Kriseninstitut Bad Bank der HRE macht zehn Milliarden Euro Verlust

Die deutschen Steuerzahler müssen mit fast zehn Milliarden Euro für Verluste der Bad Bank der Hypo Real Estate geradestehen. Das Institut verbuchte im vergangenen Jahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro. Für 2012 hofft die Bank auf ein besseres Ergebnis.

Logo der Bad Bank der Hypo Real Estate: Steuerzahler müssen Verluste ausgleichen
dapd

Logo der Bad Bank der Hypo Real Estate: Steuerzahler müssen Verluste ausgleichen


München - Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen haben der Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE) im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust beschert. Das Minus belief sich auf 9,97 Milliarden Euro, teilte die FMS Wertmanagement mit. Unter diesem Namen firmiert die Abwicklungsanstalt der HRE.

"Die hohe Risikovorsorge allein in Verbindung mit den Griechenland-Engagements in Höhe von 8,9 Milliarden Euro konnte in den ursprünglichen Planungen für die Abwicklungsanstalt nicht vorgesehen werden", erklärte Vorstandssprecher Christian Bluhm den hohen Verlust. Dieser wird fast vollständig vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin und somit letztlich von den Steuerzahlern übernommen. So gleicht der Soffin 9,9 Milliarden Euro aus.

Für 2012 rechnet die Bad Bank mit einem deutlich besseren Ergebnis als im Vorjahr, sagte Blum. Dies hänge allerdings stark von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab, schränkte er ein.

In die Abwicklungsanstalt hatte die verstaatlichte HRE im Herbst 2010 Altlasten im Wert von rund 175 Milliarden Euro ausgelagert. Die Bad Bank soll die Risikopapiere möglichst ohne Verluste wieder auf den Markt bringen. Doch angesichts der derzeitigen Lage auf den Finanzmärkten ist das nur schwer zu machen. Das Portfolio der Abwicklungsanstalt ist bis Ende 2011 um 8,5 Prozent auf 160,7 Milliarden Euro reduziert worden. Die Bad Bank der HRE ist besonders vom Schuldenschnitt in Griechenland betroffen, weil sie in der deutschen Finanzbranche am stärksten dort engagiert ist.

Dank der Auslagerung der Altlasten schreibt die verstaatlichte HRE inzwischen wieder schwarze Zahlen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es aber vor Steuern gerade mal zwölf Millionen Euro. Das neue Kernstück des Konzerns, die Deutsche Pfandbriefbank (pbb), verdiente 21 Millionen Euro vor Steuern. In der pbb sind die gesunden Teile der in der Finanzkrise kollabierten HRE gebündelt.

Ex-HRE-Chef Funke greift Steinbrück an

Der Ex-Chef der HRE, Georg Funke, weist jede Schuld am Beinahe-Zusammenbruch der Immobilienbank zurück. Es seien nicht seine Fehler gewesen, die die Schieflage der Bank ausgelöst hätten, sagte er dem ZDF-Magazin "Frontal 21" bei einem Interview in seinem Domizil auf Mallorca. Er beklagte eine "Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen". Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien nicht richtig. Seine Kündigung sei "rechtlich nicht haltbar" gewesen.

Funke hat sich bereits häufiger gegen Vorwürfe gewehrt und sich als "Sündenbock" bezeichnet. Unter seiner Leitung war die HRE 2008 fast kollabiert. Nur Steuergelder in Milliardenhöhe bewahrten die Bank vor dem Aus.

Der Manager griff den früheren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) an. "Herr Steinbrück hat die Bank zerstört", sagte Funke. Der damalige Finanzminister habe mit seinen Äußerungen über eine mögliche Abwicklung der HRE dem Institut den Rest gegeben. "Für eine Bank ist Reputation einfach alles", sagte Funke. Es sei keine Rettung gewesen, "das war das Ende der Bank." Steinbrück hatte am 29. September 2008 von einer drohenden Insolvenz der HRE gesprochen.

mmq/dpa/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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Growling Mad Scientist 03.07.2012
1. Wer findet den Widerspruch?
Zitat von sysopdapdDie deutschen Steuerzahler müssen mit fast zehn Milliarden Euro für Verluste der Bad Bank der Hypo Real Estate geradestehen. Das Institut verbuchte im vergangenen Jahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro. Für 2012 hofft die Bank auf ein besseres Ergebnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842297,00.html
Wer findet hier den Widerspruch? Um den Gewinn von ein paar Millionen zu machen, müssen Milliarden an Verlusten gemacht werden? Und die Berichterstattung über diese Fakten ist so positiv, als müsste das so sein. Wir sind längst pleite, bloß haben das noch nicht kapiert.
wibo2 03.07.2012
2. FMS Wertmanagement wird für den Steuerzahler noch sehr teuer werden ...
Zitat von sysopdapdDie deutschen Steuerzahler müssen mit fast zehn Milliarden Euro für Verluste der Bad Bank der Hypo Real Estate geradestehen. Das Institut verbuchte im vergangenen Jahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro. Für 2012 hofft die Bank auf ein besseres Ergebnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842297,00.html
Etwa 150 Milliarden Euro Nennwert hat die größte Bad Bank der Finanzgeschichte aufgenommen. Gerhard Bruckermann, der Ex-Chef der Depfa ist verschwunden, er gilt als einer der Hauptschuldigen für das Desaster der Hypo Real Estate. Die Drecksbank wird den Steuerzahler noch zig Milliarden kosten als Folge von Maßlosigkeit und Unfähigkeit der Banker.
andrehe 03.07.2012
3. warum
Für griechische Staatsanleihen gab es hohe Zinsen, weil das Ausfallrisiko vergleichsweise hoch war. Die HRE hat sich verspekuliert und muss mit dem Verlust leben - oder pleite gehen - wie jedes andere Unternehmen auch. Warum eine Bank verstaatlichen? Um sie dann alternativlos retten zu können, ohne allzu viel Aufsehen zu erregen, da sie ja "Staatseigentum" ist? Die Banken müssen reguliert werden, so dass sie nur mit dem Geld spekulieren, welches für Spekulationen vorgesehen ist. Das Risiko trägt der Anleger zu 100%. Wenn er das nicht möchte, kann er sein Geld sicherer anlegen, allerdings mit einer geringeren Rendite. Ich werde keine Partei wählen, die Steuergelder an Zocker verschleudert, egal mit welchen blumigen Worten das beschrieben wird!
koios 03.07.2012
4. Wie ist das genau zu verstehen?!
Zitat von sysopdapdDie deutschen Steuerzahler müssen mit fast zehn Milliarden Euro für Verluste der Bad Bank der Hypo Real Estate geradestehen. Das Institut verbuchte im vergangenen Jahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro. Für 2012 hofft die Bank auf ein besseres Ergebnis. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842297,00.html
Müssen diese beiden Sätze unter Umständen auch so verstanden werden, daß dem Steuerzahler im Jahr 2013 z.B. ein Minus von 16 Milliarden Euro als "ein besseres Ergebnis" verkauft wird?!
markus54321 03.07.2012
5. aus Fehlern lernen???
Fehlanzeige bei der finnzmarktgesteuerten, korrupten Regierung in Brüssel und Berlin. Das Fazit aus der vermurksten, völlig unnötigen HRE-Rettung hätte sein müssen, NIEWEDER eine Bank auf Steuerzahlerkosten retten zu dürfen. Genau das Gegenteil wurde gerade für alle südeuropäischen Banken beschlossen. Einfach bankrott gehen lassen und die Guthaben der Sparer retten, das würde einen lächerlichen Betrag kosten... zur Bad-Bank konkret: Sie haben also die Risikopapiere von 175 auf 160 Milliarden um 15 Milliarden reduziert und dabei 10 Milliarden verlust gemacht. Eine tolle Quote!!! Hohgerechnet auf den Rest der 160 Milliarden wird das Ausmaß der Fehlentscheidung deutlich...
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