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Aufwertung gegenüber Dollar: Chinas Währung auf Rekordkurs

Die USA stecken in einer tiefen Krise, Chinas Wirtschaft dagegen wächst kräftig. Nun legt sogar der chronisch unterbewertete Yuan zu. Die Währung hat gegenüber dem Dollar so stark an Wert gewonnen wie seit drei Monaten nicht mehr.

Dollar und Yuan: Chinas Währung wird teurer Zur Großansicht
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Dollar und Yuan: Chinas Währung wird teurer

Peking - Man kann nicht gerade von einem Höhenflug sprechen, aber der Yuan verteuert sich derzeit Schritt für Schritt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat die chinesische Währung gegenüber dem Dollar in elf der vergangenen zwölf Monate zugelegt - seit August 2010 um insgesamt fünf Prozent. In den vergangenen zwei Wochen war das Plus sogar so stark wie seit drei Monaten nicht mehr.

Die größte und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt könnten unterschiedlicher nicht sein. Die US-Schuldenkrise ist auch mit der Anhebung der Schuldengrenze Anfang der Woche nicht beendet. Die USA haben ein massives Ausgaben- und Schuldenproblem. Der nun anvisierte Sparkurs droht zudem die ohnehin schwächelnde Konjunktur komplett abzuwürgen.

Chinas Wirtschaft strotzt dagegen weiter vor Kraft: Seit mehr als einem Jahrzehnt wächst das Bruttoinlandsprodukt des Landes um rund zehn Prozent pro Jahr. "USA und China nehmen derzeit einen komplett unterschiedlichen Wachstumsverlauf", sagte der Barclays-Analyst Ju Wang gegenüber Bloomberg.

Die chinesische Währung ist drastisch unterbewertet. Interventionen der Zentralbank sorgen dafür, dass der Yuan-Kurs nicht schneller steigt als von der Regierung gewünscht. Davon profitiert die chinesische Exportindustrie, die Produkte im Ausland billiger anbieten kann. Vor allem die USA üben daher Druck auf Peking aus, den Wechselkurs freizugeben und eine rasche Aufwertung zuzulassen. Der Ärger über den unterbewerteten Yuan löste im vergangenen Jahr einen handfesten Handelsstreit aus.

"Die Investoren finden Wege"

Doch bei einer drastischen Aufwertung würden weite Teile der chinesischen Exportindustrie ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, Millionen Chinesen wären arbeitslos. Darum gibt die Regierung in Peking ihre Kontrolle über die Währung nur Schritt für Schritt ab. Langfristig soll der Yuan zu einer frei konvertierbaren Weltwährung werden. Ein erster Schritt sieht vor, dass mehr Unternehmen ihre Import- und Exportgeschäfte in Yuan abwickeln können.

So lange die Wirtschaft in China stärker wachse als im Rest der Welt, würden "Investoren ihren Weg finden, ihr Geld in China anzulegen", sagte Wei Yao, Ökonom der Société Générale in Hongkong, Bloomberg. Ein stärkerer Yuan hat neben den Gefahren für die Exportindustrie auch durchaus etwa Positives für China - Importe werden billiger und die hohe Inflation könnte so effektiver als derzeit gebremst werden.

Auch im Handel mit dem Euro hat der Yuan in den vergangenen vier Monaten leicht an Wert gewonnen. Gegenüber dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen verzeichnete die chinesische Währung dagegen Verluste.

cte

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1. .
schultern 03.08.2011
man sollte rechtzeitig seine Altersvorsorge in Yuan aufbauen.... aber wie geht das... in Dollar und Schweizer Franken kann ich jederzeit umtauschen, aber wenn ich auf der Bank Yuan kaufen will, dann gucken die nur doof....
2. ...
Barksdale 03.08.2011
Solange der Yuan weder an Devisenmärkten gehandelt noch sonst außerhalb der Grenzen verwertbar ist, wird er den vom Staat festgelegten Niedrigkurs beibehalten. Da kann auch SPON nichts gegen tun.
3. .
muellerthomas 03.08.2011
Der Yuan profitiert nicht, sondern die chinesische Zentralbank wertet ganz langsam auf. Mit einem Markt-Wechselkurs hat das nichts zu tun.
4. China-Hype
Kulturoptimist 03.08.2011
Zitat von schulternman sollte rechtzeitig seine Altersvorsorge in Yuan aufbauen.... aber wie geht das... in Dollar und Schweizer Franken kann ich jederzeit umtauschen, aber wenn ich auf der Bank Yuan kaufen will, dann gucken die nur doof....
Es ist auch Unsinn, das zu tun. Chinesische Banken sind dramatisch unterkapitalisiert und es wird nicht mehr lange dauern - die aktuelle Krise beschleunigt das - bis künstlich eingegriffen wird. Das wiederum wird das Nettowirtschaftswachstum abwürgen und kann auch einen Spiraleffekt auslösen, der die China-Blase wahrscheinlich platzen lässt. Die Altersvorsorge ist am besten in Global Blue Chips angelegt! Wenn in 50 Jahren das Brot 10.000 Euro kostet, wird der Daimler-Konzern sicherlich nicht auf dem Preis von heute stehen geblieben sein!
5. .
Layer_8 03.08.2011
Zitat von schulternman sollte rechtzeitig seine Altersvorsorge in Yuan aufbauen.... aber wie geht das... in Dollar und Schweizer Franken kann ich jederzeit umtauschen, aber wenn ich auf der Bank Yuan kaufen will, dann gucken die nur doof....
Ich glaube der Yuan ist nicht frei handelbar. Die chinesische Regierung will das (noch) nicht. Yuans gibts nur in China und dürfen nicht ausgeführt werden. So wars wenigstens noch vor ein paar Jahren.
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US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise

Fragen zur US-Schuldenkrise
Was ist die Schuldengrenze?
In den USA gibt es ein gesetzliches Limit, bis zu dem sich der Staat verschulden darf. Bis zum Ersten Weltkrieg musste der Kongress noch jede einzelne Staatsanleihe genehmigen. Das war aufgrund der hohen Kriegskosten dann aber nicht mehr praktikabel. Daher wurde 1917 die Schuldengrenze eingeführt. Sie wird in der Regel mehrmals pro Jahr erhöht. Allein seit 1980 bereits 51 Mal
Warum könnte der US-Regierung das Geld ausgehen?
Bereits Mitte Mai 2011 hatten die Schulden der USA die Grenze von knapp 14,3 Billionen Dollar erreicht. Finanzminister Timothy Geithner hat sich seitdem mit Sondermaßnahmen durchgehangelt und verhindert, dass die USA zahlungsunfähig werden. Sollte der Kongress bis zum 2. August die Schuldengrenze nicht anheben, wird die Regierung wohl nicht mehr alle Rechnungen bezahlen können.
Um wie viel Geld geht es?
Damit die USA zumindest bis zu den Präsidentschaftswahlen 2012 Ruhe haben, müsste die Schuldengrenze um etwa 2,5 Billionen Dollar erhöht werden.
Welche Ausgaben müsste die Regierung streichen?
Insgesamt müssten die USA laut Commerzbank im August Ausgaben in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar streichen. Dies entspreche rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Um auf diese Summe zu kommen, müssten die USA beispielsweise den Sold für Soldaten und die Gehaltszahlungen für Bundesangestellte einstellen. Die Ausgaben müssten sofort wegfallen.
Worum geht der Streit?
Demokraten und Republikaner haben komplett unterschiedliche Vorstellungen, wie der Haushalt saniert werden kann. Die demokratische Partei von Präsident Barack Obama will neben Ausgabenkürzungen auch höhere Steuern für reiche Bürger durchsetzen. Die Republikaner lehnen das kategorisch ab. Stattdessen wollen sie radikale Einsparungen im Sozialsystem. Kritiker werfen den Republikanern aber vor, damit vor den im Januar 2013 anstehenden Wahlen das Thema weiter für ihre Zwecke zu nutzen. Besonders der radikale Flügel der Republikaner, die sogenannte Tea Party, erschwert es der Parteiführung, einer Kompromisslösung zuzustimmen.
Werden die USA weiter ihre Schulden begleichen?
Ein Zahlungsausfall dürfte laut Experten nur wenige Tage anhalten. Die USA würden aber wohl versuchen, ihre Schulden weiter zu bedienen. Die Zahlungsfähigkeit der USA insgesamt steht zunächst nicht in Frage. Auch nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen gibt es nur wenige Alternativen zur Anlage in Dollar. Sollte es jedoch auch hier zu Ausfällen kommen, hätte dies schwerwiegende Folgen. Dies könnte von der Rating-Agentur als teilweiser Kreditausfall (Selective Default) gewertet werden.
Kann es zu einem Finanzmarktschock kommen?
Die Finanzmärkte gehen derzeit immer noch davon aus, dass es zu einer Einigung kommt. Die Unruhe nahm jedoch zuletzt zu und Anleger schichteten aus dem Dollar in den Schweizer Franken und in Gold um. Zudem stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen an. Sollten die USA tatsächlich ihre Schulden nicht mehr bedienen, dann wäre die außergewöhnliche Stellung von US-Staatsanleihen als sicherste und liquideste Anlageform gefährdet. Die Reaktionen könnten laut Experten heftiger ausfallen als nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.
Wie verhalten sich die Rating-Agenturen?
Bei einer Nichtanhebung der Schuldengrenze dürften alle Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's fordert aber nicht nur eine zeitgerechte Anhebung der Schuldengrenze. Notwendig seien auch nachvollziehbare Schritte zum Abbau der Schulden. Ansonsten könnten die USA auch bei einer Anhebung der Schuldengrenze ihre Topnote "AAA" verlieren. dpa-AFX

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