Trotz Dieselaffäre Rupert Stadler bleibt bis Ende 2022 Audi-Chef

Audi-Chef Rupert Stadler bekommt einen neuen Fünfjahresvertrag - obwohl ihm mehrere Aufsichtsräte anlasten, in der Dieselaffäre unglücklich vorgegangen zu sein.

Rupert Stadler
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Rupert Stadler


Audi-Chef Rupert Stadler kann einen Tag, bevor er auf der Hauptversammlung des Autoherstellers vor die Aktionäre tritt, aufatmen. Trotz der Querelen um den Dieselskandal, der unter seiner Führung auch die VW-Tochter aus Ingolstadt schwer erschüttert hat, gibt der Aufsichtsrat ihm eine Vertragsverlängerung. Auf seiner Sitzung an diesem Mittwochnachmittag wolle das Aufsichtsgremium Stadlers Vertrag um weitere fünf Jahre verlängern, wurde dem SPIEGEL aus Unternehmenskreisen bestätigt. Audi wollte dies nicht kommentieren.

Stadler hatte beteuert, von den aufgedeckten Manipulationen an Dieselmotoren des Autoherstellers nichts gewusst zu haben. Noch laufen interne Untersuchungen hierzu. Der entlassene Chef der Motorenentwicklung, Ulrich Weiß, hatte den Firmenchef schwer belastet, indem er vor Gericht Dokumente vorlegte, die Stadlers frühe Mitwisserschaft belegen sollten. Dafür allerdings sieht der Aufsichtsrat nach Informationen des SPIEGEL keine Anhaltspunkte.

Aus dem Schneider ist Stadler damit allerdings noch lange nicht. Selbst wenn die internen Ermittlungen keine Handhabe gegen ihn erbringen, lasten mehrere Aufsichtsräte ihm an, in der Affäre unglücklich vorgegangen zu sein. Audi hatte lange Zeit einen Betrug zurückgewiesen und musste nach und nach Manipulationen zugeben. Gegen die VW-Tochter ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München, die erst kürzlich mit einer Großrazzia bei Audi für Aufsehen sorgte.

Auch das jahrelang sehr gute Geschäft der Ingolstädter zeigt Schleifspuren. Der Absatz ist seit Jahresbeginn unter das Vorjahresergebnis gerutscht. Vor allem in China belasten Audi Verkaufsprobleme.

Der 54-jährige Stadler ist auch Mitglied des Volkswagen-Konzernvorstandes, sein jetziger VW-Vertrag läuft noch bis Ende 2019. Auf der VW-Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch in Hannover war Stadler wie die anderen VW-Vorstände mit über 90 Prozent Zustimmung entlastet worden. VW hält 99 Prozent der Aktien an Audi.

Während es für Stadler gerade gut läuft, ist der Druck auf Volkswagen-Chef Matthias Müller gewachsen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete Ermittlungen gegen ihn ein - wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Es geht dabei um Müllers Position als Vorstandsmitglied der Porsche Holding - er und andere Beschuldigte sollen die Porsche-Anleger "bewusst" verspätet über die finanziellen Folgen des Dieselskandals informiert haben. Die Holding hält die Aktienmehrheit an VW.

kig/ssu/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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realplayer 17.05.2017
1. Design obsolet
Dann werden die Absatzzahlen bis 2022 weiter sinken.
styxx66 17.05.2017
2. xxx
Wenn ich den Diesel-Gate-Dilettantenstadl als Bürger so verfolge, muss ich doch sagen, ab einer gewissen Größenordnung lohnt sich Verbrechen in Deutschland ganz gewaltig. Denn eins ist auch klar, wenn der Herr Stadler von den Dieselbetrugsvorgängen nichts gewusst hat, ist er für diesen Job total ungeeignet, hat er es gewusst, ist das ein krimineller Akt. Egal was weiter in dieser Geschichte passiert, Audi hat sich damit selbst beschädigt und ist an einer Aufklärung wohl nicht so richtig interessiert. Könnte ja einige abgesoffene und entsorgte Leichen im See des Betruges wieder nach oben spülen.
oil-peak-fan 17.05.2017
3. Teure Fehlentscheidung.
Stadtler ist Mitglied in verschiedenen wichtigen Klubs. So im World Economic Forum und der Atlantik-Brücke. So einen lässt man nicht so schnell fallen. Gut möglich, dass ihn die Ermittlungen noch zu Fall bringen werden. Als Unternehmenlenker halte ich ihn für verbrannt und schließe mich der Auffassung von #2, styxx66, an.
thomas.d. 17.05.2017
4.
Noch in diesem Jahr wird er entlassen werden, dann aber mit einem 5 Jahresvertrag und entsprechender Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe. Das übliche Spiel in diesen Kreisen.
upalatus 17.05.2017
5.
Zitat von thomas.d.Noch in diesem Jahr wird er entlassen werden, dann aber mit einem 5 Jahresvertrag und entsprechender Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe. Das übliche Spiel in diesen Kreisen.
Vielleicht weniger ein Entlassen, vielmehr ein freiwilliges Platzmachen und Verschieben auf einen Repräsentativposten im Konzern. Chefposten von italdesign wär doch toll. Ein noch bestehender Vertrag als audi-boss eröffnet natürlich die Option auf Abfindung, gleichzeitig behält man sein Gesicht und kommt nicht so leicht in Ausposaunversuchung.
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