Abgasreinigung Deutsches Autokartell sprach sich auch bei Benzinmotoren ab

Die Absprachen des Autokartells sind weitreichender als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen sollen sich Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW auch bei Benzinern im geheimen Kreis abgestimmt haben.

Porsche-Werk in Leipzig (Archivbild)
picture alliance / dpa

Porsche-Werk in Leipzig (Archivbild)


Manager der großen deutschen Autohersteller haben nicht nur bei Dieselfahrzeugen versucht, eine wirksame Abgasreinigung zu verhindern, und sich darüber abgesprochen. Nach neuen SPIEGEL-Informationen, die aus weiteren Untersuchungen der EU-Wettbewerbskommission zum sogenannten 5er-Kreis (Daimler, Volkswagen, BMW, Audi und Porsche) hervorgehen, gab es offenbar auch gemeinsame und erfolgreiche Verabredungen, den Einsatz von Partikelfiltern in Benzinmotoren zu vermeiden und schärfere Abgasgrenzwerte zu bekämpfen. Partikelfilter sollen den Ausstoß von Feinstaub begrenzen, der als äußerst gesundheitsgefährdend eingestuft wird. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

SPIEGEL TV: Abgastricks beim Porsche Cayenne Diesel?

SPIEGEL TV
Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 30/2018
Forscher erkunden, wie Körper und Geist Druck ertragen - und in Stärke verwandeln

Den Informationen zufolge fand die EU-Kommission Hinweise auf entsprechende Absprachen sowohl in den von den Autokonzernen selbst zur Verfügung gestellten Dokumenten als auch in Unterlagen, die bei diversen Hausdurchsuchungen gefunden wurden. Absprachen des Fünferkartells bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren hatte der SPIEGEL vor einem Jahr enthüllt (Hier geht es zur Titelstory: Das Auto-Syndikat).

"Der Einsatz eines Partikelfilters soll unbedingt vermieden werden"

Die Antriebsleiter der Unternehmen sollen nach Protokollen ihrer Arbeitskreise bereits im Jahr 2009 entschieden haben: "Der Einsatz eines Partikelfilters soll beim Ottomotor unbedingt vermieden werden." Und weiter: "Die Antriebsleiter unterstützen eine gemeinsame Vorgehensweise." Bei der Sitzung der hierarchisch übergeordneten Entwicklungsleiter im Juni 2009 bekräftigen auch die ein solches Vorgehen: "Das Ziel einer Vermeidung einer kostenintensiven Maßnahme wie Partikelfilter wird seitens der E-Leiter bestätigt." Außerdem beschlossen sie, ein "politisches Lobbying in Brüssel" zu beauftragen, um schärfere Grenzwerte für den Ausstoß von Partikeln bei Ottomotoren möglichst lange zu verzögern.

Tatsächlich wurden höhere Grenzwerte für den Partikelausstoß bei Ottomotoren von der EU-Kommission im Vergleich zu Dieselfahrzeugen erst mit Verzögerung eingeführt. Mit ihren Absprachen haben die Hersteller möglicherweise gegen Wettbewerbsrecht verstoßen. Das prüft die Kommission nach SPIEGEL-Informationen. Zudem könnte der Einsatz von wirksamen Filtersystemen dadurch um Jahre verzögert worden sein.

Die Hersteller wollten sich wegen der laufenden Untersuchungen der EU-Wettbewerbskommission nicht zu Einzelheiten äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 256 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bermany 20.07.2018
1. Und nu?
Jetzt wird man als Reaktion wohl auch den Benziner verbieten. Bald fahren wir alle wieder mit Pferdedroschken.
homo pragmaticus 20.07.2018
2.
Ja, und deswegen sind diese Hersteller die letzten weltweit gewesen, die Partikelfilter eingebaut haben. Im Rest der Welt und bei anderen Herstellern sind sie seit vielen Jahren Standard. - Ironie off -
DonG 20.07.2018
3. Interessiert doch keinen mehr...
...da es ja doch keine Konsequenzen für die Konzerne hat. War beim Diesel so und wird auch hier so sein. Unsere Regierung wird weiterhin den Bückling vor der Industrie machen.
omguruji 20.07.2018
4. Wie Audi-Chef Stadler, alle in den Knast, und
Entschädigungen für die Bürger, die den Dreck einatmen müssen, wie auch für die Kunden, die betrogen wurden.
PH-sauer 20.07.2018
5. Mir fehlen die Worte, “Rechtsstaat“
Diese “Manager“ offenbaren das Verhalten ähnlich der Kokainbosse Kolumbiens! WENN dieser Artikel so stimmt, sperrt sie ein, sie zerstören in maßloser Gier unsere wirtschaftlich Basis! Was sind das für Praktiken? Dishonorig, kriminell, pervers und beschämend, wenn das stimmt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.