Schlussspurt vor neuen Abgasregeln Zahl von Pkw-Neuzulassungen steigt drastisch

Kurz vor der Einführung strengerer Abgasregeln erlebt der deutsche Neuwagenmarkt einen Boom. Vor allem Firmen decken sich mit neuen Fahrzeugen ein.

Neuwagen in Berlin
DPA

Neuwagen in Berlin


Mit Großeinkäufen haben Unternehmen im August den Neuwagenmarkt in Deutschland angekurbelt. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen stieg um 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - auf insgesamt 316.405. Das teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag mit. Zwei Drittel der Neuzulassungen waren gewerbliche Anmeldungen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte das mit einem Sondereffekt: Vor Einführung strengerer Abgasregeln hätten sich viele Firmen noch einmal für ihre Flotten eingedeckt.

Der VDA erwartet, dass sich die Entwicklung bei den Neuzulassungen und bald wieder normalisiert. Fürs Gesamtjahr bleibe es bei der Prognose von 3,5 Millionen Neuzulassungen, was einem Plus von einem Prozent entspräche.

Europäische Autohersteller warnen vor Elektroautos

Der europäische Autoherstellerverband Acea warnt derweil vor massiven Jobverlusten, falls die Pkw-Produktion zu schnell auf Elektroautos umgestellt würde. Die EU-Kommission unterschätze die negativen Folgen ihres Vorschlags zu schärferen CO2-Grenzwerten für den Arbeitsmarkt, teilte der in Brüssel ansässige Verband mit. Die Pläne der Kommission sehen vor, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Pkw bis 2030 in zwei Schritten um 30 Prozent zu senken.

"Die Produktion und die Instandhaltung von durch elektrische Batterien angetriebenen Fahrzeugen ist weniger arbeitsintensiv", erklärte Acea mit Verweis auf aktuelle Studien. Besonders Zulieferfirmen seien betroffen. Der Verband weist zudem darauf hin, dass das bei weitem teuerste Teil eines Elektroautos - die Batterie - womöglich häufig importiert werden müsste.

"Die gesamte europäische Produktionskette muss sich nachhaltig verändern", sagte Acea-Chef Erik Jonnaert. "Zu strenge CO2-Ziele und unrealistische Verkaufsquoten für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge" könnten zu "ernsthaften Strukturproblemen in der gesamten EU führen".

Die Kritik an einem der Hauptpunkte des geplanten EU-Mobilitätspakets kommt wenige Tage vor einer wichtigen Abstimmung im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments über den Kommissionsvorschlag. Dort könnte es eine Mehrheit für noch ehrgeizigere Ziele als die von der Kommission vorgeschlagenen geben: eine Verringerung der CO2-Emissionen um 50 Prozent bis 2030 sowie Vorgaben für die Herstellung emissionsarmer Fahrzeuge.

ssu/AFP/dpa/Reuters



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