Auto-Synergien: Daimler und Renault versprechen Milliarden-Plus

Es ist eine spektakuläre Auto-Ehe - und die neuen Partner Daimler und Renault-Nissan erhoffen sich viel davon. Beide Autobauer stellen milliardenschwere Synergieeffekte in Aussicht. Klappt die Kooperation, will Renault-Chef Ghosn seine Anteile am deutschen Autobauer aufstocken.

Berlin - Das Bündnis ist besiegelt - die neuen Partner erwarten dank der Zusammenarbeit beim Motoren- und Autobau große Einsparungen. "Die Synergien mit Daimler haben einen gegenwärtigen Nettowert von mindestens zwei Milliarden Euro für die Renault-Nissan-Allianz", sagte deren Chef Carlos Ghosn am Mittwoch in Brüssel. Sein Unternehmen erwartet demnach höhere Einnahmen und niedrigere Kosten in den nächsten fünf Jahren. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, dass der Wert für Daimler voraussichtlich "in der gleichen Größenordnung liegen wird".

Die drei Autobauer hatten ihre Allianz am Mittwoch offiziell besiegelt. Die Zusammenarbeit wird von einer Überkreuzbeteiligung der Unternehmen begleitet. Danach übernimmt Daimler je 3,1 Prozent an Renault und Nissan. Im Gegenzug sollen Renault und Nissan künftig zusammen 3,1 Prozent an dem deutschen Konzern halten. Renault hält rund 44 Prozent an Nissan. Die Konzerne wollen in mehreren Geschäftsbereichen zusammenarbeiten:

Eckpunkte der Daimler-Renault-Allianz
Kleinwagen
Im Zentrum der neuen Partnerschaft steht die Zusammenarbeit bei Kleinwagen. Auf einer gemeinsamen Basis sollen die nächste Generation von Daimlers Stadtflitzer Smart samt viersitziger Variante und des Renault Twingo entwickelt und gebaut werden. Basis bilde das Heckantriebskonzept des aktuellen Smart-Modells, hieß es.
Erste Modelle in drei Jahren
Die Modelle sollen schon ab 2013 auf den Markt kommen. Dabei bleibe Hambach die Produktionsstätte für den zweisitzigen Smart. Der Viersitzer werde dagegen aus dem slowenischen Renault-Werk in Novo Mesto kommen. Alle Fahrzeuge sollen auch mit einem Elektroantrieb angeboten werden.
Arbeitsteilung bei Motoren
Zweiter Baustein der Zusammenarbeit ist die Arbeitsteilung bei den Motoren. Die Renault-Nissan-Allianz soll Diesel- und Benzinmotoren mit drei und vier Zylindern beisteuern. Diese sollen außer in den Neuauflagen des Smart und Twingo auch in den Nachfolgemodellen der Mercedes-Benz A- und B-Klasse zum Einsatz kommen.
Kooperation bei Infiniti
Umgekehrt beliefert Daimler die Luxusmarke von Nissan, Infiniti, mit Benzin- und Dieselmotoren mit vier und sechs Zylindern. Durch die höheren Stückzahlen versprechen sich die Partner Skaleneffekte und damit eine höhere Profitabilität. Zudem können durch die gemeinsame Entwicklung Kosten geteilt werden.
Nutzfahrzeuge
Außer bei Personenwagen wollen die neuen Partner auch bei Nutzfahrzeugen kooperieren. Mercedes-Benz will sein Produktangebot um einen Stadtlieferwagen auf Renault-Basis erweitern. Das Fahrzeug soll von Renault im französischen Maubeuge gefertigt werden. Zudem stellt Renault-Nissan eine neue Einstiegsmotorisierung und Getriebe für den Transporter Mercedes-Benz Vito zur Verfügung.
Einkauf
Darüber hinaus soll auch der Einkauf gemeinsam organisiert werden. Daimler unterhält bereits eine Einkaufspartnerschaft mit dem Wettbewerber BMW bei nicht markenprägenden Teilen. ssu/Reuters
Durch die Kooperation "schaffen wir maßgebliche Vorteile für beide Parteien, und zwar von Anfang an", sagte Zetsche. Er verwies unter anderem auf reduzierte Entwicklungskosten und geringere Kosten durch die gemeinsame Größe. "Dennoch werden beide Parteien ihre eigenen Marken und Produktidentitäten beibehalten."

Startet Daimler die Smart-Offensive?

Der Stuttgarter Premium-Autobauer Daimler war laut Zetsche ohne fremde Hilfe nicht in der Lage, die Neuentwicklung seines Kleinwagens Smart zu finanzieren. "Wir waren auf der Suche nach einem Partner für Smart und wir brauchten einen Partner für eine zweite, kleinere Motoren-Baureihe mit vier Zylindern."

Laut einem Bericht des Magazins "Auto, Motor und Sport" will Daimler den Absatz seiner Stadtwagenmarke Smart in den nächsten Jahren fast verdoppeln. Mittelfristig sollen die Smart-Verkäufe von zuletzt 117.000 Fahrzeugen auf mehr als 200.000 Stück pro Jahr steigen, berichtet das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise. Allein 70.000 Einheiten davon sollen auf die Neuauflage eines Viersitzer-Modells entfallen.

Dass deutsche Daimler-Beschäftigte durch die Zusammenarbeit unter Druck geraten könnten, verneinte Zetsche. "Wir haben überhaupt nicht vor, die Werke gegeneinander auszuspielen", sagte er. "Wir werden mehr Arbeit schaffen in unseren Werken insgesamt." Der Betriebsrat des Mercedes-Werkes Untertürkheim forderte unterdessen eine "klare Zusage" des Vorstands zur Zukunft der dortigen Motorenproduktion. Die Nachfolgebaureihen sollten auch künftig "mindestens im heutigen Umfang" an dem Standort produziert werden, hieß es in einer Erklärung.

Renault erwägt Aktien-Nachkauf

Anders als Zetsche stellt Ghosn höhere Beteiligungen im künftigen Bündnis der Autobauer in Aussicht. Wenn es im Interesse der Beteiligten liege, könnten die Partner ihre Anteile aneinander erhöhen, sagte der Renault-Chef am Mittwoch der französischen Tageszeitung "Le Monde". Daran werde sie nichts hindern.

Ghosn geht von einer "zweiten Phase" der Partnerschaft "in vier oder fünf Jahren" aus. Dies werde aber von den Ergebnissen abhängen, die mit der Zusammenarbeit erzielt würden, sagte er der Zeitung.

Fotostrecke

3  Bilder
Fotostrecke: Daimler, Renault und Nissan in Zahlen
Zetsche hatte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Ghosn in Brüssel dagegen erklärt, es gebe derzeit keine Absicht, die Kreuzbeteiligung auszubauen. Die beiden Autobauer wollen im Verbund mit dem japanischen Renault-Partner Nissan Motor in den nächsten fünf Jahren Milliarden an Synergieeffekten erwirtschaften.

Die Pariser Regierung steckt nach dem Zusammenschluss des deutschen Autobauers Daimler mit Renault und Nissan einen weiteren Millionenbetrag in den französischen Part des Bündnisses. Der Staat werde einen zusätzlichen Anteil an Renault in Höhe von 0,55 Prozent erwerben, kündigte die Regierung am Mittwoch an. Dieser Schritt werde es erlauben, den Staatsanteil bei rund 15 Prozent zu halten.

Aktie legt leicht zu

An der Börse zeigt die Ankündigung der neuen Allianz kaum Wirkung: Die Daimler-Aktie tendierte zunächst leicht im Plus, am Mittag dann leicht im Minus. Händler sagten, mit der Einigung sei seit Tagen gerechnet worden, daher gebe es kaum Auswirkungen auf die Kurse. Renault gab zur Eröffnung des Handels in Paris leicht nach. Die Titel hatten am Vortag zeitweise stark zugelegt.

Für Daimler und Renault ist die Allianz ein wichtiger Schritt: Absatzkrise, Umweltauflagen, Antrieb der Zukunft - die Autoindustrie steht in den kommenden Jahren vor wahrhaft heroischen Aufgaben. Für Einzelkämpfer sind die Herausforderungen kaum zu meistern. Gute Zukunftsaussichten sprechen die Experten daher lediglich fünf bis sechs Großkonzernen weltweit zu. Auch andere Autogiganten sehen sich nach Kooperationen um.

Die Kooperation mit Renault-Nissan ist für Daimler allerdings alles andere als erste Wahl. Lange hatte der Autoriese mit BMW Chart zeigen über eine Zusammenarbeit verhandelt - doch letztlich scheiterten die Pläne. Zuvor waren schon Allianzen mit Chrysler, Hyundai Chart zeigen und Mitsubishi Chart zeigen gescheitert.

Daimler hatte bereits Anfang März eine Kooperation mit dem chinesischen Autohersteller BYD Co. Chart zeigen zur Produktion eines Elektroautos für China angekündigt. Daneben ist Daimler am US-Elektroautobauer Tesla mit zehn Prozent beteiligt.

ssu/AFP/dpa/Reuters

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Forum - Elektroautos und Hybridmodelle - der richtige Weg?
insgesamt 4490 Beiträge
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1. Haben Sie Beine?
nemansisab 12.01.2010
Zitat von sysopAuf der Detroit Auto Show zeigen die Hersteller neue Modelle, mit denen sie die Krise überstehen wollen. Besonders VW, Audi & Co. setzen dabei auf Elektroautos und Hybridmodelle. Ist das der richtige Weg?
Ein Auto kostet so viel Geld, dass sich jede/jeder genau überlegen sollte, ob er dafür arbeiten geht. Wie wäre es mit einem neuen Fahrrad? Oder die Nutzung des ÖPNV?
2. nicht alles was hinkt, ist ein vergleich!
anders_denker 12.01.2010
Zitat von nemansisabEin Auto kostet so viel Geld, dass sich jede/jeder genau überlegen sollte, ob er dafür arbeiten geht. Wie wäre es mit einem neuen Fahrrad? Oder die Nutzung des ÖPNV?
Wie wäre es, zu akzeptieren das nicht alle Leute im Stadtzenrum wohnen?
3.
Galaxia 12.01.2010
Zitat von sysopAuf der Detroit Auto Show zeigen die Hersteller neue Modelle, mit denen sie die Krise überstehen wollen. Besonders VW, Audi & Co. setzen dabei auf Elektroautos und Hybridmodelle. Ist das der richtige Weg?
Die Deutschen können froh sein wen sie nicht den anschluß verlieren. http://wheels.blogs.nytimes.com/tag/detroit-auto-show/?hp
4.
Rainer Girbig 12.01.2010
Zitat von GalaxiaDie Deutschen können froh sein wen sie nicht den anschluß verlieren. http://wheels.blogs.nytimes.com/tag/detroit-auto-show/?hp
Das kann man aus dem verlinkten Blog nicht erkennen. Und dass die deutsche Automobilindustrie nun auf einmal führend in Sachen E- und Hybridauto sein soll ... das existiert wohl nur in der Phantasie des Autors. Immerhin, es bewegt sich etwas. Der Versuch von Audi, dem Tesla einen Konkurrenten vor die Nase zu setzen, hat durchaus Charme. Zumindest, wenn man das Auto kaufen kann. Der BMW wirkt übrigens im Design recht konservativ gegen die anderen Teile. Regelrecht wohltuend für das geplagte Auge. Hingegen birgt der neue Mercedes CLS wohl kein wirkliches Geheimnis, trotz des ganzen Zinnobers: Er wird noch schlimmer aussehen als sein Vorgänger. Noch geduckter, noch aggressiver usw. Das richtige Outfit fürs Rotlichtmilieu?
5. Deutscher Spritsparer
hollo43 12.01.2010
Zitat von GalaxiaDie Deutschen können froh sein wen sie nicht den anschluß verlieren. http://wheels.blogs.nytimes.com/tag/detroit-auto-show/?hp
Aber VW weiß jetzt schon, dass der Wagen in zwei Jahren 20 Prozent weniger verbraucht als der Japaner. Wäre ja schön, aber ich kann es nicht glauben.
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Konzerne: Das sind die 30 Dax-Giganten

Historie: Partnerschaften von Daimler, Renault und Nissan
In der krisengeplagten Autoindustrie wächst der Druck zu kooperieren, weil Entwicklung und Fertigung immer teurer werden. Die drei Konzerne Daimler, Renault und Nissan sind in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Allianzen mit anderen Autokonzernen eingegangen - ein Überblick.
1998
Daimler kauft über einen milliardenschweren Aktientausch den US-Autobauer Chrysler.
1999
Nissan und Renault gehen eine Allianz ein. Für 5,4 Milliarden Dollar erhält der französische Autohersteller knapp 37 Prozent der Anteile von Nissan. Der japanische Konzern ist hochverschuldet.
2000
Daimler steigt mit einem Anteil von 34 Prozent beim japanischen Autobauer Mitsubishi ein. Der Zukauf war Teil der Strategie des ehemaligen Konzernchefs Jürgen Schrempp, eine "Welt AG" aufzubauen.
2002
Nissan beteiligt sich mit 15 Prozent an Renault, um die bereits bestehende Allianz zu verstärken. Der Anteil von Renault an den Japanern erhöht sich dadurch auf 44,3 Prozent.
2005
Daimler trennt sich wieder von Mitsubishi Motors und verkauft die restlichen Anteile von gut zwölf Prozent an Goldman Sachs. Eine gut zehnprozentige Beteiligung an dem koreanischen Fahrzeughersteller Hyundai Motor war bereits ein Jahr zuvor abgestoßen worden. 2007 - Daimler beendet seine neunjährige Ehe mit Chrysler und gibt 80,1 Prozent an den US-Finanzinvestor Cerberus ab.
2008
Renault zahlt rund 660 Millionen Euro für eine 25-prozentige Beteiligung am Lada-Hersteller AvtoVAZ.
2009
Daimler verkauft die restlichen 19,9 Prozent an Chrysler. Zudem beteiligt sich der Stuttgarter Autokonzern mit zehn Prozent an dem US-Unternehmen Tesla, um gemeinsam Elektroautos zu bauen.
2010
Daimler, Renault und Nissan besiegeln ein Dreier-Bündnis. Die Stuttgarter beteiligen sich mit jeweils 3,1 Prozent an dem französischen und an dem japanischen Hersteller. Nissan und Renault übernehmen im Gegenzug jeweils 1,55 Prozent an Daimler. Renaults Anteil an Nissan verringert sich im Zuge der Transaktion leicht auf 43,2 Prozent. Der Anteil Frankreichs an Renault bleibt bei rund 15 Prozent. ssu/Reuters

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