Axel-Springer-Bilanz: Anzeigen-Portale im Netz gleichen Print-Verluste aus

Der Umbau der Axel Springer AG geht voran. Das Geschäft mit nichtjournalistischen Internet-Angeboten hat Einbußen bei Zeitungen und Zeitschriften im zweiten Quartal fast ausgeglichen. Im Streit um Fußballübertragungsrechte im Netz droht Konzernchef Döpfner indes mit einer Klage.

Springer-Chef Döpfner: Digitales Wachstum, Ärger mit Fußball Zur Großansicht
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Springer-Chef Döpfner: Digitales Wachstum, Ärger mit Fußball

Berlin - Rückgänge im Print-Geschäft, Zuwächse im Internet: Der Umbau des Medienkonzerns Axel Springer zum Digital-Dienstleister geht voran. Das zeigen die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2013, die das Unternehmen am Mittwoch in Berlin veröffentlicht hat.

In den Monaten April bis Juni ging der Umsatz demnach um knapp ein Prozent auf 823,7 Millionen Euro zurück. Auf das erste Halbjahr gerechnet legten die Erlöse geringfügig zu, auf rund 1,6 Milliarden Euro. Die einzelnen Konzernsparten entwickelten sich dabei auffallend unterschiedlich.

Konzernchef Mathias Döpfner hat diese Strategie in den vergangenen Jahren forciert. 2007 steuerten Zeitungen und Zeitschriften noch 72,9 Prozent zum Springer-Umsatz bei; 2012 noch 47,6 Prozent. Die Digitalsparte trug 2007 nur 8,1 Prozent zum Konzernumsatz bei; 2012 mehr als 35 Prozent.

Neue Investitionen im digitalen Bereich geplant

Erst kürzlich hatte das Unternehmen den Verkauf seiner Regionalzeitungen sowie TV- und Frauenzeitschriften an die Essener Funke-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") angekündigt. Die Bedeutung der Printsparte wird dadurch noch einmal signifikant schrumpfen: Die betroffenen Printprodukte machten im vergangenen Jahr rund 15 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Durch den Verkauf verdient Springer langfristig 920 Millionen Euro. Das Geld soll vor allem in digitale Produkte gesteckt werden, bekräftigte Döpfner am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalsbilanz.

  • Im Fokus stünde erstens das Geschäft mit digitalen Kleinanzeigen. Zum Konzern gehören bereits jetzt viele Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone, dazu einige Online-Vermarktungsdienste wie Zanox. Springer hat zudem Interesse an der Scout24-Gruppe der Deutschen Telekom Chart zeigen.
  • Man wolle mit dem frischen Kapital außerdem die journalistischen Kernmarken "Bild" und "Welt" im stationären und mobilen Internet stärken, versprach Döpfner.

Streit um Fußballübertragungsrechte

In letzterem Bereich musste Springer zuletzt allerdings einen Rückschlag hinnehmen. 20 Millionen Euro investierte der Konzern nach SPIEGEL-Informationen in die Übertragung von Fußball-Bundesliga-Videos. Ab dem 9. August will Springer Kunden seines journalistischen Bezahl-Angebots "Bild+" nun an jedem Spieltag die Highlights der Fußball-Bundesligaspiele liefern. Die Videos sollen rund eine Stunde nach Abpfiff im Web und via App abrufbar sein - und "Bild+" neue Abonnenten bescheren.

Doch dann kündigte der Pay-TV-Anbieter Sky ebenfalls eine neue Bundesliga-App an, die die Highlights früher und billiger zeigt. Das Sky-Produkt ist ein Live-Stream; sogenannte On-Demand-Videos, die Kunden zeitunabhängig und mehrfach ansehen können, bietet Sky dagegen nicht an.

"Die Apps sind komplett unterschiedlich", sagte Sky-Chef Brian Sullivan denn auch am Dienstag. Experten dagegen glauben, dass Sky Springer in dem ohnehin kleinen Nischenmarkt zwischen Live-Übertragung und kostenloser ARD-Sportschau massiv Konkurrenz machen wird.

Springer droht mit Klage

Am Mittwoch nun drohte Döpfner neue Maßnahmen an. "Wir sehen die Notwendigkeit, dass die Deutsche Fußball Liga die Verhältnisse klärt", sagte er. Diese hatte sowohl an Springer als auch an Sky Übertragungsrechte vergeben. Sollte das nicht passieren, "werden wir selbstverständlich alle notwendigen rechtlichen Schritte einleiten".

Die DFL ist sich keiner Schuld bewusst. "Aus Sicht der DFL sind die Pakete aller Rechteinhaber klar definiert", teilte sie mit. "Es sind nach unserer Auffassung weder Rechte doppelt vergeben worden, noch wird die DFL jemandem Rechte einräumen, die das Angebot eines anderen Lizenznehmers in seiner Wertigkeit berühren."

Ob sich der Streit noch vor Start der neuen Saison klären lässt, ist fraglich. Das erste Spiel steht diesen Freitag an: Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach.

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ssu/dpa/Reuters

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1. Haha
movfaltin 08.08.2013
Tja, Herr Döpfner, damit sind die Mutmaßungen über Ihre Fehlleistung dann bestätigt. Ist schon klar, dass man bei der Bild nicht lernt, Texte auch durchzulesen. Da sind die Sky-Leute und die DFL einfach gebildeter und können selbst kombinieren. Vielleicht sollten Sie es anfangs mit “Der kleine Prinz“ (A. de Saint-Exupéry) versuchen. Hat Illustrationen und eine recht große Schrift - bevor Sie sich dann mit wahren Buchstabenhaufen wie etwa bei “Das kleine Gespenst“ (O. Preußler) oder gar dem noch anspruchsvolleren Werk “Die Unendliche Geschichte“ (M. Ende) befassen. Am Ende schaffen Sie auch Die Zeit oder den Economist!
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