Wirkaufendeinauto.de-Mutter Gebrauchtwagenhändler klagen gegen Berliner Start-up Auto1

Von Investoren wird Auto1 gefeiert, doch viele Gebrauchtwagenhändler sind sauer - und ziehen nach SPIEGEL-Informationen vor Gericht. Verkauft das Unternehmen Fahrzeuge, ohne auf Defekte hinzuweisen?

Verladung von Gebrauchtwagen bei Auto1 in Zörbig
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Verladung von Gebrauchtwagen bei Auto1 in Zörbig

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Das Berliner Start-up Auto1 hat Ärger mit seinen Kunden. Gebrauchtwagenhändler, die dem Unternehmen Fahrzeuge abgekauft haben, fühlen sich getäuscht. Dutzende haben Klage eingereicht. An den beiden primär zuständigen Gerichten, dem Landgericht Berlin und dem Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg, gibt es nach SPIEGEL-Informationen mindestens 90 laufende oder abgeschlossene erstinstanzliche Verfahren gegen Auto1. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 6/2018
Kaufen oder mieten? Was wo schlau ist

Die meisten Kläger verlangen eine Entschädigung für Mängel an Gebrauchtwagen. So wirft ein Berliner Händler Auto1 vor, ihm einen Mercedes mit einem kaputten Hinterachsdifferenzial verkauft zu haben. Im Fahrzeugexposé sei von dem Defekt keine Rede gewesen, so der Händler. Es sei "sehr schwierig, auf pauschale Gerüchte und Einzelaussagen im Detail einzugehen", teilte Auto1 auf Anfrage des SPIEGEL mit. "Natürlich können Fehler passieren", aber der Erfolg spreche für das Unternehmen.

Nach eigenen Angaben ist Auto1 der größte Zwischenhändler für Gebrauchtwagen in Europa. Das Unternehmen erwirbt Pkw von Privatleuten und verkauft sie an gewerbliche Händler weiter. 2016 wurden so laut Auto1 mehr als 300.000 Fahrzeuge umgeschlagen. Privatkunden ist das Unternehmen unter der Marke Wirkaufendeinauto.de bekannt. Mitte Januar stieg der Fonds des japanischen Technologiekonzerns Softbank mit 460 Millionen Euro bei ihm ein. Mit 2,9 Milliarden Euro ist Auto1 aktuell das zweitwertvollste Start-up Europas.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
vonschnitzler 03.02.2018
1. eigentlich logisch
zumindest angeblich zu Höchstpreisen einkaufen, mit Gewinn an Händler weiterverkaufen, die wiederum auch ihren Schnitt machen wollen. Ohne eine Prise Beschiss kann das kaum funktionieren.
k.k.laake 03.02.2018
2. Das wundert mich nicht
Wirkaufendeinauto.de ist super um seine Schrottkiste mit nicht sichtbaren Defekten zu verkaufen. Die fahren einmal auf dem Parkplatz damit hin und her und fertig. Gross inspiziert wird nicht.
bauigel 03.02.2018
3. Höchst bedenklich
Das ganze Geschäftsmodell geht für mich in den Bereich bedenklich (ggf. sogar kriminell). Den Leuten werden auf der Internetseite Phantasiepreise genannt und somit die Kunden zu wirkaufendeinauto gelockt. Vor Ort werden die Wagen dann schlechtgeredet um sie billig zu erwerben. Typische Abzocke. Und anschließend werden sie dann weiterverkauft wobei die Mängel verschwiegen werden. Tolles Geschäftsmodell. Aber das kst typisch für derzeitige StartUps - besonders aus Berlin. Da scheinen Recht und Gesetz nicht zu gelten. Ähnliches erlebe ich gerade bei Stellenbörsen. Da werden einfach Stellenanzeigen kopoert und auf die eigene Homepage gesetzt. Anschließend wird versucht damit Geld bei den ausschreibenden Firmen zu verdienen. Verbotene Kaltakquise: Interessiert keinen dieser StartUps. Ich habe gerade 3 bei der Wettbewerbsbehörde angezeigt.
bausa 03.02.2018
4. Der Anschiss lauert überall
und seien wir mal ehrlich, jeder Gebrauchtwagenhändler zieht den Kunden über den Tisch. Autokauf ist Pferdekauf, das war früher schon so und wird es auch bleiben. Ein Gebrauchtwagen ist ja auch deshalb billiger, weil er nicht neu ist und dann eben mängelbehaftet ist. Wer das nicht akzeptiert sollte sich einen Neuwagen kaufen. Wenn ich ein altes Haus kaufe, kann ich mich auch nicht hinstellen und über undichte Fenster klagen oder ein marodes Dach.
whitewisent 03.02.2018
5.
Es sind erstinstanzliche Prozesse. 90 davon bei 300.000 Verkäufen, wäre eigentlich an ziemlich gutes Verhältnis. Denn wie beschrieben geht es hier um Gebrauchtwagen. Wäre also wesentlich, ob die Defekte bekannt waren, und verschwiegen wurden, oder überhaupt eine Aussage dazu vorgenommen wurde. Soweit man hört, gibt es für jedes Fahrzeug ein Protokoll, was auch die Käufer einsehen konnten, bzw. beim Kauf erhielten. Was nicht zugesichert wird, ist eben auch kein Mangel. Das man darüber berichtet ist sicher richtig, nur sollte man nicht durch Übertreibungen und das Ignorieren der Unschuldsvermutung einen falschen Eindruck erwecken. Es gibt wohl kaum einen Berufsstand, der per se einen solch miesen Ruf hat wie Gebrauchtwagenhändler, wenn die untereinander Prozesse führen, kanns also nicht wirklich "gerecht" zugehen.
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