Nach Stadler-Festnahme Vertriebsvorstand Abraham Schot soll Audi-Chefposten vorläufig übernehmen

Nach der Festnahme des Audi-Chefs Rupert Stadler ist ein Nachfolger gefunden worden. Vertriebsvorstand Abraham Schot wird ihn nach SPIEGEL-Informationen ersetzen.

Audi-Vertriebsvorstand Abraham Schot
AUDI

Audi-Vertriebsvorstand Abraham Schot


Nach der Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler wird nach SPIEGEL-Informationen der bislang unbelastete Vertriebschef Abraham Schot vorerst an die Spitze des Autobauers aufrücken.

Eine formale Entscheidung ist noch nicht gefällt, der Audi-Aufsichtsrat muss der Personalie noch formal zustimmen. Eine Berufung des Niederländers gilt aber als wahrscheinlich.

Der 56-jährige Schot war 2011 von Daimler in den VW-Konzern gewechselt und dort rund fünf Jahre Vertriebschef bei den VW-Nutzfahrzeugen. Seit dem vergangenen Jahr ist der in Rotterdam geborene Manager im Audi-Vorstand und trägt die Verantwortung für das Ressort Vertrieb und Marketing. Schot ist verheiratet und hat zwei Kinder.

VW-Aufsichtsrat hat über Konsequenzen beraten

Was genau mit Stadler passiert, bleibt offen. Für ihn gelte weiterhin die Unschuldsvermutung, heißt es im Unternehmen. Mit Stadler war zum ersten Mal in der Dieselaffäre ein Unternehmenslenker verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm Betrug vor und erwirkte einen Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr.

In Wolfsburg trat am Mittag der VW-Aufsichtsrat zusammen, um über die neue Lage und die Konsequenzen zu beraten.

Stadler sei am Montagvormittag an seinem Wohnort festgenommen und dann der Ermittlungsrichterin vorgeführt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in München. Stadler habe noch keine Angaben zur Sache gemacht. Er wolle sich aber äußern, nachdem er mit seinem Verteidiger gesprochen habe, sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger nehme jetzt Akteneinsicht und wolle am Dienstag mit Stadler darüber sprechen, so dass die Vernehmungen frühestens ab Mittwoch beginnen sollten. Wo der Manager einsitzt, sagte der Staatsanwalt nicht.

Gegen Stadler waren in der Vergangenheit schon mehrfach Rücktrittsforderungen laut geworden, auch Namen möglicher Nachfolger waren schon im Gespräch.

cop/dpa



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Andreas P. 18.06.2018
1. Der Konzern muss endlich handeln....
Ja, es gilt die Unschuldsvermutung für Herrn Stadler. Aber das ist jetzt endlich (!) auch mal eine klare Massnahme, denn ohne klare Verdachts-/Beweislage würde man ihn ja nicht in U-Haft nehmen. Ein CEO der offiziell als Beschuldigter gilt, war schon nicht haltbar, aber jetzt zu warten bis er vielleicht aus der U-Haft entlassen wird macht ja auch keinen Sinn. Ein CEO muss die Verantwortung für das Desaster übernehmen. Insbesondere wenn 3 Jahre nach Aufdeckung des Skandals nichts passiert ist, kein Kulturwandel stattgefunden haben und die Kunden in neunen, hochpreisigen Fahrzeugen betrogen werden. Mann, wenn nicht da, wann dann? Ein Interims CEO ist sicherlich notwendig.
marty_gi 18.06.2018
2. so langsam....
A-uuuuuuuups-di: Sind Gesetze in Deutschland eventuell doch noch etwas wert und gelten auch fuer die Herren in Anzug und Krawatte? Wird ja auch Zeit, so langsam. Dass die Regierung nicht mehr nur noch nach den Lobby-Wuenschen springt, sondern ein Auge fuer die Realitaet hat. Technische Entwicklung in Richtung mehr Umweltschutz seit ueber 25 Jahren nahezu verpennt, weil man ja die Regierung beeinflussen konnte. Ploetzlich, beim neuen Abgastest ging es wegen der aufgeflogenen Betruegereien nicht mehr, dafuer kriegen sie ihre Wagen jetzt nicht mehr zugelassen, weil sie den Anforderungen nicht entsprechen - den Anforderungen, die sie ja mit der alten Lobby-Methode gerne noch runtergekickt haetten. Und endlich werden die Kapitaene auch mal zur Verantwortung gezogen, fuer die sie ja ueber Jahre immer so fuerstlich ueber-belohnt wurden (aber dann hinterher von nix gewusst haben wollen - wobei es darum doch garnicht mal geht! Ihr bekamt die Kohle und hattet die Verantwortung. Sogar die Verantwortung, diese Dinge zu wissen. Wenn ihr also nichts wisst, habt ihr nur einen sehr schlechten Job gemacht - und wart ueberbezahlt!)
alt-nassauer 18.06.2018
3. Endlich mal klare Kante!
Ich weiß nicht ob es bei SPON oder einem anderen Forum war. Aber vor Wochen hab ich schon geschrieben. Das eine klare Kante bei der Sache gezogen werden muss. Das es eben auch nicht ohne U-Haft der Verantwortlichen geht. Im Prinzip ist der "eine" noch einer zu wenig. Schade und das erst am Montagmorgen, so Freitag um 16.00 Uhr hätte das Wochenende so richtig... Anders verstehen das die Eliten nicht mehr! Letztendlich sind doch nun alle gewarnt und können um so mehr "verdunkeln". Wer weiß ob sich da nicht schon Aktenvernichter heiß gelaufen haben. Es hätte schon viel früher und im größeren Ausmass die Tat verfolgt werden müssen. Die Justiz und Ermittler sind wohl wahrscheinlich auch wegen des Politischen Drucks zu lasch. Gebe es nicht die "Whistleblower" die das richtige Material weiter geben würden, die Herren wären fein aus der Geschichte. Der nächste im Vorstand - Nachfolger hat obwohl auch im Vorstand, von nichts gewusst. Mir kommt es so vor als wäre die Deutsche Autobranche ein Unternehmen voller Narren die Entscheidungen unabhängig des Vorstands treffen. Das können mir die Herren mal vor Gericht erklären. Tut mir Leid ich bin wohl von meinen Mitarbeitern veräppelt worden. Ich wusste von nichts....
tulius-rex 18.06.2018
4. und BMW
BMW verbaut dieselben Komponenten der Firma BOSCH wie alle anderen auch. Deswegen haben die Münchner dasselbe Problem. Zeitversetzt. Unglaublich, was sich diese Manager erlauben.
SteveCrj 18.06.2018
5.
Zitat von tulius-rexBMW verbaut dieselben Komponenten der Firma BOSCH wie alle anderen auch. Deswegen haben die Münchner dasselbe Problem. Zeitversetzt. Unglaublich, was sich diese Manager erlauben.
BMW steuert seine Motoren aber anders und ist damit technisch, wie vor einigen Monaten von Audi-Ingenieuren auch anonym gegenüber der Presse bestätigt, wesentlich weiter als Audi. Auch weil BMW gerade im Motorenbereich nicht an jedem Cent gespart hat.
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