Sparprogramm bei Daimler: Mercedes baut mehr als tausend Arbeitsplätze ab

Von manager-magazin-Redakteur Michael Freitag

Daimler-Chef Zetsche: Mitarbeiterzahl außerhalb der Produktion soll um 10 Prozent sinken Zur Großansicht
DPA

Daimler-Chef Zetsche: Mitarbeiterzahl außerhalb der Produktion soll um 10 Prozent sinken

Nun bekommen auch die Beschäftigten das Sparprogramm bei Daimler zu spüren: Bei der Pkw-Sparte Mercedes will Konzernchef Dieter Zetsche mehr als tausend Arbeitsplätze streichen. Jeder zehnte Stelle außerhalb der Produktion soll verschwinden.

Hamburg - Daimler plant, mehr als tausend Stellen in seiner Pkw-Sparte zu streichen. Der geplante Abbau sei Teil des Sparprogramms "Fit for Leadership", berichtet das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe, die am Freitag erscheint. Die Mercedes-Spitze wolle die Zahl der Mitarbeiter außerhalb der Produktion um zehn Prozent reduzieren, heißt es in Unternehmenskreisen. Es gehe vor allem um Bereiche wie Vertrieb, Personal- und Finanzressort. Die genaue Zahl sei allerdings noch offen. Wenn der Pkw-Absatz in den nächsten Jahren deutlich steige, solle der dadurch entstehende Mehrbedarf unter Umständen gegengerechnet werden.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat angekündigt, mit dem Sparprogramm "Fit for Leadership" werde Mercedes ab 2015 jährlich zwei Milliarden Euro sparen. Dazu sollen höhere Einnahmen kommen. Zetsche will mit dem Sparprogramm sein Ziel erreichen, ab 2015 eine Umsatzrendite von zehn Prozent vor Zinsen und Steuern zu erwirtschaften. "Fit for Leadership" liege auf Kurs, heißt es bei Mercedes. Die zehn Prozent Rendite seien allerdings nur erreichbar, wenn auch der Absatz massiv steige. Interne Pläne prognostizieren für dieses Jahr 1,58 Millionen verkaufte Mercedes- und Smart-Pkw. 2015 will Zetsche mehr als 1,8 Millionen Autos absetzen.

Dabei ist das Renditeziel von Zetsche im Vergleich zu den Konkurrenten BMW Chart zeigen und Audi Chart zeigen ohnedies bescheiden. Audis Rendite lag im Gesamtjahr 2012 bei 11 Prozent. BMW hat seine Jahreszahlen noch nicht veröffentlicht. In den ersten neun Monaten 2012 lag der Branchenprimus jedoch bei 10,9 Prozent. Daimler Chart zeigen hat noch einiges Kostensparen vor sich: Die Stuttgarter schafften 2012 nur 7,1 Prozent Umsatzrendite in der Autosparte.

Zwar bezahlt Daimler seinen Mitarbeitern für 2012 eine Prämie von 3200 Euro je Mitarbeiter, den dritthöchsten Wert seit 1997. Dennoch gilt Zetsche innerhalb des Daimler-Konzerns derzeit als angeschlagen, besonders unter den Arbeitnehmervertretern. Vor wenigen Wochen stand seine Vertragsverlängerung an - doch der Aufsichtsrat sagte ihm nur weitere drei statt der bisher üblichen fünf Jahre zu. Dies geschah vor allem auf Druck der Arbeitnehmer, deren Vertreter mit Zetsches Kurs offenbar nicht einverstanden sind.

Daimler fährt der Konkurrenz hinterher

Der bisherige Produktionschef Wolfgang Bernhard tauschte zudem Posten mit dem Chef der Nutzfahrzeugsparte, Andreas Renschler. Bernhard gilt als harter Sanierer - und ist deshalb bei der Belegschaft nicht unbedingt beliebt.

Trotz des steigenden Misstrauens seiner Beschäftigten hält Zetsche an seinem Sparkurs fest. Strukturelle Themen im Konzern müssen angegangen werden, auch wenn sich dabei ein Konsens mit der Arbeitnehmerseite "nicht immer herstellen" ließe, sagte Zetsche kürzlich in einem Interview. Das China-Geschäft, in dem Daimler seinen Konkurrenten weiterhin hinterherhinkt, soll nun ein eigener China-Vorstand auf Vordermann bringen.

Im Jahr 2012 verkaufte Daimler zwar weltweit so viele Pkw und Nutzfahrzeuge wie nie zuvor. Dieser Rekordumsatz mündete aber nicht in einem Rekordgewinn. Der operative Konzerngewinn ging um 10 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zurück. Schuld daran waren vor allem die hausgemachten Probleme der Kernmarke Mercedes-Benz: Diese reichen von Angebotslücken über Vertriebsprobleme bis hin zu Budget-Fehlplanungen.

Daimler investiert nun viel Geld in die Verjüngung seiner Modellpalette. Die kompakte A-Klasse ist seit vergangenem November im Handel. Für das jüngste Facelift der E-Klasse hat der Konzern fast eine Milliarde Euro investiert. Wichtigster Gradmesser in diesem Jahr wird aber die neue S-Klasse-Generation, die der Autohersteller in wenigen Monaten vorstellen wird.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Na endlich! Jetzt wird der Wasserkopf
zeitmax 13.03.2013
..geleert! Hoffentlich ohne Boni etc.
2.
Obi-Wan-Kenobi 13.03.2013
Zitat von sysopDer operative Konzerngewinn ging um 10 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zurück. Schuld daran waren vor allem die hausgemachten Probleme der Kernmarke Mercedes-Benz: Diese reichen von Angebotslücken über Vertriebsprobleme bis hin zu Budget-Fehlplanungen. Autokonzern Daimler baut über tausend Arbeitsplätze in Pkw-Sparte ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/autokonzern-daimler-baut-ueber-tausend-arbeitsplaetze-in-pkw-sparte-ab-a-888616.html)
So läuft das eben. Baut ein Angestellter Mist darf er selber dafür gerade stehen und seinen Hut nehmen. Baut der Vorstand Mist dürfen die Angestellten dafür gerade stehen. Bei solchen Managementleistungen ist eine Diskussion über Managergehälter mehr als berechtigt.
3. Super
darkblue2001 13.03.2013
Also die machen 8 Milliarden Gewinn und wollen trotzdem Stellen abbauen , na herzlichen Dank ab Mercedes ! Das nenn ich mal sozial ...
4. Fit for Leadership?
GJC 13.03.2013
Da liegt das ganze Problem des Konzerns begraben. Man hat einfach verlernt den Zeitgeist zu treffen und stattdessen wirkt das ganze einfach nur noch lächerlich... 'Fit for Leadership' ist jawohl das Peinlichste, was ich je gehört habe. Und wofür das ganze Theater? Um die Führerschaft unter den Premiumherstellern zurückzuerobern? Ganz tolles Ziel, da können sich die Manager dann alle gegenseitig auf die Schulter klopfen. Was für eine völlig sinnlose Zielvorgabe... Alleine die Definition von "Premiumsegment" macht das ganze Unterfangen schon fragwürdig. Wo ist denn eine A-Klasse oder ein A1 oder ein Mini noch ein Premiumfahrzeug? Das sind einfach nur teurere Kleinwagen. Anstatt sich an solchen Vorgaben hochzuziehen, sollte man sich lieber darauf konzentrieren wieder verdammt coole Autos zu bauen, dann kommt der Rest schon von selber.
5. Modell-Politik
emantsol 13.03.2013
Bitte auch den nach Hause schicken, unter dessen Verantwortung der Stadtlieferwagen "Citan" entstanden ist. Ein Renault mit Stern beschädigt Marke. Andererseits, viel schlimmer kann es eigentlich kaum werden, die Benz-Transporter rosten traditionell bereits im Prospekt. Unverständlich, dass Benz in der Sparte der leichten Nutzfahrzeuge seit vielen Jahren (ausser dem Crafter-Bruder Sprinter) keine brauchbaren Produkte liefern kann.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Daimler AG
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 33 Kommentare
  • Zur Startseite