US-Rückzug aus Iran-Abkommen Ölpreis steigt - Saudi-Arabien will Markt stützen

Der Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen hat direkt auf den Ölpreis durchgeschlagen. Der stieg auf den höchsten Stand seit 2014. Saudi-Arabien deutet eine Ausweitung seiner Förderung an.

Ölpumpe in Texas, USA
REUTERS

Ölpumpe in Texas, USA


Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit Iran hat die Ölpreise kräftig in die Höhe getrieben.

  • Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen zur Lieferung im Juli kostete am Mittwochmorgen 76,70 Dollar. Das waren 1,85 Dollar mehr als am Vortag.
  • Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kletterte um 1,60 Dollar auf 70,66 Dollar.

Die Ölpreise sind damit wieder auf dem höchsten Niveau seit 2014, das sie bereits zu Wochenbeginn erreicht hatten.

Iran ist der drittgrößte Exporteur der Gemeinschaft erdölexportierender Länder (Opec) nach Saudi-Arabien und dem Irak. Die tägliche Fördermenge von rund 3,8 Millionen Barrel entspricht knapp vier Prozent der weltweiten Ölförderung. Die wichtigsten Abnehmerländer für iranisches Öl sind China, Indien, Japan und Südkorea.

US-Präsident Donald Trump hat trotz des massiven Widerstands europäischer Partner das Ende des Atomdeals mit Iran verkündet und kündigte an, sein Land werde massive Wirtschaftssanktionen gegen Iran verhängen.

Nach Meinung von Rohstoffexperten hatte sich der Markt zwar schon auf einen solchen Schritt der USA eingestellt. Dennoch bestünden vor dem Hintergrund der neuen Lage viele Unwägbarkeiten. So ist fraglich, wie sich Irans Ölexport entwickelt. Zudem wird eine weitere Verunsicherung im Nahen Osten befürchtet - einer Region, in der ein Drittel des Weltbedarfs an Öl produziert wird.

Experten warnen vor deutlichen Preissteigerungen

Schon jetzt gilt das Angebot als knapp. Das liegt zum einen an einer seit Anfang 2017 geltenden Fördergrenze der Opec. Zum anderen ist die Förderung in dem ölreichen Krisenstaat Venezuela eingebrochen. Hinzu kommt eine solide wachsende Weltwirtschaft, die für eine steigende Nachfrage nach Erdöl sorgt.

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Händler erwarten, dass die von Trump verkündeten Wirtschaftssanktionen gegen Iran weitreichende Auswirkungen auf die Ölexporte des Landes haben werden. Analysten der ANZ-Bank erklärten, dass mit Trumps Entscheidung "ein Szenario eintritt, bei dem der Markt für Rohöl sich im zweiten Halbjahr 2018 erheblich anspannt". Es gebe die Befürchtung, dass die iranischen Ölexporte um etwa eine Million Barrel pro Tag gegenüber dem jetzigen Niveau fallen könnten, sagte der japanische Analyst Tomomichi Akuta von Mitsubishi UFJ Research. "Produktion und Nachfrage sind gegenwärtig etwa in der Balance, aber es könnte sich zu einer ernsten Unterversorgung entwickeln", warnte er. Dies könne zu Preissteigerungen um mindestens zehn Dollar pro Barrel und damit zu Preisen für die Sorte Brent von nahe 90 Dollar führen.

USA auf dem Weg zum weltgrößten Ölproduzenten

Derzeit verschieben sich die Machtverhältnisse auf dem Ölmarkt deutlich. Laut der Internationalen Energieagentur IEA sind die USA gerade dabei, zum weltgrößten Ölproduzenten aufzusteigen.

Saudi-Arabien kündigte nach Trumps Iran-Entscheidung an, die Märkte zu stützen. Dazu deutete das Land eine Erhöhung seiner Ölfördermengen an. "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Ölmärkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet", sagte ein Vertreter des saudischen Energieministeriums laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur SPA. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, werde man mit den großen Produzenten und Verbrauchern innerhalb und außerhalb der Opec sprechen, kündigte er an.

Der hohe Ölpreis belastet auch die deutschen Verbraucher. Am Montag mussten Kunden für Heizöl im bundesweiten Durchschnitt rund 68 Euro für 100 Liter bezahlen. In den vergangenen drei Monaten ist Heizöl in Deutschland damit um rund 10 Euro je 100 Liter teurer geworden.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
pnegi 09.05.2018
1. Wishful thinking...
Saudi Arabien ist nicht mehr in der Position, den Ölpreis nach unten zu manipulieren. Vielmehr sind sie dabei, den Petro-Dollar zu verlassen und ihr Öl an der Shanghai Petro-Yuan Öl Börse zu verkaufen. Schauen Sie sich mal die Umsätze an, die dort seit ihrem Start am 26.03.2018 erzielt werden. Diese Umsätze werden jetzt massiv steigen. Der Iran verkauft momentan einen Teil seines Öls gegen Euro nach Europa und einen Teil an seinen grössten Abnehmer China in Yuan. Sobald das erste Europäische Land umfällt und Trumps Schwachsinn folgt, wird dieses Öl ausschliesslich über Shanghai gegen Yuan gehandelt werden.
rkinfo 09.05.2018
2. Mit Biosprit würde das nicht passieren ...
Es reichen offensichtlich wenige Prozent Unterdeckung am globalen Ölmarkt und schon explodieren die Preise. Genau deshalb hat sich Brasilien schon vor Jahrzehnten einen Mix aus Erdöl und Bioethanol zugelegt. Im übrigen wird gerade die ärmsten Länder der Ölpreisanstieg massiv treffen und elementare Angebote in Frage stellen, während Biosprit nur marginal Agrapreise vor Ort verändert. Wir sollten zumindest nun eine Aktion "Öl für die Welt" und ein Tempolimit 80/100 einführen - auch wegen zuviel CO2 ;-)
Rafaelblond 09.05.2018
3. Saudi Arabien
Dass sich SA zur Stützung des Marktes verpflichtet fühlt geschieht ja wohl aus eigenem Interesse. Die sind froh wenn sie ihr Öl wieder so teuer verkaufen können um sich ihre 30 Ferraris pro Prinz, ihre Großmanssucht sowie ihre kriegerischen Eskapaden leisten zu können.
dirk1962 09.05.2018
4. Das interessiert Trump nicht
weil die USA ja kaum betroffen sind. Die sind weitgehend Selbstversorger und werden es begrüßen, wenn ihre Handelspartner mehr für ihr Öl bezahlen müssen. Von daher passt doch alles ins Bild.
muellerthomas 09.05.2018
5.
Zitat von pnegiSaudi Arabien ist nicht mehr in der Position, den Ölpreis nach unten zu manipulieren. Vielmehr sind sie dabei, den Petro-Dollar zu verlassen und ihr Öl an der Shanghai Petro-Yuan Öl Börse zu verkaufen. Schauen Sie sich mal die Umsätze an, die dort seit ihrem Start am 26.03.2018 erzielt werden. Diese Umsätze werden jetzt massiv steigen. Der Iran verkauft momentan einen Teil seines Öls gegen Euro nach Europa und einen Teil an seinen grössten Abnehmer China in Yuan. Sobald das erste Europäische Land umfällt und Trumps Schwachsinn folgt, wird dieses Öl ausschliesslich über Shanghai gegen Yuan gehandelt werden.
Seit wieviel Jahrzehnten können wir sowas lesen? Der CNY ist nicht frei konvertierbar und damit als internationale Handelswährung ungeeignet. Zudem stellt sich die Frage, welchen Vorteil das für China brächte, die ihre Währung ja gerade bewusst unterbewertet halten wollen.
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