Autobauer in der Krise: Gewerkschaften stellen Insolvenzanträge gegen Saab

Die Saab-Produktion liegt seit Monaten still, Tausende Mitarbeiter warten auf ihr Geld. Jetzt ist ihre Geduld am Ende: Die Gewerkschaften haben Insolvenzanträge eingereicht. Doch der Autobauer gibt sich noch nicht geschlagen.

Das Logo der Marke Saab: Kurzfristige Schulden von rund 769 Millionen Euro Zur Großansicht
dapd

Das Logo der Marke Saab: Kurzfristige Schulden von rund 769 Millionen Euro

Stockholm - Der schwedische Autokonzern Saab rutscht weiter Richtung Pleite und kämpft gleichzeitig um eine Rettung in letzter Minute. Wie erwartet stellten zwei Angestellten-Gewerkschaften am Montag Insolvenzanträge beim zuständigen Amtsgericht Vänersborg. Sie wollen Ansprüche ihrer gut 1250 Mitglieder auf nicht ausgezahlte August-Gehälter sichern.

Ebenfalls am Montag reichte Saab laut der Online-Ausgabe von "Svenska Dagbladet" seinen zweiten Antrag vor Gericht auf ein Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz ein. Das Unternehmen teilte mit, der chinesische Autohersteller Youngman wolle 70 Millionen Euro als schnellen Überbrückungskredit und als Gegenleistung für den Erwerb von Saab-Lizenzen nach Schweden überweisen.

Der erste Antrag auf Gläubigerschutz war in der Vorwoche in Vänersborg gescheitert. Das Gericht hatte die Ankündigung von insgesamt 245 Millionen Euro als zu vage und auch zeitlich unbestimmt eingestuft. Das Geld erhofft sich Saab von Youngman und einem zweiten chinesischen Autohersteller, Pang Da. "Der Berufungsantrag enthält präzisere Angaben", sagte Konzernchef Victor Muller.

Die zwei Angestellten-Gewerkschaften begründeten ihren Insolvenzantrag damit, dass man schnell handeln müsse, um die überfälligen Gehälter für eigene Mitglieder zu sichern. Das August-Geld könnte nach der gerichtlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch einen staatlichen Garantiefonds ausgezahlt werden. Die für gewerbliche Saab-Beschäftigte zuständige Metallgewerkschaft sagte am Montag, sie wolle mit einem Insolvenzantrag warten. Saab solle eine Chance für den Antrag auf Gläubigerschutz einschließlich der Beschaffung von Kapital aus China bekommen.

"Die Gewerkschaften müssen das tun, was im Interesse ihrer Mitglieder ist", sagte die Saab-Unternehmenssprecherin. Die Angestellten-Gewerkschaften teilten mit, sie würden ihre Insolvenzanträge sofort wieder zurückziehen, wenn Saab die fälligen Gehälter von sich aus zahle.

Im Stammwerk Trollhättan sind seit fünf Monaten bis auf wenige Tage keine Autos mehr vom Band gerollt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben kurzfristige Schulden von rund 769 Millionen Euro. Saab hatte den rund 3700 Beschäftigten zuletzt keine Löhne und Gehälter mehr auszahlen können.

nkk/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Saab
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback