Steigende Kosten: 6000 Bäckereien vor dem Aus

Bäcker haben mit steigenden Kosten für Energie, Personal und Rohstoffen zu kämpfen - und dürften Brot und Brötchen bald teurer verkaufen. Zudem rechnet die Branche damit, dass fast die Hälfte aller Bäckereien schließen muss - auch, weil sie keine höheren Preise durchsetzen können.

Brötchen in Köln: Kleine Bäckereien kämpfen ums Überleben Zur Großansicht
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Brötchen in Köln: Kleine Bäckereien kämpfen ums Überleben

Düsseldorf - Wenn Getreide auf dem Weltmarkt teurer wird, werden Brot und Brötchen in Deutschland nicht unbedingt teurer - der Anteil an den Kosten ist eher gering. Derzeit müssen die Bäcker - und zwar sowohl kleine Handwerksbetriebe als auch Großbäckereien - aber einen viel größeren Kostenschub verkraften: Die Ausgaben für Energie, Logistik, Verpackung und Personal sind weiter gestiegen.

Die steigenden Weltmarktpreise für Rohstoffe durch Missernten wie in den USA sowie Spekulationen mit Nahrungsmitteln kommen dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks zufolge noch dazu. Einige Unternehmen hätten bereits Preise erhöht, andere kämpften darum, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien, Helmut Klemme, am Montag in Düsseldorf.

Wegen des harten Wettbewerbs im deutschen Lebensmittelhandel sei es jedoch nicht einfach, Kostensteigerungen weiterzureichen. Gerade große Handelskonzerne sperrten sich häufig gegen Preiserhöhungen. Zum Ausmaß des drohenden Preisanstiegs machte der Verband allerdings keine Angaben.

Zahl der Bäckereien wird sich fast halbieren

Die Großbäckereien beliefern Supermärkte und Discounter, einige haben auch eigene Filialen. Bereits vor einer Woche hatte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks von Kostensteigerungen berichtet. Die Bäcker kämen um "eine moderate Preiserhöhung" nicht herum, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, Amin Werner.

Steigende Kosten beschleunigen demnach auch das Bäckereisterben: Der Verband der Großbäckereien geht davon aus, dass innerhalb der kommenden acht Jahre 6000 Backbetriebe verschwinden werden. Die Zahl der Unternehmen werde von 14.000 auf etwa 8000 zurückgehen. Dabei spielten nicht nur wirtschaftliche Gründe eine Rolle, sondern auch das Problem fehlender Nachfolger.

Zudem seien Supermärkte und Discounter auf dem Vormarsch. Die Hälfte der Verbraucherausgaben für Brot und Backwaren erfolgten im Lebensmittelhandel. Zu den 15.000 Backstationen in Supermärkten und Discountern kämen binnen zwei bis drei Jahren noch etwa 10.000 hinzu.

nck/dpa

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insgesamt 209 Beiträge
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1.
DJ Doena 24.09.2012
Zitat von sysopBäcker haben mit steigenden Kosten für Energie, Personal und Rohstoffen zu kämpfen - und dürften Brot und Brötchen bald teurer verkaufen. Zudem rechnet die Branche damit, dass fast die Hälfte aller Bäckereien schließen muss - auch, weil sie keine höheren Preise durchsetzen können. Bäckereien könnten Brot und Brötchen teurer machen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/baeckereien-koennten-brot-und-broetchen-teurer-machen-a-857628.html)
Was heißt hier "keine höheren Preise durchsetzen können"? Die Salzbrezel ist hier in den letzten Jahren von 50 auf 60 auf 65 und jetzt teilweise schon auf 75 Cent pro Stück verteuert worden. Das sind 50 Prozent in wenigen Jahren. In den letzten Jahren hatte die Hofmeister-Bäckereikette immer ein 4 für 3 Angebot für "Berliner". Da diese Gebäck hier im Süden aus mysteriösen Gründen "Saisonware" ist (im Gegensatz zu Berlin, wo es den "Pfannkuchen" das ganze Jahr über gibt) verschwindet er immer einige Zeit aus dem Sortiment. In den zwei letzten Vorjahren hat das Angebot 3+1 immer 1,98€ gekostet. Also 50c/St. Diese Saison kostet das selbe Angebot 2,40€. Das sind 20% Preisaufschlag in einem Jahr. Ich will ja meine Brötchen nicht für umsonst haben, aber wenn ich an die teilweisen Hohlraummonster für 50 Cent aus der Bäckerei denke, dann nehme ich doch lieber die durchgängig teigigen von Penny für 15 Cent.
2. schon immer
tart 24.09.2012
die Preise beim Bäcker seigen nicht erst seit heute.... Ein belegtes Schinkenbrötchen kostete (beim gleichen Bäcker) vor zwei Jahren noch 1,90 inzwischen sind es 2,40. Das ist ein Wert deutlich über der Inflation.
3. wo bleibt der Aufschrei?
ThomasD65 24.09.2012
als Nokia ein paar Tausend Arbeitsplätze in NRW streichen wollte, schlug die Stunde der Populisten, auch in der Politik, die medienwirksam ihre (ohnehin nicht mehr hippen) Nokia Handys entsorgten. Jetzt geht es ja nur um die kleine überteuerte Bäckerei an der Ecke, die in der Regel zwar so viel Personal wie eine Discounterfiliale beschäftigt, ansonsten im Geiz-ist-geil-Land keine Lobby hat. Danke an Spon, dass einmal die Auswirkungen dieser Aufbackautomaten aufgezeigt werden.
4. grenzenlose Habgier läßt grüßen
realpolitiker 24.09.2012
Kasse machen und Abkassieren um jeden Preis ist die Devise der heutigen modernen und "fortschrittliche" Zeit. Vor ca. 30 Jahren wurde nur Erdöl an der Börse gehandelt. Ich habe schon damals prophezeit, dass demnächst auch Getreide, Lebensmittel u.a. lebensnotwendige Dinge zum Spekulationsobjekt der Börse werden. Das ist der Fluch einer grenzenlosen Habgier und letzlich der politisch gewollten Privatisierungen aller Bereiche. Wenn die Spekulanten und Investoren es könnten, dann würden sie sicherlich auch noch den Sauerstoff in der Atemluft an der Börse vermarkten.
5. Das ist doch für Politiker
westfalen7 24.09.2012
völlig in Ordnung,daß die Preise steigen.Sagen tut das keiner,aber über die Mehreinnahmen der Mehrwertsteuer freuen sie sich! Und handwerklich hergestellte Brötchen und Brot sind nun einmal teurer als aufgebackene beim Discounter.
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