Von manager-magazin-Redakteur Michael Freitag
Hamburg - Daimler plant, mehr als tausend Stellen in seiner Pkw-Sparte zu streichen. Der geplante Abbau sei Teil des Sparprogramms "Fit for Leadership", berichtet das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe, die am Freitag erscheint. Die Mercedes-Spitze wolle die Zahl der Mitarbeiter außerhalb der Produktion um zehn Prozent reduzieren, heißt es in Unternehmenskreisen. Es gehe vor allem um Bereiche wie Vertrieb, Personal- und Finanzressort. Die genaue Zahl sei allerdings noch offen. Wenn der Pkw-Absatz in den nächsten Jahren deutlich steige, solle der dadurch entstehende Mehrbedarf unter Umständen gegengerechnet werden.
Daimler-Chef Dieter Zetsche hat angekündigt, mit dem Sparprogramm "Fit for Leadership" werde Mercedes ab 2015 jährlich zwei Milliarden Euro sparen. Dazu sollen höhere Einnahmen kommen. Zetsche will mit dem Sparprogramm sein Ziel erreichen, ab 2015 eine Umsatzrendite von zehn Prozent vor Zinsen und Steuern zu erwirtschaften. "Fit for Leadership" liege auf Kurs, heißt es bei Mercedes. Die zehn Prozent Rendite seien allerdings nur erreichbar, wenn auch der Absatz massiv steige. Interne Pläne prognostizieren für dieses Jahr 1,58 Millionen verkaufte Mercedes- und Smart-Pkw. 2015 will Zetsche mehr als 1,8 Millionen Autos absetzen.
Dabei ist das Renditeziel von Zetsche im Vergleich zu den Konkurrenten BMW
und Audi
ohnedies bescheiden. Audis Rendite lag im Gesamtjahr 2012 bei 11 Prozent. BMW hat seine Jahreszahlen noch nicht veröffentlicht. In den ersten neun Monaten 2012 lag der Branchenprimus jedoch bei 10,9 Prozent. Daimler
hat noch einiges Kostensparen vor sich: Die Stuttgarter schafften 2012 nur 7,1 Prozent Umsatzrendite in der Autosparte.
Zwar bezahlt Daimler seinen Mitarbeitern für 2012 eine Prämie von 3200 Euro je Mitarbeiter, den dritthöchsten Wert seit 1997. Dennoch gilt Zetsche innerhalb des Daimler-Konzerns derzeit als angeschlagen, besonders unter den Arbeitnehmervertretern. Vor wenigen Wochen stand seine Vertragsverlängerung an - doch der Aufsichtsrat sagte ihm nur weitere drei statt der bisher üblichen fünf Jahre zu. Dies geschah vor allem auf Druck der Arbeitnehmer, deren Vertreter mit Zetsches Kurs offenbar nicht einverstanden sind.
Daimler fährt der Konkurrenz hinterher
Der bisherige Produktionschef Wolfgang Bernhard tauschte zudem Posten mit dem Chef der Nutzfahrzeugsparte, Andreas Renschler. Bernhard gilt als harter Sanierer - und ist deshalb bei der Belegschaft nicht unbedingt beliebt.
Trotz des steigenden Misstrauens seiner Beschäftigten hält Zetsche an seinem Sparkurs fest. Strukturelle Themen im Konzern müssen angegangen werden, auch wenn sich dabei ein Konsens mit der Arbeitnehmerseite "nicht immer herstellen" ließe, sagte Zetsche kürzlich in einem Interview. Das China-Geschäft, in dem Daimler seinen Konkurrenten weiterhin hinterherhinkt, soll nun ein eigener China-Vorstand auf Vordermann bringen.
Im Jahr 2012 verkaufte Daimler zwar weltweit so viele Pkw und Nutzfahrzeuge wie nie zuvor. Dieser Rekordumsatz mündete aber nicht in einem Rekordgewinn. Der operative Konzerngewinn ging um 10 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zurück. Schuld daran waren vor allem die hausgemachten Probleme der Kernmarke Mercedes-Benz: Diese reichen von Angebotslücken über Vertriebsprobleme bis hin zu Budget-Fehlplanungen.
Daimler investiert nun viel Geld in die Verjüngung seiner Modellpalette. Die kompakte A-Klasse ist seit vergangenem November im Handel. Für das jüngste Facelift der E-Klasse hat der Konzern fast eine Milliarde Euro investiert. Wichtigster Gradmesser in diesem Jahr wird aber die neue S-Klasse-Generation, die der Autohersteller in wenigen Monaten vorstellen wird.
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