Führungswechsel: Siemens-Chef Löscher muss gehen

Kein Chef mehr: Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher gab eine Gewinnwarnung zu viel heraus Zur Großansicht
REUTERS

Kein Chef mehr: Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher gab eine Gewinnwarnung zu viel heraus

Nach dem Wirbel um die neuerliche Gewinnwarnung bei Siemens muss Konzernchef Peter Löscher seinen Posten räumen. Dies wird der Aufsichtsrat am Mittwoch beschließen, teilte das Unternehmen mit. Favorit für die Nachfolge ist Finanzchef Joe Kaeser.

München - Siemens-Chef Peter Löscher muss abtreten. Dies geht aus einer Mitteilung des Konzerns vom Abend hervor. Der Siemens-Aufsichtsrat werde am kommenden Mittwoch über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen, teilte das Unternehmen am späten Samstagabend in München mit.

Die Kontrolleure wollten bei der Sitzung auch "über die Ernennung eines Vorstandsmitglieds zum Vorstandsvorsitzenden beschließen", hieß es in der Mitteilung. Ein Name wurde jedoch nicht genannt. Eine Mehrheit des Aufsichtsrat sei für Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise.

Löscher war nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten in den vergangenen Tagen massiv in Bedrängnis geraten. Noch am Freitag hatte er wissen lassen, dass er seinen Posten nicht kampflos aufgeben wolle. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", hatte der Manager der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je." Der frühere Merck-Manager Löscher hatte 2007 das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernommen - und ist jetzt beim Aufsichtrat nicht mehr gefragt.

Unter anderem ging es darum, wer die Verantwortung für die Kappung der Gewinnprognose trägt. Siemens hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass die für 2014 angepeilte operative Marge von mindestens zwölf Prozent voraussichtlich nicht erreicht werde. Das Margenziel, also der Anteil vom Gewinn am Umsatz, war ein Herzstück des milliardenschweren Sparprogramms bei Siemens.

Die Hiobsbotschaft hatte die Siemens-Aktien auf steile Talfahrt geschickt. Nach Spekulationen um eine möglicherweise bevorstehende Ablösung Löschers ging es dann am Freitag für die Papiere wieder kräftig aufwärts.

Der Industriekonzern kämpft mit der Konjunkturflaute und teuren, hausgemachten Projekt-Pannen. Schon für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, hatte Löscher die Gewinnprognose Anfang Mai kappen müssen.

Der Vorstandsvorsitzende hatte es nicht geschafft, den Münchner Riesen aus den Schlagzeilen zu bringen. Die Pannen und Peinlichkeiten rund um das Offshore-Geschäft der vier Umspannwerke in der Nordsee oder die immer weiter verzögerte Auslieferung von 16 neuen ICE-Zügen an die Deutsche Bahn spielen dabei eher eine Nebenrolle. Es wurden unter Löscher zwar viele Umsatz-, Rendite- sowie Einsparziele verkündet - und verfehlt. Aber ein klares Ziel, das die weltweit 370.000 Beschäftigten des Industriemultis hätte mitreißen können, blieb er schuldig.

Und Löscher scheiterte auch an seinem Steuermann, der jetzt wohl Kapitän wird. Finanzchef Joe Kaeser ließ immer wieder durchblicken, dass er sich für den besseren Siemens-Chef hielte. Mit feinen Spitzen stichelte der langgediente Manager gegen den Neuling. "Schauen Sie, als Finanzvorstand muss man sich halt mit den Realitäten befassen", sagte er schon mal in kleiner Runde. Sein Verhältnis zu Löscher brachte er mit "Licht und Schatten" auf den Punkt.

nck/dpa/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. na ja ...
Hilfskraft 27.07.2013
... nun gut! Immer die selbe Leier. Eigentlich ist das NSA-Thema wichtiger für uns.
2.
matt1981bav 27.07.2013
Gute Entscheidung. Wenn weder die Aktionäre noch die Mitarbeiter hinter dem Chef stehen ist es am besten ihn rauszuschmeissen.
3.
mneisen 27.07.2013
Wenn das Unternehmen heute schon mitteilt, was der Aufsichtsrat am Mittwoch erst noch beschließen muss - worin genau besteht denn dann noch die Handlungsfreiheit des Aufsichtsrats? Zudem ist es recht ungewöhnlich, Beschlüssen des Aufsichtsrates derart dummdreist vorwegzugreifen. Ob die Ablösung nun richtig ist oder nicht - *dieses* Verhalten des Unternehmens ist das Allerletzte, sowohl gegenüber Löscher als auch gegenüber dem Aufsichtsrat.
4. Wieder eine Niete
kurpfaelzer54 27.07.2013
...im Nadelstreifen die nur offene Baustellen und Schutt hinterlässt und dafür noch eine Millionenabfindung kassiert.
5.
glyphstar 27.07.2013
schade, Löscher hat sich in einer kritischen Phase des Unternehmens mit den desolaten Zuständen beschäftigt und viel verändert. Dass er nun auf diesem Wege abgeschossen werden soll wird seinen Leistungen nicht gerecht. Auch wenn er sich mit seinem Stil nicht viele Freunde gemacht hat....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Siemens
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 71 Kommentare
  • Zur Startseite