Inhaftierter Audi-Chef VW-Aufsichtsrat vertagt Entscheidung über Stadlers Entlassung

Seit mehr als drei Monaten sitzt Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Der VW-Aufsichtsrat war an diesem Freitag zusammengekommen, um über die Zukunft des 55-Jährigen zu diskutieren - ohne Ergebnis.

Rupert Stadler
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Rupert Stadler


Rupert Stadler bleibt vorerst Audi-Chef. Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat die Entscheidung über die Zukunft des 55-Jährigen vertagt. Am kommenden Dienstag sollen die Gespräche fortgesetzt werden, wie aus gut informierten Kreisen bekannt wurde.

Demnach waren die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), mit der Lösung einer Vertragsaufhebung samt Abfindung für den Chef der VW-Tochter nicht einverstanden. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

Stadlers Vertrag als Mitglied des VW-Konzernvorstands läuft Ende 2019 aus. Er war im Juni in Ingolstadt festgenommen worden und sitzt seither in Augsburg in Untersuchungshaft. Die Aufsichtsräte von VW und Audi hatten ihn anschließend von seinen Aufgaben als VW-Vorstand und Audi-Chef entbunden, "bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat". Seither leitet Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot das Unternehmen als kommissarischer Vorstandschef.

Der Audi-Chef soll nach Aufdeckung der Abgasbetrügereien 2015 in den USA in Europa weiter Autos mit illegaler Software verkauft haben. Bei einem abgehörten Telefonat soll er erwogen haben, einen Zeugen zu beeinflussen. Stadler hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten.

bam/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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peter-11 28.09.2018
1. klar
Hier musste Herr Weil so reagieren, sonst wäre er in dieser Zeit aber so richtig unter Beschuss geraten. Vor Monaten hätte er das noch stillschweigend abgenickt. VW bleibt für die Landesregierung und ihm aber ein sehr heisses Eisen. Wir werden sehen ...
Bundestrainer 28.09.2018
2. Man darf gespannt sein
Man darf gespannt sein, wie die Aufsichtsräte entscheiden, da sie sich hier in einem klassischen Dilemma befinden. Wirft man die Verantwortlichen für diese ganzen Betrügereien raus, dann besteht die Gefahr, dass sie singen - mit verheerenden Folgen für die laufenden Prozesse und das öffentliche Ansehen des Unternehmens. Tut man es nicht, dann verletzen auch die Aufsichtsräte ihre Pflichten, sofern ihnen Vorgänge bekannt sind, die eine Entlassung geboten sein lassen. Und der goldene Handschlag als Königsweg aus dem Dilemma scheidet aus politischen Gründen aus - das werden weder H. Weil noch H. Althusmann ihren Wählern vermitteln können.
Referendumm 28.09.2018
3. Über dieses Schmierentheater
könnte man sich lange Zeit totlachen, wenns nicht einen ernsten Hintergrund hätte (damit meine ich Umwelt und Gesundheit der Bürger, nicht die Millionenabfindungen für diese unsäglichen Managertypen). Wie der Teufel das Weihwasser, so füchten die VW-Bosse und die VW-Eigner (inkl. Land Niedersachsen) weitere Aktionärsklagen. Darum gehts, aber bestimmt nicht um Stadler. Der Typ hat eh fertig und sollte schleunigst abgeschoben werden. Tja, aber was tun mit den Aktionären und den Klagen derselben? Währenddessen macht Scheuer eine Pirouette nach der anderen - peinlich, peinlich und hochpeinlich. Diese Bundesregierung hat genauso fertig.
reznikoff2 28.09.2018
4. Hm
Was hier mit Stadler passiert ist für mich irre. Erinnert irgendwie an Middelhoff oder Kachelmann. Da ist der Rechtsstaat auch komplett abgedreht.
dirkcoe 28.09.2018
5. Betrug lohnt sich doch
in Deutschland. Als Manager wird man gehätschelt und kassiert dicke Boni - die Aktionäre freuen sich über üppige Dividenden und der Bürger? Erstens interessiert er nicht und zweitens hällt sich die Industrie ja ihre Merkel - soll die sich doch mit den Betrogenen herumärgern. Also alles gut in Deutschland.
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