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Aufruhr bei Apple: Steve Jobs nimmt Auszeit wegen Krankheit

Neue Zwangspause für den Apple-Chef: In einer E-Mail an die Mitarbeiter verkündet Steve Jobs, er werde sich vorerst aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Chef will er dennoch bleiben. Die Konzernaktie fällt rasant.

Steve Jobs: Der Apple-Boss Fotos
Getty Images

Hamburg - Steve Jobs muss wegen einer Krankheit kürzertreten. In Absprache mit dem Verwaltungsrat nehme er eine Auszeit, um sich auf seine Gesundheit konzentrieren zu können, teilte der Apple-Chef am Montag in einer E-Mail an die Mitarbeiter mit. Er werde aber Konzernchef bleiben und an wichtigen strategischen Entscheidungen beteiligt sein, erklärte Jobs. Der Apple-Chef nannte keine konkreten Gründe oder einen erwarteten Zeitraum für seine Abwesenheit.

Jobs gilt als treibende Kraft hinter den Erfolgen des iPhone- und iPad-Herstellers. Deshalb wird seine Gesundheit besonders aufmerksam beobachtet. Jobs ist für seine ausgefeilten Präsentationen bekannt - und für die eigene Überzeugung, dass seine Produkte die besten der Welt sind. Diese Überzeugung trägt er so stark nach außen, dass ihm nachgesagt wird, er könne ein sogenanntes Reality Distortion Field erzeugen, mit dem sich im Grunde alles verkaufen lässt.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter laufen minütlich Hunderte Mitteilungen zu Jobs' Rückzug ein. Branchenkenner fragen sich: Was würde aus dem Unternehmen, das mit Macintosh, iMac, iPod und iPhone gigantische Erfolge feierte, wenn plötzlich der Anführer fehlte? Wäre das Apples Untergang und das Startsignal für die Konkurrenz, dem elitären Unternehmen aus Cupertino endlich wieder Marktanteile abzunehmen, was in den letzten Jahren so gut wie unmöglich schien?

An der Frankfurter Börse jedenfalls wurde die Nachricht nicht gut aufgenommen. Die Apple-Aktie verlor am Nachmittag zeitweilig fast acht Prozent. Das Unternehmen büßte damit zeitweise mehr als 20 Milliarden Dollar an Wert ein. Inzwischen erholte sich der Kurs wieder leicht. Die US-Börsen blieben an diesem Montag wegen des Feiertags zu Ehren des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King geschlossen. Am Dienstag wird Apple seine jüngsten Quartalszahlen bekanntgeben.

Dritte Auszeit binnen weniger Jahre

Der Manager war in den vergangenen Jahren bereits zweimal ernsthaft krank. 2004 hatte er eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse besiegt. Im Jahr 2009 musste er sich einer Lebertransplantation unterziehen.

Das Tagesgeschäft werde fortan von Tim Cook übernommen. Er führte die Geschäfte schon 2004 und 2009 für Jobs und gilt unter Branchenbeobachtern als Kronprinz. Cook ist Manager für das internationale operative Geschäft und damit nach Jobs die Nummer zwei im Unternehmen.

In puncto Arbeit gilt Cook, der passionierte Fahrradfahrer und Energieriegel-Esser, als ebenso exzessiv wie Jobs. Weltweite Telefonkonferenzen hält der Single, wenn es sein muss, auch schon mal Sonntagnacht ab. Bei Apple hat sich Cook, der obendrein beim Sportartikel-Hersteller Nike im Aufsichtsrat sitzt, schon viele Meriten verdient. Er optimierte den Vertrieb, lagerte die Produktion größtenteils aus und verschaffte dem IT-Konzern damit viel finanziellen Spielraum.

Allerdings: Während Jobs als kreativ und charismatisch gilt, ist Cook analytisch und detailorientiert. Kritiker sagen, Cook sei mehr Buchhalter als Prediger, mehr Arbeitstier als Visionär. Manche unken, Cook verfüge nicht über die Weitsicht, nicht über die Bühnenpräsenz eines Steve Jobs.

Jobs bekundete den Willen, nach seiner Auszeit weiterzumachen. "Ich liebe Apple so sehr und hoffe so schnell wie ich kann zurückzukommen", schrieb er in seiner E-Mail an die Mitarbeiter.

ssu/dpa

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insgesamt 274 Beiträge
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1. ...
Crom 17.01.2011
Jetzt platzt die Apple-Blase.
2. wen...
bito2006 17.01.2011
...interessiert es, wenn irgendein Unternehmer im fernen Kalifornien sich für ein paar Tage krank meldet? Kollegen von mir machen das mindestens einmal jährlich. Worin, bitteschön, liegt denn die Relevanz dieser Meldung?
3. So sind sie halt
flower power 17.01.2011
die Gaukler an der Börse. No Mercy..... Apple besteht aus mehr als einen Jobs.....und warum nun ao aufgeregt??? Jeder ist ersetzbar, auch wenn es schmerzt. Politiker gehen und kommen, da wird mehr vertraut als in der Wirtschaft. Einfach widerlich diese Börsenheinis. Doch halt jeder ist ersetzbar, auch die Börse.
4. Haha
big_zampano 17.01.2011
Zitat von bito2006...interessiert es, wenn irgendein Unternehmer im fernen Kalifornien sich für ein paar Tage krank meldet? Kollegen von mir machen das mindestens einmal jährlich. Worin, bitteschön, liegt denn die Relevanz dieser Meldung?
Lol... genau, und wen interessiert es, wenn im fernen Amerika ein paar Banken Pleite gehen... war ja auch völlig irrelevant...
5. Relevant
Marcath 17.01.2011
Zitat von bito2006...interessiert es, wenn irgendein Unternehmer im fernen Kalifornien sich für ein paar Tage krank meldet? Kollegen von mir machen das mindestens einmal jährlich. Worin, bitteschön, liegt denn die Relevanz dieser Meldung?
Umsatz 65,225 Mrd. US-Dollar (2010) Erscheint mir irgendwie relevant. Vor allem wenn man sich anschaut wie es Apple nach dem letzten Weggang von Jobs ging ;)
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