Autobauer: Piëch will Ehefrau in den VW-Aufsichtsrat holen

Ursula Piëch soll Aufsichtsrätin bei Volkswagen werden: Konzernpatriarch Ferdinand Piëch will mit der Nominierung seiner Ehefrau offenbar sein Erbe vorbereiten - und dem Konzern Kontinuität verordnen.

Ursula Piëch (Archivbild von 2009): Künftig Aufsichtsrätin bei Volkswagen? Zur Großansicht
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Ursula Piëch (Archivbild von 2009): Künftig Aufsichtsrätin bei Volkswagen?

Wolfsburg - Die Ehefrau von Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch, Ursula Piëch, soll in den Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer einziehen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Konzernkreise. Die 55-Jährige solle auf der nächsten VW-Hauptversammlung am 19. April in das Kontrollgremium gewählt werden. Der 74-jährige Piëch, seit 2002 Aufsichtsratschef von VW, kandidiert bei dem Treffen erneut zur Wahl in den Aufsichtsrat und dürfte dann später vom Kontrollgremium als Vorsitzender für weitere fünf Jahre bestätigt werden.

Eine VW-Sprecherin bestätigte die Personalie. Der Aufsichtsrat werde der Hauptversammlung vorschlagen, Frau Piëch in das Kontrollgremium zu wählen. Dies werde entsprechend auf der Tagesordnung stehen, die am Montag veröffentlicht werde.

Ferdinand Piëch nimmt damit wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag am 17. April eine weitere strategische Weichenstellung für die Regelung seines Erbes vor. Der frühere Vorstandschef ist der entscheidende Mann im VW-Konzern. Mit der Nominierung seiner Ehefrau für den Aufsichtsrat wolle Piëch für Kontinuität sorgen, hieß es in den Kreisen. Ursula Piëch soll im Kontrollgremium auf der Kapitalseite Tui-Chef Michael Frenzel ersetzen, der nicht wieder kandidiert.

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Der VW-Patriarch: 40 Jahre Ferdinand Piëch bei Volkswagen
Ferdinand Piëch hatte sich bereits um eine langfristige Sicherung seines Erbes gekümmert. Deshalb hatte er in Österreich zwei Privatstiftungen gegründet, auf die er sein Firmenvermögen übertrug. Diese Anteile sollen laut früheren Medienberichten ohne die Zustimmung des familienfremden dreiköpfigen Stiftungsvorstandes und neun der zwölf Erben nicht verkauft werden können. Piëch hatte erklärt, dass er verhindern wolle, dass seine Erben später Teile des Firmenvermögens verkaufen könnten. Vorbild sei die Stiftungsregelung beim Autozulieferer Bosch.

In diesen Stiftungen ist Ursula Piëch bereits die Stellvertreterin ihres Mannes und hat damit eine starke Stellung inne. In ihrer Funktion setze sie sich bereits seit langem kontinuierlich mit den unternehmerischen Beteiligungen auseinander, zu denen unter anderem Aktien an der Porsche SE, dem Mehrheitsaktionär von Volkswagen, gehören, hieß es.

Die Wahl Ursula Piëchs in den Aufsichtsrat von VW gilt als sicher. Größter Aktionär bei den Wolfsburgern ist die Porsche Holding SE mit etwas mehr als 50 Prozent der VW-Stammaktien. Die SE wiederum wird von den Familien Piëch und Porsche kontrolliert, darunter auch Ferdinand Piëch. Weitere große VW-Aktionäre sind das Land Niedersachsen mit 20 Prozent und das Emirat Katar mit 17 Prozent.

Ursula Piëch reiht sich damit ein in die Reihe einflussreicher Unternehmer-Gattinnen wie Liz Mohn, die an der Spitze des Mediengiganten Bertelsmann steht, oder der Springer-Witwe Friede Springer.

Andreas Hoenig, dpa/ore

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Das ist prima ...
donpom 11.03.2012
Zitat von sysopDPAUrsula Piëch soll Aufsichtsrätin bei Volkswagen werden: Konzernpatriarch Ferdinand Piëch will mit der Nominierung seiner Ehefrau offenbar sein Erbe vorbereiten - und dem Konzern Kontinuität verordnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820631,00.html
Genau so habe ich mir die Frauenquote vorgestellt.
2.
rainer_daeschler 11.03.2012
Zitat von donpomGenau so habe ich mir die Frauenquote vorgestellt.
Hier vertritt sie ja nur ihr Eigentum in mindestens vier Sitzungen im Jahr, Die Frauenquote ist eher für den operativen Teil gedacht, also den Vorstand des Unternehmens, wo in dieser Hinsicht sicher keine Revolution zu erwarten ist.
3. Ist doch normal
wolfi55 11.03.2012
Es ist normal, dass in einem Familienkonzern und was anderes ist VW ja nicht mehr, die Ehefrauen der Inhaber im Aufsichtsrat sitzen. Man muss nur die Eigentümerstruktur von VW ansehen
4. Hallo donpom
flieder2 11.03.2012
Zitat von donpomGenau so habe ich mir die Frauenquote vorgestellt.
Genau das habe ich auch gedacht und musste laut lachen. Die erste offizielle Quotenfrau! Hier wir die Reding oder Reeding vorgefuehrt! Ich hoffe die kann dann ab morgen ein wenig besser schlafen. Ich muss ueber Piechs Coup noch immer lachen.
5.
inci2 11.03.2012
Zitat von flieder2Genau das habe ich auch gedacht und musste laut lachen. Die erste offizielle Quotenfrau! Hier wir die Reding oder Reeding vorgefuehrt! Ich hoffe die kann dann ab morgen ein wenig besser schlafen. Ich muss ueber Piechs Coup noch immer lachen.
ja, das mit der frauenquote hat mir auch gut gefallen, und der coup auch. aber nicht vergessen wollten wir, daß frau doris schröder-kopf ja auch schon eine tolle aufsichtsratquotenfrau ist. seit letztem jahr im karstadt aufsichtsrat. um aber dieser unsäglichen viviane reding (die ja primär solche pöstchen für sich und ihresgleichen sichern möchte) noch mehr auszuwischen, hoffe ich, daß es noch viele unternehmen gibt, die das ähnlich handhaben wie herr piech.
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