Verkäufe in China brechen ein Jaguar Land Rover streicht 4500 Stellen

Großbritanniens größter und traditionsreicher Autohersteller Jaguar Land Rover schlittert in die Krise - und will mit drastischen Einschnitten reagieren. Grund sei weniger der Brexit, sondern der Verkaufseinbruch in China.

Jaguar Land Rover Werk in Solihull
Getty Images

Jaguar Land Rover Werk in Solihull


Jaguar Land Rover hat schon bessere Tage gesehen: Großbritanniens größter Autohersteller hat Millionen in Notfallmaßnahmen für einen möglichen harten Brexit gesteckt, 1500 Arbeitsplätze im Jahr 2018 gestrichen, in einer Fabrik die Drei-Tage-Woche eingeführt und ein zweites Werk für 14 Tage komplett geschlossen.

Doch die Maßnahmen reichen offenbar nicht: Jaguar Land Rover wird weltweit rund 4500 Stellen streichen, teilte der Autobauer mit. "Die nächste Phase dieses Transformationsprogramms beginnt mit einem freiwilligen Entlassungsprogramm in Großbritannien", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Die Veränderungen seien notwendig, um den Grundstein für ein langfristig nachhaltiges Wachstum zu legen.

Jaguar Land Rover ist der größte Fahrzeughersteller Großbritanniens. Das Unternehmen will mit einem umfassenden Maßnahmenpaket 2,5 Milliarden Pfund (rund 2,76 Milliarden Euro) einsparen. Der Autobauer hat mehr als 40.000 Mitarbeiter, den Großteil davon in seinen britischen Werken.

Verkäufe in China rückläufig

Die Gründe sind offenbar vielschichtig: Der Autokonzern hat allein zwischen April und September 354 Millionen Pfund Verlust gemacht, umgerechnet sind das knapp 400 Millionen Euro.

Jaguar Land Rover berichtet zudem von einem Phänomen, von dem zuletzt auch Apple betroffen war: Auf dem wichtigen Absatzmarkt China geht die Kauflaune der Konsumenten im Luxussegment offenbar zurück. Der Autobauer hat für Juli bis September einen Rückgang der Verkäufe in China um 44 Prozent gemeldet. Bereits im Oktober hatte ein Topmanager berichtet, eine Fabrik des Konzerns in China sei praktisch "die meiste Zeit im Oktober geschlossen gewesen".

Ebenfalls schmerzhaft für Jaguar Land Rover: Der Rückgang von Dieselverkäufen in Europa. Das Unternehmen hat außerdem mehrmals vor den Folgen des Brexits für britische Produzenten gewarnt.

beb/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thequickeningishappening 10.01.2019
1. Als neutraler Beobachter
Die Designs Der neueren Baureihen sowohl bei Jaguar als auch bei Landrover (speziell Die kleinen Range Rovers) können mit Der Konkurrenz aus Stuttgart und München nicht mithalten. Mercedes und BMW verzeichnen übrigens weiter leichte Wachstumsraten in China.
kenterziege 10.01.2019
2. Man muss unterscheiden zwischen Jaguar und Landrover
Jaguar hat schon seit längerem Schwierigkeiten, die völlig unabhängig vom Brexit und von der momentanen Entwicklung in China ist. Limousinen in dieser Preisklasse haben es schwer. Landrover hatte sich in den letzten Jahren gut gemacht. Aber gerade bei den SUV's muss es ein Diesel sein. Und hier liegt aktuell eine Schwäche. Jetzt kommen noch die Unsicherheiten des BREXIT dazu. Das hält keine Firma aus. Die Idioten, die GB in den harten Brexit fahren, verhalten sich absolut unverantwortlich. Die ausgefeilten Ketten der Zulieferer zur Produktion ist auf Dauer durch die Lagerhaltung nicht auszugleichen. Das gibt weitere Kosten- und Flexibilitätsnachteile gegenüber der Konkurrenz. Übrigens: Das Eingangsbild hätte eine Presseabteilung der Konkurrenz aus Japan und Korea nicht durchgehen lassen. Dort wirken alle Mitarbeiter in ihren weißen Anzügen smart und machen keinen Türsteher-Eindruck.
deeperman 10.01.2019
3. Kein Konzern
Jaguar/Land Rover ist kein Konzern, wie der SPIEGEL schreibt, sondern es sind Marken des indischen Tata-Konzerns.
RalfBukowski 10.01.2019
4. Oh, seht mal...
...die bauen den Defender wieder!
Beijinger 10.01.2019
5. Die Probleme bei Jaguar - Landrover
liegen m.E. an einem ständig wachsenden Wettbewerbsdruck auf dem chinesischen Automarkt im SUV Segment, bei dem inzwischen auch die lokalen Hersteller stark profitieren. Im gehobenen SUV Segment haben die ausländischen Wettbewerber aus D (Audi, BMW, DB, VW) , Japan, Korea, eingeschränkt USA schlicht den besseren Mix und das bessere Image im Angebot. Und Jaguar? Das gleiche, mit ihrem kleinen Angebotssortiment im oberen Pkw Segment einfach keine wettbewerbsfähige Alternative zu den anderen internationalen Herstellern. Solange der Markt brummte, konnte Jaguar/LR noch einigermaßen mithalten. Damit ist jetzt Schluss und Diesel ist hier in China noch nie ein Thema gewesen, für PKW war und ist diese Verbrennungstechnik verboten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.