Frankfurt am Main - Die deutschen Schuldenmanager haben zu hoch gepokert: Sie boten Anleihen mit 32-jähriger Laufzeit zu historisch niedrigen Zinsen an und wollten damit drei Milliarden Euro einsammeln. Doch den Investoren war diese Offerte offenbar zu unattraktiv. Sie wollten nur Papiere im Wert von knapp 2,75 Milliarden Euro abnehmen. Am Ende sammelte die Finanzagentur des Bundes 2,41 Milliarden Euro ein. Denn wie üblich behielt sie rund ein Fünftel das angestrebten Betrages zur Marktpflege ein.
An den Sekundärmärkten, wo umlaufende Anleihen gehandelt werden, gerieten deutsche Staatspapiere unter Druck. Experten sehen jedoch keinen Grund zur Panik: Angesichts des niedrigen Zinsniveaus für deutsche Papiere hielten sich viele Investoren mit langfristigen Engagements zurück, erklärten Analysten der Commerzbank. Das ungewöhnlich große Volumen der Auktion sei wohl der Grund für das schwache Ergebnis. "Bei einem so niedrigen Zinsniveau zieren sich die Anleger zuzugreifen", sagte ein weiterer Analyst. "Sie erzielen keine reale Rendite mit diesen Anleihen und halten sie nur, um ihr Kapital zu sichern."
"Es gibt eine gewisse Sättigung im Markt für langlaufende Bonds", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. "Und die Renditen sind so niedrig, dass nicht mehr Nachfrage im Markt erzeugt werden kann." Die Finanzagentur sehe aber keine Schwierigkeiten, die bei der aktuellen Auktion einbehaltenen Papiere im Wert von knapp 600 Millionen Euro später am Markt zu platzieren.
Bei der Auktion der 32-jährigen Anleihe lag der Zins trotz der schwachen Nachfrage auf einem Rekordtief. Die Bundesrepublik muss den Investoren für Papiere mit dieser Laufzeit nur einen Zins von 2,41 Prozent zahlen. Bei der vorangegangenen Auktion im Januar lag sie noch bei 2,62 Prozent.
Bereits im Herbst 2011 hatte Deutschland bei einer Anleihe-Auktion gepatzt: Beim Verkauf zehnjähriger Anleihen blieb die Finanzagentur auf rund einem Drittel der Papiere sitzen. Bei einer Auktion im April lief es aber wieder sehr gut für den Bund. Er zahlte für langfristige Darlehen so niedrige Zinsen wie noch nie zuvor.
Wegen der Sorgen um Krisenländer wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien scheuen Anleger Investitionen in deren Staatsanleihen. Davon profitiert das als sicherer Hafen geltende Deutschland.
mmq/Reuters/dpa
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