Nationale Sicherheit Australien stoppt chinesische Übernahme von Stromnetz

Sydneys Stromnetz sollte von chinesischen Konzernen geleast werden. Doch wegen "nationaler Sicherheitsinteressen" hat die Regierung den Deal gestoppt. Es ist nicht das erste Veto dieser Art.

Stromleitungen in einem Vorort von Sydney
REUTERS

Stromleitungen in einem Vorort von Sydney


Australien hat eine geplante Mehrheitsübernahme des Stromnetzes von Sydney durch chinesische Unternehmen vorerst gestoppt. Der Staatskonzern State Grid Corporation of China und die in Hong Kong angesiedelte Cheung Kong Infrastructure Group wollten für die kommenden 99 Jahre einen Leasingvertrag über 50,4 Prozent des Netzes abschließen. Das sei nicht im nationalen Interesse, sagte Finanzminister Scott Morrison am Donnerstag.

Es gehe um "nationale Sicherheitsinteressen des Commonwealth", so Morrison wörtlich. Diese seien gerade bei solchen Projekten "überragend". Die Bedenken genauer zu benennen sei "ebenfalls nicht im nationalen Interesse". Die chinesischen Unternehmen hätten nun eine Woche Zeit, um auf die Entscheidung zu reagieren.

Die Übernahme hätte dem staatlichen Netzbetreiber des Bundesstaates New South Wales mehr als zehn Milliarden australischer Dollar eingebracht. Das Geld sollte in Eisenbahn- und Straßenprojekte investiert werden.

Nach Ansicht mancher Sicherheitsexperten hätte die Übernahme das Elektrizitätsnetz anfällig für Cyberattacken gemacht. Im Dezember war es im Westen der Ukraine zu einem Stromausfall gekommen, für den der Geheimdienst des Landes russische Hacker verantwortlich machte.

Ausländische Investitionen in Australien müssen vom Finanzminister genehmigt werden, sofern eine spezielle Kommission sie als relevant für nationale Interessen bewertet. Im November 2015 legte Morisson sein Veto gegen den Verkauf einer riesigen Rinderfarm ein, die sich in der Nähe eines militärischen Sperrgebiets befindet. Auch damals gab es chinesische Kaufinteressenten, die sich weiterhin um eine Übernahme bemühen.

In Deutschland hatte zuletzt die Übernahme des Industrieroboterherstellers Kuka durch den chinesischen Elektrogerätekonzern Midea für Diskussionen gesorgt. Wirtschaftsvertreter warnten, Kuka verfüge über sensibles technologisches Know How, das durch die Übernahme nach China gelangen könne.

dab/AP



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
crazy_swayze 11.08.2016
1.
Stromnetze haben nix in privater Hand verloren. Ob nun Chinese oder nicht - das ist eine Grundversorgungsaufgabe und somit eine staatliche Aufgabe. Zumal es ein natürliches Monopol darstellt.
alsterherr 11.08.2016
2.
Von Einwanderungspolitik bis zu solchen Deals scheinen die Australier vieles sehr sehr richtig zu machen. Bei uns werden ganze Flughäfen an Chinesen verscherbelt, was dann wg Kurzsichtigkeit von Provinzpolitikern zum Glück doch nicht funktioniert ...
supergrobi123 11.08.2016
3. Richtig so!
Hier in Hamburg haben wir ja per Volksentscheid für den Rückkauf der Strom- und Fernwärmenetze gestimmt, die bisher Vattenfall gehörten. Angeblich soll ja die Stadt Hamburg gar nicht in der Lage sein, die Netze gewinnbringend zu betreiben, so die Kritiker. Warum eine staatliche Ex-Behörde aus Schweden es aber kann, konnte mir bisher keiner erklären.
Lebonk 11.08.2016
4.
Australien verhält sich absolut richtig. Spätestens nach der Erfahrung mit den Hochgeschwindigkeitszügen, bei denen nun China vorne liegt, hätte es eine Industriepolitik geben müssen, die den Ausverkauf unserer Technologie verhindert. Kuka wird mit seinem gesamten Erkenntnissen und Entwicklungen nach China verschwinden; spätestens 2023, wenn die vereinbarte Stillhaltepflicht vorbei ist. Doch was macht Deutschland ohne seine Kernkompetenzen im Maschinen- und Anlagebau ? Wir haben doch sonst wenig, was dazu beiträgt, unseren Lebensstandard zu halten. Die Zukunft sieht düster aus.
pirat2020 11.08.2016
5.
Wichtige Infrastruturen dürfen nie an ausländische Unternehmen verkauft werden. Nationale Sicherheit geht der Gewinnmaximierung vor!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.