-Häftlinge arbeiten. Weitere 16.500 Zwangsarbeiter, die nicht in Konzentrationslagern interniert waren, hätten ebenfalls für Auto Union an den sächsischen Standorten Zwickau und Chemnitz gearbeitet. Rund ein Viertel der Häftlinge seien Juden gewesen. Nach dem Zusammenschluss mit dem NSU-Motorenwerk wurde die Auto Union im Jahr 1969 in Audi umbenannt.

Die Audi-Mutter VW hatte die eigene NS-Geschichte bereits in den Neunzigerjahren untersuchen lassen. Der Konzern beteiligte sich zudem für alle seine Marken auch an der im Jahr 2000 gegründeten Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), die bis Ende 2006 mehr als 4,4 Milliarden Euro an mehr als 1,6 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter der NS-Diktatur ausgezahlt hat.

Zuletzt geriet Volkswagen ebenso wie Aldi und zuvor bereits Ikea wegen Zwangsarbeits-Verstrickungen in der DDR in die Kritik: Westdeutsche Unternehmen profitierten offenbar in großem Stil von der Zwangsarbeit politischer Häftlinge in den dortigen Gefängnissen.

bos/dpa

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