Deutsche Bank Jains Wunschkandidat fällt durch

Die Ära Jain beginnt für die Deutsche Bank mit einem beispiellosen Eklat: Nach Informationen des SPIEGEL verweigert die Finanzaufsicht Bafin dem designierten Risikovorstand William Broeksmit die Genehmigung - als Ersatzkandidat soll nun Stuart Lewis antreten.

Anshu Jain: Fehlstart für den neuen Chef der Deutschen Bank
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Anshu Jain: Fehlstart für den neuen Chef der Deutschen Bank

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Frankfurt - Bei ihren Plänen für die Neubesetzung des Vorstands haben die neuen Chefs der Deutschen Bank einen Reinfall erlebt. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat die Finanzaufsicht Bafin William Broeksmit, dem Kandidaten für den Posten des Risikovorstands, keine Freigabe erteilt. Offenbar haben die Aufseher schwere Bedenken, ob Broeksmit für den Posten geeignet ist. Der US-Amerikaner hätte eigentlich bereits an diesem Freitag vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank zum Nachfolger von Hugo Bänziger gewählt werden sollen. Stattdessen soll nun dessen bisheriger Stellvertreter, Stuart Lewis, auf den Posten rücken.

Bafin und Deutsche Bank wollten die Informationen gegenüber dem SPIEGEL nicht kommentieren. Doch mit dieser Entscheidung sind die ursprünglichen Pläne des designierten neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen für den Umbau der Bankspitze geplatzt. Neben Lewis sollen am Freitag auch noch Stephan Leithner und Henry Ritchotte zu neuen Vorständen gewählt werden, beide gelten als Vertraute von Jain.

Doch zu keinem von ihnen dürfte Jains Bindung so eng sein wie zu Broeksmit. Die beiden zählten bereits in jungen Jahren zu den Schützlingen von Edson Mitchell, dem legendären Investmentbanking-Chef der Deutschen Bank. Mitchell war 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen - was seine Jünger nur noch enger aneinander band.

Broeksmit war 1996 von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gewechselt. Bei seinem neuen Arbeitgeber baute er zunächst das Geschäft mit außerbörslich gehandelten Derivaten in Europa auf - also genau jener Wertpapierkategorie, der viele Beobachter eine Mitschuld am Ausbruch der Finanzkrise geben. Nach sieben Jahren selbständiger Tätigkeit kehrte Broeksmit 2008 zur Deutschen Bank zurück, diesmal als Risikomanager.

An ihm hatte es im Umfeld der Bank schon in den vergangenen Tagen Kritik gegeben: Ihm fehle Führungserfahrung. Dem Risikovorstand kommt in den Banken seit der Finanzkrise mehr denn je eine Schlüsselrolle zu. Er muss den Investmentbankern auf die Finger schauen und allzu riskante Geschäfte unterbinden.

Das wird künftig Aufgabe von Stuart Lewis sein. Der 46-jährige Schotte habe die Zustimmung der Bafin unter anderem bekommen, weil er deutlich mehr Personalverantwortung hatte als Broeksmit.

Im Rahmen ihres Aufsichtsmandats muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) alle neuen Vorstände von Banken auf ihre "fachliche Eignung" und "Zuverlässigkeit" überprüfen - in der Regel eine Formsache. Falls es doch einmal Einwände der Bafin gibt, zieht das betroffene Kreditinstitut ihren Kandidaten normalerweise stillschweigend zurück. Betroffen sind davon aber in der Regel nur kleinere Banken. Für die Deutsche Bank hingegen bedeutet die Ablehnung eines ihrer Vorstandskandidaten einen beispiellosen Eklat.

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distel60 15.03.2012
1.
Nur zu, kann ich da zur Bafin sagen. Schließlich soll ein Risikovorstand kontrollieren und nicht der beste Kumpel vom Chef sein!
max_copernicus 15.03.2012
2.
Der im Text angesprochene Mitchell sagte mal über sich selbst auf die Frage, wer er denn wohl sei: "Ich bin Gott". Seine Günstlinge dürften dann wohl ein ähnliches Selbstverständnis haben. Dass Broeksmit stark am Aufbau des OTC Derivatehandels beteiligt war, macht in in ein paar Jahren in der Retrospektive wahrscheinlich zu einem der Männer, die daran mitgewirkt haben, die Welt aus den Angeln zu heben. Besser, er kann jetzt keinen weiteren Schaden mehr anrichten. Chapeau Bafin.
wika 15.03.2012
3. Interessant …
… soviel Zivilcourage hätte ich der BaFin gar nicht zugetraut. Woher kommt dieser Mut? Oder will man dort nur diese Weisheit nicht mehr so recht stützen: Banken sind Lotteriegesellschaften mit staatlicher Gewinngarantie (http://qpress.de/2011/06/17/banken-sind-lotteriegesellschaften-mit-staatlicher-gewinngarantie/) … etwas was noch täglich von der Politik hart gestützt und subventioniert wird (siehe Beschlüsse des Bundestages). Oder funktioniert derzeit nur der Lobbyeingang zur BaFin nicht? Ich finde es ist in jedem Fall ein ermutigendes Zeichen, dass man vielleicht doch all zu ausgebuffte Zocker in solchen Positionen nicht tolerieren möchte. Als echten Wandel in der bankenlandschaft und deren Gesinnung wird es wohl am Ende nicht taugen, da müssen dann noch härtere Geschütze her … (°!°)
Vorzeichen 15.03.2012
4. Sieger erkennt man am Start
Zitat von sysopREUTERSDie Ära Jain beginnt für die Deutsche Bank möglicherweise mit einer Schlappe: nach Informationen von SPIEGEL ONLINE verweigert die Bafin dem designierten Risikovorstand William Broeksmit bislang die Genehmigung - nun wird fieberhaft nach einem Ersatzkandidaten gefahndet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821653,00.html
Womit alles gesagt ist, denn: Sieger erkennt man am Start.
PublicTender 15.03.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSDie Ära Jain beginnt für die Deutsche Bank möglicherweise mit einer Schlappe: nach Informationen von SPIEGEL ONLINE verweigert die Bafin dem designierten Risikovorstand William Broeksmit bislang die Genehmigung - nun wird fieberhaft nach einem Ersatzkandidaten gefahndet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821653,00.html
Auch wenn ich kaum glaube das zu schreiben: Viva Bafin! Ein Hoch auf Deutschland.
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