Pkw-Produktion Autokonzerne sparen mit Umweltprojekten Millionen

Der Abgasskandal hat die Autoindustrie in Verruf gebracht. Dabei können die Hersteller mit Umweltschutz kräftig Geld sparen. Besonders Volkswagen drückt so seine Kosten.

Volkswagen-Produktion des Golf 6
Getty Images

Volkswagen-Produktion des Golf 6


Das Image von Volkswagen ist durch die Abgasaffäre gründlich ramponiert. Europas größter Autokonzern ist zum heftig kritisierten Umweltsünder geworden. Dabei profitiert die Autobranche sogar, wenn sie das Klima schützt - der Wolfsburger Konzern derzeit besonders. Durch Umweltprogramme, die in der Produktion Energie, Wasser und Emissionen senken, sparte Europas größter Autohersteller seit 2010 Kosten von weit mehr als 100 Millionen Euro, sagt VW-Prozessoptimierer Peter Bosch. Auch andere Hersteller drücken so ihre Kosten.

Autos belasten die Umwelt schon lange vor ihrer ersten Fahrt und selbst nach ihrer letzten. Während ihrer Herstellung bis hin zum Recycling der Altwagen verursachen sie schädliche Stoffe. Aufgrund des Drucks der Politik und von Umweltorganisationen haben sich Deutschlands Autohersteller übergreifende Umweltziele gesetzt. Das kommt nun sogar ihren Bilanzen zugute.

So haben sich VWs Investitionen in das Umweltprogramm, das dem Konzern Millionen Euro eingespart hat, laut Manager Bosch größtenteils schon amortisiert. Auch Konkurrent BMW konnte seine Kosten etwa durch Energieeinsparung senken: "Seit 2006 haben wir mit Ressourceneffizienz in der Produktion in Summe mehr als 158 Millionen Euro eingespart", sagte ein Konzernsprecher.

Eigene Öko-Ziele übertroffen

Ressourcenschonung habe meist auch finanzielle Effekte, sagt VW-Manager Bosch. "Ökologie zahlt sich dann ganz oft auch ökonomisch aus." Genauso dürfte es dem Image helfen: Ausgerechnet der vom Skandal um manipulierte Abgaswerte seiner Dieselmodelle erschütterte Autobauer VW kann beim Umweltschutz einen Erfolg vorweisen: Schon Ende 2015, drei Jahre vor dem ursprünglichen Ziel, hat Volkswagen fünf zentrale Umweltkennziffern in Summe um 25 Prozent unter das Niveau von 2010 gedrückt.

Pro produziertem Auto habe VW nach eigenen Angaben CO2-Ausstoß und Abfall stärker verringert als das eigene Ziel vorsah, der Energieverbrauch schaffte eine Punktlandung. Bei Wasserverbrauch und Lösungsmittelemissionen erreichte der Konzern seinen Plan noch nicht ganz.

Bei BMW gibt es ähnliche Ansätze. Zwischen 2006 und 2020 will der Münchner Autokonzern die Ressourcen pro gebautem Wagen um 45 Prozent senken. Bei den CO2-Emissionen sind schon 46 Prozent erreicht, wie ein Sprecher sagt. Neben dem Wasserverbrauch (31 Prozent) liegt der Energieverbrauch mit bisher 36 Prozent noch höher, als für das Jahr 2020 anvisiert.

Energieverbrauch besonders anvisiert

Einen Fokus legt BMW wie auch Daimler auf den Energieverbrauch. 2015 seien knapp drei Prozent Energie zum Vorjahr eingespart worden. Langfristig will der Konzern weltweit ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen einsetzen. So investiert BMW etwa in Projekte wie Windkraftanlagen, wenn sich diese langfristig tragen. Daimler wiederum will den Energieverbrauch seiner Autosparte von 2015 bis 2022 um 25 Prozent herunterschrauben. Allein die Kosten für Umweltschutzanlagen des Konzerns beliefen sich zuletzt auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. 91 Prozent der Abfälle verwertet Daimler weiter.

Die Abgaswerte der Autos bleiben bei allem Fortschritt in der Produktion jedoch ein gravierendes Problem. Laut VW entfallen derzeit drei Viertel des CO2-Ausstoßes auf die Gebrauchsphase eines Autolebens. Auch daher legt Konzernchef Matthias Müller seinen Fokus neuerdings auf die Entwicklung von Elektroautos.

Vonseiten der deutschen Politik droht VW neues Ungemach: Heute nimmt der Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Abgasskandal seine Arbeit auf.

kig/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
RamBo-ZamBo 07.07.2016
1. asdf
100 Millionen sparen ist nichts wenn man in Amerika 15 Milliarden Strafe zahlt.
hanfiey 07.07.2016
2. auf Druck der Politik
Der war gut. Der Artikel zeigt das ganze Elend der Industrie ohne konkret zu werden wie zum Beispiel welchen Anteil oder Einfluss auf Zulieferer genommen wird. Durch auslagern können natürlich Kosten gespart werden und die Energie die dort verbraten wird zählt dann nicht mehr?. Arbeitsplätze gehen verloren und der Staat gibt Geld wegen Öko oder wie muss ich mir das vorstellen?
bumech 07.07.2016
3. VW ist OK !
..ich werd verrückt ! kein VW Bashing Artikel von SPON ?? ..was ist los . USA ist eine Kriegstreibernation ...Sie lieben Waffen und Kriege. leider sind Sie in der WIRTSCHAFT auch nicht zimperlich ( google, amazon, apple etc)..und die old economy im Fahrzeigbau hat sich einen deutschen Wettbewerber kleinbekommen ..ich werde weiterhin VW s kaufen. Opel hat doch die gleiche Scheisse gebaut ...aber kein Arsch in der Hose es zuzugeben.
quark2@mailinator.com 07.07.2016
4.
Der Artikel dreht mal wieder die Kausalkette um. Hersteller suchen immer nach Optimierungen und natürlich wollen sie weniger Material und Energie verbrauchen, natürlich wollen sie weniger Giftstoffe handhaben oder für deren Entsorgung zuständig sein. Das ist ein normaler Prozeß, der auch ohne ausdrückliche Umweltauflagen so laufen würde und der darauf ausgerichtet ist Geld zu sparen. Aber man kann diese Anstrengungen heutzutage zusätzlich noch als aktiven Umweltschutz verkaufen, so wie dieser Artikel. Es ist also nicht so, daß der Umweltschutz beim Sparen hilft, sondern das normale Sparen hat eine fast nicht zu verhindernde Umweltschutzkomponente.
mcpoel 07.07.2016
5. Dank deutscher Lethargie...
... funktioniert Umweltgesetgebung immer zugunsten der Großen Autokonzerne: Abwrackprämie, Dummeltzonen, Emissionsstandards sind alle so gestaltet, daß vor allem der Neukauf von der Stange wirtschaftlich besser ist als Nachrüstung und Nachhaltigkeit. Großkonzerne zahlen die Kosten der Umweltgesetze und -bürokratie aus der Kaffeekasse, private Initiativen und Kleinunternehmer können sich Eigeninitiative gar nicht erst leisten! Und die deutschen beschweren sich nicht, soindern machen fleißig mit.
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