Kartellverdacht BaFin prüft Adhoc-Fehler bei VW und Daimler

Im Kartellskandal müssen sich Autokonzerne einer neuen Bedrohung stellen. Die Finanzaufsicht BaFin prüft, ob VW und Daimler ihre Anleger zu spät über mögliche Verstöße gegen das Kartellrecht informiert haben.

VW-Chef Matthias Müller (r.) schaut zu Daimler-Chef Dieter Zetsche
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VW-Chef Matthias Müller (r.) schaut zu Daimler-Chef Dieter Zetsche


Verdächtige Absprachen machen deutsche Autokonzerne nun auch zur Zielscheibe für die Finanzaufsicht BaFin. Volkswagen (VW) und Daimler hatten Kartellbehörden in einer Form von Selbstanzeige jeweils darüber informiert, dass es bei Arbeitskreisen zwischen mehreren Autoherstellern zu kartellrechtlich relevanten Absprachen gekommen sein könnte. Die BaFin prüft nun, ob die beiden Autohersteller die Anleger darüber zu spät informiert haben.

"Wir prüfen, ob VW und/oder Daimler im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Selbstanzeigen die Ad-hoc-Pflicht beachtet haben", teilte die Behörde mit. BMW ist demnach nicht im Visier der Behörde. Börsennotierte Unternehmen müssen ihre Aktionäre mit sogenannten Ad-hoc-Mitteilungen über Vorgänge informieren, die den Aktienkurs erheblich beeinflussen könnten. Die Aktien der Hersteller hatten nach Bekanntwerden des Kartellverdachts an der Börse spürbar nachgegeben.

Wann mit einem Ergebnis der Prüfung zu rechnen ist, konnte die Sprecherin nicht sagen. Die BaFin prüft der Sprecherin zufolge häufig solche Fälle. Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche unter anderem in technischen Fragen und teilweise beim Einkauf abgesprochen haben sollen. Die Kartellwächter müssen jetzt entscheiden, ob diese Absprachen illegal waren.

Seit mehreren Jahren führten die Autokonzerne mehrere Arbeitskreise, in denen sie sich bis ins Detail über Technik, Kosten, Zulieferer - auch zur Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge - abgesprochen haben. An Gesprächen war auch Bosch als Lieferant der Software für Motorsteuersysteme beteiligt.

kig/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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allessuper 07.08.2017
1. Bosch in dem Zusammenhang finde ich doch interessant
denn soweit ich weiß, wollte sich Bosch so gern ein besonders sauberes Image verpassen. Gibt es Informationen speziell zu Bosch in diesem Zusammenhang? https://www.swr.de/swraktuell/bw/bosch-prozess-in-den-usa-angst-um-das-saubermann-image/-/id=1622/did=18423270/nid=1622/2iw0jg/index.html
Bubendorff 07.08.2017
2. Spannende Rechtsfrage,...
...denn üblicherweise verpflichtet sich derjenige, der wegen Kartellverstössen eine Selbstanzeige stellt, gegenüber der Kartellbehörde zur Verschwiegenheit, um die Ermittlungen gegen die anderen Kartellbeteiligten nicht zu gefährden. Wenn man nun parallel aus dem WpHG zur ad-hoc-Mitteilung verpflichtet ist, ergibt sich ein interessantes Spannungsfeld. Ich vermute, es gibt eine Ausnahmeregelung, denn ansonsten - horribile dictu - hätten wir ja in Deutschland einen Konstellation, die nicht rechtlich geregelt wäre...
Marut 07.08.2017
3. Und wer hat verkauft
Viel interessanter wäre es ja zu recherchieren, wer noch vor der erforderlichen Aktionärsinformation seine Aktien noch schnell versilbert hat. Bei dieser eingeschworenen Industriellen-Truppe ist ja kaum davon auszugehen, dass da das Insiderwissen so garnicht genutzt wurde. Ist der Ruf erst ruiniert.........ungeniert.
steinbock8 07.08.2017
4. Last sie prüfen
Am Ende kommt wie immer nichts raus und Konsequenzen für die Manager schon garnicht diese tragen auch wie immer Arbeiter Angestellte und der Steuerzahler ein Dank an die Eliten
shardan 07.08.2017
5. Bleibt nur noch abzuwarten....
Bleibt nur noch abzuwarten, wer von den hohen Herren schnell noch seine Aktien abgestoßen hat. ("Insider-Vorteil"). Läuft bei denen eigentlich noch irgendwas, was nicht eher "halbseiden" ist?
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