Krise bei VW-Premiummarke Audi tauscht halben Vorstand aus

Abgasskandal und Absatzflaute machen Audi zu schaffen. Nun hat der Autobauer vier von sieben Vorstandsposten neu besetzt. Konzernchef Stadler darf im Amt bleiben - noch.

Audi-Limousinen vor Konzernzentrale in Ingolstadt
REUTERS

Audi-Limousinen vor Konzernzentrale in Ingolstadt


Bei Audi sind vier von sieben Posten im Vorstand neu besetzt worden. Der Aufsichtsrat der VW-Tochter hat dies auf einer außerordentlichen Sitzung entschieden, teilte das Unternehmen mit. Damit verantworten künftig andere Manager die Bereiche Produktion, Vertrieb, Finanzen und Personal bei dem Ingolstädter Autobauer. Den scheidenden Vorständen wurden Fehlplanungen, nicht eingehaltene Zusagen und der weltweite Rückgang der Verkäufe vorgeworfen.

Die Pläne für den radikalen Vorstandsumbau bei der VW-Premiummarke waren Ende Juli bekannt geworden. Damals hatte das manager magazin über eine Aufsichtsratssitzung berichtet, in der VW-Chef und Audi-Kontrolleur Matthias Müller vier Managern ihre Abberufung ankündigte. Alle vier Nachfolger sind interne Lösungen, kommen also aus dem VW-Konzern:

  • Der bisherige Produktionschef Hubert Waltl wird ersetzt durch Peter Kössler, der bislang eine ungarische Tochter leitet und bislang im Aufsichtsrat saß. Waltl waren Entscheidungen in Gutsherrenmanier vorgeworfen worden sowie teure Fehlplanungen und mangelndes Kostenmanagement. Zudem hatte er mit dem Beschluss, die beiden ersten Elektroautos von Audi in Brüssel und nicht in den deutschen Werken Ingolstadt und Neckarsulm bauen zu lassen, den Betriebsrat massiv verärgert.
  • Neuer Vertriebsvorstand ist Bram Schot, der bislang den Vertrieb der VW-Nutzfahrzeugsparte steuerte. Abgelöst wird Dietmar Voggenreiter, dem ein Streit mit den chinesischen Autohändlern und der massive Einbruch der Verkäufe in China im ersten Halbjahr 2017 angelastet werden.
  • Personalchef ist künftig Wendelin Göbel, ein Vertrauter von VW-Chef Matthias Müller. Göbel löst Thomas Sigi ab.
  • Der bisherige Finanzvorstand Axel Strotbek wird ersetzt durch VW-Manager Alexander Seitz.

Die Aufsichtsratssitzung war eigens einberufen worden, damit Audi bereits auf der Frankfurter Automesse IAA im September mit der neuen Führungsmannschaft vertreten sein kann.

Audi steckt seit einiger Zeit in der Krise, auch wenn die VW-Premiummarke immer noch den größten Anteil am Gewinn des gesamten Konzerns hat. Im Vergleich zu BMW Chart zeigen und Mercedes-Benz ist die Rendite dennoch inzwischen niedrig, die Entwicklungskosten dafür relativ hoch. Auch das Design der Modelle wird seit einigen Jahren als zunehmend langweilig kritisiert. Nun gingen im ersten Halbjahr auch die Verkäufe auf dem wichtigen chinesischen Markt stark zurück - allerdings steigen sie seit Juni wieder deutlich an.

Zudem macht der Abgasskandal Audi Chart zeigen stark zu schaffen. Die Kosten für die Affäre, die bei Audi seinen Anfang nahm, belastet das Unternehmen, außerdem sind weitere Investitionen für Digitalisierung und Elektroautos notwendig.

Dennoch darf Audi-Chef Rupert Stadler vorerst weitermachen. Der 54-Jährige steht zwar wegen seines Umgangs mit der Abgasaffäre sowie der mauen Geschäftsentwicklung massiv unter Druck; hinter den Kulissen wird bereits ein Nachfolger für ihn gesucht. Doch zumindest an diesem Montag hat Stadler noch die Rückendeckung der Familien Porsche und Piëch, die bei VW das Sagen haben.

fdi/dpa

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
evonw 28.08.2017
1. Chance vertan..
... und wieder keine Frauen im Vorstand. Angesichts der grossen Krise im Konzern, dem Vertrauensverlust bei den Kunden sowie wirtschaftlich grösseren Erfolgen, wenn mindestens 2 Frauen in der Führungsspitze sitzen, ist diese Besetzung eine grosse Enttäuschung und -schlimmer noch- ein Signal dass man mit Frauen in Führungspositionen wirklich nichts zu tun haben will. Stattdessen riecht es wieder nach Seilschaften.... Sehr schade, für mich ist der Konzern damit gestorben :-(
sandboxn12 28.08.2017
2.
Zitat von evonw... und wieder keine Frauen im Vorstand. Angesichts der grossen Krise im Konzern, dem Vertrauensverlust bei den Kunden sowie wirtschaftlich grösseren Erfolgen, wenn mindestens 2 Frauen in der Führungsspitze sitzen, ist diese Besetzung eine grosse Enttäuschung und -schlimmer noch- ein Signal dass man mit Frauen in Führungspositionen wirklich nichts zu tun haben will. Stattdessen riecht es wieder nach Seilschaften.... Sehr schade, für mich ist der Konzern damit gestorben :-(
Nicht das Geschlecht zählt, sondern die berufliche Qualifikation ! Und wenn Seilschaften mitgeholfen haben....was solls....es steht den Frauen ebenfalls frei irgendwelche Seilschaften zu gründen. Es ist ein fataler Irtum zu glauben, nur wenn Frauen in Führungspositionen kommen, dass es dann besser läuft. Eine Börsennotierte Firma kann sich eine Frauenquote vor Qualität nicht leisten !
Referendumm 28.08.2017
3. Unglaublich
Da wird der halbe Vorstand ausgetauscht und den Chef, VV Rupert Stadler, der mit dem Diesel-Abgasskandal (nach allem was man weiß) am meisten mit zu tun hat, wird nicht ausgetauscht. Chance vehement verpasst. Da werden Topmanager gefeuert, die schlechte Verkaufszahlen zu verantworten haben und einer der wesentlichen Mitverursacher des ganzen Schlamassels sitzt weiterhin im Vorstand. Und kommen tun nun die Seilschaften des obersten VW-Chefs Matthias Mueller. Einem Matthias Mueller, der von 2007 bis 2010 übrigens das Produktmanagement vom VW-Konzern zu verantworten hatte, aber selbstverständlich vom Diesel-Abgasskandal, der zu dieser Zeit in Hochform gepusht wurde, ebenfalls nichts wusste. Also komplette Inkompetenz an allen Ecken und Enden. Tschüss Audi.
carahyba 28.08.2017
4. Bmw
BMWs grösster Markt ist China. Wenn der einbricht, und das ist absehbar, gibt es in München eine Staatskrise. Die so genannten Premiummarken sind überteuert und in Kürze nicht mehr konkurrenzfähig, leben von einem hohlen Image. Das ist am verblassen. Man sieht es am 5er und am 7ner, alles Talmi. Die kleineren BMWs retten zur Zeit noch die Marke. AUDI und VW sind kaputt, müssen ihre Diesel mit 30% Rabatt in den Markt drücken. Und auch so fallen die Verkaufszahlen.
spontanistin 28.08.2017
5. Bauernopfer!
Natürlich besitzt der Vorstandsvorsitzende das größte Vertrauen der Eigner. Und so kann er zunächst beliebig viele Bauernopfer präsentieren. Umso mehr, je zahlreicher die Hierarchiestufen. Wer kennt nicht die Drohungen solcher Psychopathen gegenüber internen Kritikern: " Bevor ich gehe, rollen hier die Köpfe!"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.