Ausschluss von Förderlizenzen US-Politiker basteln an Lex BP

Nach der erfolgreichen Schließung des Öllecks im Golf von Mexiko muss BP erneut einen Rückschlag hinnehmen: Der US-Kongress will dem Konzern künftig keine Förderlizenzen mehr geben.

BP-Bohrinsel Deepwater Horizon vor ihrem Untergang: Künftig nur noch Minderheitspartner?
dpa

BP-Bohrinsel Deepwater Horizon vor ihrem Untergang: Künftig nur noch Minderheitspartner?


New York/London - Die zumindest vorläufige Schließung des Bohrlochs im Golf von Mexiko hat die Wut auf BP nicht gedämpft: Der US-Kongress arbeitet an Gesetzen, die den Ölkonzern künftig von neuen Förderlizenzen in den USA ausschließen würden. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses habe sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, BP neue Lizenzen vorzuenthalten, heißt es in einem BBC-Bericht und im "Handelsblatt".

Eine neue Regel solle demnach festlegen, dass alle Ölfirmen unter einen siebenjährigen Bann fallen, die in der Vergangenheit gewisse Sicherheitsstandards verletzt haben. Zutreffen würden die aufgestellten Kriterien aber ausschließlich auf den britischen Ölkonzern, auch wenn er nicht explizit genannt wird - eine eigene Lex BP.

Zu den Kriterien gehört laut BBC, dass ein Konzern in den zurückliegenden sieben Jahren mehr als zehn Tote zu beklagen hat. Bei dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko starben elf BP-Mitarbeiter.

Bestehende Lizenzen des Unternehmens wären von der neuen Regel allerdings nicht betroffen, auch könnte sich BP als Minderheitspartner an zukünftigen Lizenzbohrungen beteiligen, schreibt das "Handelsblatt". Der Ausschuss habe seinen Vorschlag an die Abgeordneten weitergeleitet.

Verkauf von Unternehmensteilen kommt voran

Besser läuft es für den Konzern beim Verkauf einiger Unternehmensteile. BP und seine Berater seien dabei, die letzten Formalitäten zu regeln, schreibt die "Financial Times". Voraussichtlich noch vor Veröffentlichung der Quartalszahlen am 27. Juli dürften die ersten Verkäufe bekanntgegeben werden.

BP braucht Geld für die Beseitigung der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Der Konzern hofft, durch die Trennung von Beteiligungen 20 Milliarden US-Dollar erlösen zu können. Einer der Deals, der der Zeitung zufolge kurz vor dem Abschluss steht, ist der Verkauf von Teilen des Amerika-Geschäfts für zwölf Milliarden Dollar an den Öl- und Gasförderer Apache. Beim TV-Sender CNBC war von zehn Milliarden Dollar die Rede.

Darüber hinaus dürfte BP versuchen, seine Anteile am Ölförderer Pan American Energy of Argentina sowie Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern in Kolumbien, Venezuela und Vietnam zu Geld zu machen. Auch der Verkauf des BP-Anteils am Ölfeld Mars im Golf von Mexiko an den Konkurrenten Royal Dutch Shell sei diskutiert worden.

BP-Aktie steigt in New York und London

Um frisches Kapital aufzutreiben hatte BP-Chef Tony Hayward zudem mit internationalen Investoren unter anderem aus dem Nahen Osten gesprochen. Abu Dhabis Kronprinz Sheikh Mohammed bin Zayed Al-Nahyan hatte in dieser Woche sein Interesse öffentlich bekundet. Allerdings seien Abu Dhabi und andere interessierte Staatsfonds vorsichtig und wollten deshalb nicht im großen Stil bei BP einsteigen, schreibt die "FT" unter Berufung auf Insider. BP hatte angekündigt, dass der Einstieg eines Investors nicht über die Ausgabe neuer Aktien erfolgen soll.

Positiv auf die Verhandlungen dürfte sich aus BP-Sicht die Erholung des Aktienkurses auswirken. Am Donnerstag gewannen die Papiere des Konzerns an der Wall Street beinahe acht Prozent an Wert. Auch im Londoner Handel legten die Papiere am Freitagvormittag in der Spitze um mehr als fünf Prozent zu. Anfang der Woche hatte BP eine neue Abdichtung über dem Ölleck im Golf von Mexiko angebracht. Am Donnerstag zeigte ein Belastungstest, dass momentan kein Öl mehr ins Meer fließt.

yes/dpa-AFX



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